# taz.de -- berliner szenen: Ein Code für die gelbe Leere
       
       Es gibt mehrere Gründe, warum ich ungern irgendwas aus dem Internet
       bestelle. Die Umwelt ist da ein wichtiger Grund. Ein anderer: Mich stresst
       es. Mich stresst es, immer wieder den Sendungsstatus zu aktualisieren, zu
       fluchen, wenn man extra daheimbleibt, aber der Postbote dann nicht klingelt
       und behauptet, man wäre nicht zu Hause gewesen. Mich stresst es, eine
       Retoure anzumelden und zu checken, ob denn das Geld wieder den Weg zurück
       aufs Konto gefunden hat.
       
       Vorgestern kam ein neuer Stressfaktor dazu: Packstation. Es hieß online,
       dass mein Päckchen in einer Packstation abgegeben wurde. Erstmal googelte
       ich, was das überhaupt ist, eine Packstation, bis ich begriff, dass es sich
       dabei um diese gelben Regale mit Schließfächern handelt, die man sonst eher
       aus dem Schwimmbad kennt. Erst kürzlich wurde so ein Teil in meiner Straße
       installiert und ich fragte mich noch, wer allen Ernstes dieses Regal nutzt
       – und nun wurde ich gezwungen, das auch zu tun. Doch zuvor musste ich eine
       App der Deutschen Post installieren, meine Identität mit meinem
       Personalausweis verifizieren – und dann warten, bis denn in meinem
       Briefkasten eine Benachrichtigungskarte mit dem Code liegen würde, den ich
       brauchte, um eines dieser Schließfächer zu öffnen.
       
       Ich wartete einen Tag, doch mein Briefkasten blieb leer. Ich dachte:
       Vielleicht ist dieser Code ja auch identisch mit der Sendungsnummer, also
       lief ich auf gut Glück zu diesem gelben Regal. Dort stand gerade ein Mann
       und schaute verdutzt in eines der Fächer, das offen war. „Da ist ja gar
       nichts drin“, fluchte der. Tatsächlich. Das Fach war leer. Ob der Code, um
       dieses Fach zu öffnen, identisch wäre mit der Sendungsnummer, wollte ich
       wissen. Der Mann schüttelte den Kopf. Und dann schüttelte er nochmal den
       Kopf, als er in das leere Fach starrte.
       
       Eva Müller-Foell
       
       26 Jun 2024
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Eva Müller-Foell
       
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