# taz.de -- Iranischer Präsident Ebrahim Raisi: Staatssender meldet Helikopterunfall
       
       > Im Nordwestiran soll ein Hubschrauber„hart gelandet“ sein, in dem sich
       > Raisi befunden haben soll. 40 Rettungsteams suchen nun bei starkem Nebel
       > nach der Besatzung.
       
 (IMG) Bild: Ein Bild vom Samstag: Ebrahim Raisi bei einem Treffen mit seinem aserbaidschanischen Amtskollegen Aliyev während der Einweihung eines Staudamms
       
       Teheran/Dubai afp/rtr/dpa/ap | Nach einem Unfall eines Helikopters mit dem
       iranischen Präsidenten an Bord suchen 40 Rettungsteams nach dem Unglücksort
       im Nordwesten des Landes. Wie iranische Staatsmedien am Sonntagabend
       (Ortszeit) berichteten, war das Schicksal der Besatzung zunächst völlig
       unklar. Berichten iranischer Medien zufolge bestand kein Kontakt zum Team
       um [1][Staatschef Ebrahim Raisi], was unter Regierungsanhängern große
       Sorgen schürte.
       
       Die Retter suchten demnach mit Spürhunden und Drohnen. Die Unternehmung
       gestalte sich wegen der „ungünstigen Wetterbedingungen“ aber schwierig,
       sagte Innenminister Ahmed Wahidi im staatlichen Fernsehen. Ein Reporter des
       Senders stand während einer Live-Schalte aus dem Nordwestiran mitten in
       dichtem Nebel.
       
       Der Minister hatte zunächst nicht bestätigt, dass sich Raisi an Bord des
       verunglückten Hubschraubers befand, der Teil eines Konvois von insgesamt
       drei Hubschraubern der Präsidentendelegation war. Es könne dauern, bis das
       Gebiet erreicht werde, in dem der Hubschrauber sei, sagte Wahidi weiter.
       Nach seinen Angaben ereignete sich der Unfall im Waldgebiet von Dismar in
       der Nähe der Stadt Warsaghan. Die Nachrichtenagentur Fars rief die
       Bevölkerung auf, für Raisi zu beten. Das Staatsfernsehen strahlte Bilder
       von Gläubigen aus, die am Imam-Resa-Schrein, einer der heiligsten Stätte im
       schiitischen Islam, in der Stadt Maschhad Gebete sprachen.
       
       In den sozialen Medien wurde gemutmaßt, dass sowohl Präsident Raisi als
       auch Außenminister Hussein Amirabdollahian etwas zugestoßen sei. Irans
       Regierung warnte jedoch vor unbestätigten Informationen.
       
       Raisi war zusammen mit dem Außenminister auf der Rückreise von einem
       Treffen mit dem Präsidenten des Nachbarlandes Aserbaidschan, [2][Ilham
       Alijew]. Gemeinsam hatten sie einen Staudamm eingeweiht. Es sollte ein
       Zeichen der Kooperation sein, nachdem die Beziehung der Nachbarländer
       zuletzt angespannt war. Der Helikopter verunglückte dann in Irans Provinz
       Ost-Aserbaidschan in einer bergigen Waldregion. Mit an Bord war auch der
       Gouverneur sowie der Freitagsprediger aus der Provinzhauptstadt Tabris.
       
       Irans Luftwaffe gilt als stark veraltet, ihre Modernisierung kommt
       angesichts scharfer internationaler Sanktionen kaum voran. Viele der
       Flugzeuge und Helikopter stammen noch aus der Zeit vor der Islamischen
       Revolution von 1979, als das Land enge Beziehungen zu den USA unterhielt.
       Immer wieder kommt es zu folgenschweren Unfällen und Abstürzen.
       
       Raisi wurde im August 2021 als neuer Präsident des Irans vereidigt. Der 63
       Jahre alte, erzkonservative Kleriker wurde damit offiziell der Nachfolger
       von Hassan Ruhani, der nach zwei Amtsperioden nicht mehr antreten durfte.
       Als Spitzenkandidat der politischen Hardliner sowie Wunschkandidat und
       Protegé des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei hatte Raisi die
       Präsidentenwahl im Juni mit knapp 62 Prozent der Stimmen gewonnen.
       
       Der 1960 in Maschad im Nordosten des Iran geborene Raisi gilt innerhalb des
       islamischen Systems als sehr einflussreich. Er pflegt auch ein enges
       Verhältnis zum obersten Führer Chamenei. Raisi war über drei Jahrzehnte in
       der Justizbehörde tätig, 2019 wurde er zum Justizchef ernannt. Ihm wird
       nachgesagt, dass er in seiner früheren Funktion als Staatsanwalt für
       zahlreiche Verhaftungen und Hinrichtungen politischer Dissidenten
       verantwortlich gewesen sei. Laut Verfassung ist Raisi nur die Nummer zwei
       im Land, weil Chamenei das eigentliche Staatsoberhaupt ist [3][und auch das
       letzte Wort in allen strategischen Belangen hat].
       
       19 May 2024
       
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