# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn die Freude über die Einbürgerung getrübt ist
       
       Vor dem Rathaus in Oldenburg sehe ich am Fahrradständer einen Mann mit
       Mütze, der ein Blatt aus einer Mappe holt und es auf den Gepäckträger
       seines Fahrrads legt, um es zu fotografieren. Ich schiele darauf:
       „Einbürgerungsurkunde“, darüber der Bundesadler.
       
       Ich spreche ihn an: „Sind Sie eingebürgert worden?“ Ja, sagt er, und
       lächelt. „Darf ich gratulieren? Freuen Sie sich darüber?“ Ja, antwortet er,
       seit acht Jahren lebe er in Deutschland und „endlich“ habe er die Urkunde.
       Woher er gekommen sei? Aus Syrien. Oh, Syrien, da ist viel in Bewegung
       geraten! Ja, sagt er und lächelt. Er freut sich, dass Assad weg ist. Aber
       er lebt jetzt hier, arbeitet hier, fühlt sich wohl.
       
       Ich will seine Freude nicht trüben, muss aber nach Merz fragen, nach dessen
       herz- und kopflos harter Linie gegen Migranten. Der will Doppelstaatlern
       die deutsche Staatsangehörigkeit entziehen, wenn sie straffällig werden.
       Der Mann weiß das. Er fragt, wie sicher seine Einbürgerung sei. Er ist
       Deutscher, bleibt aber auch Syrer. Die syrische Staatsbürgerschaft kann er
       nicht ablegen. Er fühle sich beobachtet von den Deutschen. Wie auf
       Bewährung. Nach acht Jahren. Felix Zimmermann
       
       1 Feb 2025
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Felix Zimmermann
       
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