# taz.de -- Abschreckung und Nato-Beitritt: Selenskyj stellt „Siegesplan“ im ukrainischen Parlament vor
       
       > Der ukrainische Präsident präsentiert dem Parlament in Kyjiw Teile seines
       > Plans, um Russland zu bezwingen. Er setzt auf die Hilfe der Verbündeten.
       
 (IMG) Bild: Standing Ovations im ukrainischen Parlament für den „Siegesplan“ des Präsidenten Selenskyj
       
       Kyjiw taz | Immer wieder war er angekündigt worden, der „Siegesplan“ des
       ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Nachdem er den Staatschefs
       der USA, [1][Frankreichs, Großbritanniens, Deutschlands und Italiens
       vorgelegt worden war,] wurde er nun zum ersten Mal öffentlich präsentiert:
       im ukrainischen Parlament. Allerdings nicht alle Details des Plans. Drei
       Anhänge werden geheim bleiben, so Selenskyj. Russland müsse im Krieg gegen
       die Ukraine verlieren, so Selenskyj.
       
       „Wir müssen den Siegesplan umsetzen, um Russland dazu zu bringen, auf dem
       Friedensgipfel zu sein und bereit zu sein, den Krieg zu beenden. Wir
       Ukrainer wollen souverän leben, wollen unsere Zukunft selbst gestalten und
       auf Augenhöhe mit anderen Ländern reden.“ Standing Ovations folgten für den
       Präsidenten, als er allen Soldaten an der Front für ihren Einsatz dankte.
       Es sei Aufgabe der Ukraine, auf die Umstände so einzuwirken, dass Russland
       zum Frieden gezwungen werde.
       
       Der nun von Selenskyj vorgestellte „Siegesplan“ soll ein Ende des Krieges
       bis spätestens 2025 garantieren. Ob dieser Plan umgesetzt werde, hänge von
       den Partnern der Ukraine ab. Auf dem Spiel stehe nichts Geringeres als der
       Erhalt der Weltordnung. „Wenn wir uns nicht anstrengen, wird Putin dafür
       sorgen, dass es nie wieder Diplomatie geben wird.“ Selenskyj sprach sich
       klar gegen ein Einfrieren des Krieges aus. „Es wird keine Abtretung von
       Territorien geben!“, rief er in den Saal.
       
       ## Einladung zum Nato-Beitritt noch während des Krieges
       
       Als ersten und wichtigsten Punkt seines Siegesplans nannte Selenskyj eine
       Einladung der Nato an die Ukraine noch während des Krieges. Man sehe zwar,
       dass eine Mitgliedschaft in der Nato eine Sache ist, die noch weit weg ist.
       „Aber Putin muss sehen, dass sein geopolitisches Kalkül nicht aufgegangen
       ist. Die Russen müssen spüren, dass ihr Zar geopolitisch verloren hat.“
       
       Zweitens, so Selenskyj, würden die Operationen [2][auf russischem Gebiet
       fortgesetzt]. Es dürfe keine Einschränkungen mehr für den Einsatz von
       Waffen auf russischem Territorium geben. Gemeinsam mit den Partnern müsse
       man die russische Luftwaffe zerstören. Außerdem brauche man Zugang zu den
       Aufklärungsdaten der internationalen Partner. Der Krieg müsse auf
       russisches Territorium zurückkehren, „damit die Russen spüren, was Krieg
       ist, und sie einen Hass Richtung Kreml entwickeln“.
       
       Drittens sei die Abschreckung Russlands wichtig. In diesem Zusammenhang
       forderte Selenskyj die Stationierung von nichtatomaren Waffensystemen in
       der Ukraine. Konkreteres dazu nannte er nicht öffentlich. Wichtig sei zudem
       die Unterstützung der ukrainischen Wirtschaft bei gleichzeitiger
       Verschärfung antirussischer Sanktionen. Schon jetzt, betonte der
       ukrainische Präsident, müsse man an die Nachkriegszeit denken.
       
       In diesem Krieg habe die Ukraine viele militärische Erfahrungen gemacht.
       Diese Erfahrungen gebe man gerne an die Bündnispartner weiter. Und man
       könne nach dem Krieg einen Teil der in Europa stationierten US-Soldaten mit
       ukrainischen Soldaten ersetzen. Man müsse Russland für immer die Kontrolle
       über die Ukraine und auch den Wunsch danach nehmen. Das würde ganz Europa
       Ruhe garantieren.
       
       Selenskyj wurde für seine Rede im Parlament gefeiert. Kritik gab es kaum.
       Lediglich der Abgeordnete der Poroschenko-Partei „Europäische Solidarität“,
       Oleksi Gontscharenko, äußerte sich skeptisch. Auch wenn Gontscharenko die
       in dem Plan vorgestellten Ziele unterstützte. 40 Mal sei in der Rede des
       Präsidenten das Wort „Partner“ gefallen, so der Politiker auf der Plattform
       Telegram. [3][Am Ende stelle sich aber die Frage, wie der Sieg eigentlich
       errungen werden soll.] „Die Partner werden das nicht für uns tun, bei all
       dem Respekt für sie.“
       
       16 Oct 2024
       
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