# taz.de -- Viertletzte wird Sechste
       
       > Emma Aicher geht mit Lospech in die Abfahrt der Ski-WM. Doch das Talent
       > fährt auf einen Platz weit vorn. Weltmeisterin wird Breezy Johnson aus
       > den USA
       
       Aus Saalbach-Hinterglemm Elisabeth Schlammerl
       
       Manchmal ist es ganz gut, dass Emma Aicher ist, wie sie ist. Dass die
       Skirennläuferin nichts aus der Ruhe bringt, aber schon gar nichts. Und dass
       sie Dinge, die nicht gut laufen, schnell abhakt. Bei der Frauen-Abfahrt der
       [1][Ski-WM] am Samstag hätten sich vermutlich die meisten ihrer
       Konkurrentinnen wenigstens ein bisschen geärgert, sich vielleicht auch
       ziemlich aufgeregt über eine Auslosung, die nicht immer gerecht zu sein
       scheint. Aber [2][Emma Aicher] kommentierte dies mit einem Achselzucken.
       „Passt schon. Es ist mir wurscht, mit welcher Startnummer ich fahre.“
       
       Vielleicht war es aber bei dieser Abfahrt nicht ganz wurscht. Emma Aicher
       hatte als 30. ins Rennen gehen müssen und damit als Viertletzte – da hatte
       die Piste am [3][Zwölferkogel] schon etwas gelitten. Hinter ihr kamen nur
       noch drei Athletinnen, die, nun ja, meilenweit von der Weltelite entfernt
       sind. Das Kuriose aber war, dass auch vor ihr ein paar Frauen gelost worden
       waren, die meilenweit von der Spitze entfernt sind. Emma Aicher hat bis
       Samstag in der Abfahrt auch nicht zu den Besten gehört, aber sie war doch
       viel, viel näher dran gewesen als die für Kenia startende Sabrina Simader
       oder Jordina Caminal Santure aus Andorra, die noch nie ein Weltcup-Rennen
       bestritten hatte.
       
       Es ist müßig zu spekulieren, wo sie gelandet wäre, hätte sie mehr Losglück
       gehabt. „Wir werden es nie herausfinden“, sagte Aicher, die bei der Hälfte
       des Rennens noch auf Medaillenkurs lag, aber im unteren Teil in Rückstand
       geriet und wie zwei Tage zuvor beim Super-G auf dem sechsten Platz landete.
       Am Ende fehlten 27 Hundertstelsekunden auf Bronze und eine knappe halbe
       Sekunde auf Gold, das überraschend die mit Nummer eins gestartete
       [4][Breezy Johnson] aus den USA gewann – vor der Österreicherin Mirjam
       Puchner und Esther Ledecka aus Tschechien.
       
       Emma Aicher hatte am Samstag im Ziel zwar nicht wie noch beim Super-G
       gejubelt, aber immerhin die Faust geballt. Schließlich schaffte sie bei der
       WM ihre besten Saisonergebnisse – und dass sie in der Abfahrt nach den drei
       überzeugenden Trainingsfahrten sogar zu den Medaillenkandidatinnen gezählt
       hatte, war für sie schon ein Erfolg. „Ich bin zufrieden, denn ich konnte
       machen, was ich mir vorgenommen hatte.“ Keine Spur von Ärger über das
       verpasste Edelmetall.
       
       Dies als fehlenden Ehrgeiz auszulegen wäre ungerecht. Sie weiß ziemlich
       genau, was sie kann. Und was nicht. Manchmal ist sie in der Interpretation
       des eigenen Könnens sogar etwas besser als das Betreuerteam um sie herum.
       Wenn sie auf dem Weg zu einer guten Platzierung wieder einmal ausscheidet,
       dann, erzählte Frauen-Cheftrainer [5][Andreas Puelacher] einmal, beruhigt
       sie ihr Umfeld mit den Worten: „Macht euch keine Gedanken, das wird schon.“
       Puelacher nennt diese Unaufgeregtheit der Tochter einer Schwedin und eines
       Deutschen „skandinavisches Naturell“.
       
       Diese Resilienz ist keine schlechte Voraussetzung für ihre weitere
       Karriere. Mit 21 Jahren standen zwar andere Athletinnen schon auf dem
       Podest, aber Aicher hat einen Weg eingeschlagen, der ein wenig mehr Zeit
       bedarf. Als Vier-Disziplinen-Fahrerin ist das Training für jeden Wettbewerb
       eine zeitliche Herausforderung. Man müsse Geduld haben, sagt deshalb
       Puelacher, sie „Schritt für Schritt“ entwickeln, dann, ist er sicher, werde
       sie bald durchstarten: „Ich behaupte, sie wird eine Rakete.“
       
       Im Slalom schien Aicher bis zu diesen Weltmeisterschaften den größten
       Sprung gemacht zu haben. Wenn sie ins Ziel kam, landete sie stets unter den
       besten zehn. In dieser Disziplin ist sie Puelacher bereits „eine
       Stockerlfahrerin“, eine potenzielle. In den schnellen Disziplinen fehlt ihr
       noch die Erfahrung. Das Timing stimme da noch nicht, sagt Puelacher. Bei
       Abfahrten mit engen Kurven jedenfalls. Die WM-Abfahrt war eine mit langen,
       flüssigen Kurven, „das passt ganz gut zu mir“, fand Aicher.
       
       Besser als zur anderen deutschen Starterin, [6][Kira Weidle-Winkelmann],
       die Zwölfte wurde und vor der WM als Partnerin der besten deutschen
       Slalomfahrerin, [7][Lena Dürr], bei der erstmals ausgetragenen
       Teamkombination am Dienstag vorgesehen war. Nun hat Cheftrainer Puelacher
       aber umgeplant. Aicher wird nun zusammen mit Dürr starten. Das ist die
       nächste Medaillenchance für Aicher und den DSV.
       
       10 Feb 2025
       
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       ## AUTOREN
       
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