# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn schweres Atmen die morgendliche Stille stört
       
       Morgens früh um 7:30 Uhr. Ich habe im Zug nach Hamburg vier Plätze und
       einen Tisch für mich alleine. Die anderen Pendler sitzen an ihren Laptops
       oder versuchen wie ich, noch kurz zu schlummern. Es ist sehr ruhig im
       Abteil, die Schaffnerin hat mit ihren kurzen Ansagen ein gutes Gespür für
       die Situation.
       
       Die Stille wird heute jedoch plötzlich gestört – durch ein lautes Atmen,
       sehr tief und unrythmisch in Intervallen. Komisch, denke ich, aber
       wenigstens die ersten 20 Minuten bis Rotenburg will ich noch schlafen!
       Irgendwann gebe ich auf. Vielleicht geht es der Person auch nicht gut?! Als
       ich mich rückwärts über den Sitz recke, ist bei dem Sitz am Gang der Tisch
       runtergeklappt. Darauf steht ein gefaltetes Papier – zu lesen ist eine
       unmissverständliche Botschaft: „Keine Angst, ich mache nur Yoga.“
       
       Wenig später will der Schaffner die Tickets sehen, er wirkt ratlos, wie er
       die Meditation am besten unterbrechen kann. Die Bitte, den Ausweis
       vorzuzeigen, scheint nicht verstanden zu werden. Eine erfahrene Kollegin
       kommt ihm zur Hilfe: „Das ist der, der immer meditiert. Manchmal hat er
       einen Ausweis dabei, manchmal nicht.“ Mika Backhaus
       
       7 Sep 2024
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mika Backhaus
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA