# taz.de -- Bayern ist Meister im Frauenfußball: Endlich wieder Weißbier
       
       > Der FC Bayern München gewinnt 2:1 bei Bayer Leverkusen. Vielleicht ist
       > dies der Beginn einer Bayern-Hegemonie im Frauenfußball.
       
 (IMG) Bild: Meisterfeier auf dem Nebenspielplatz: Bayern München gewinnt den Titel 2024
       
       Der deutsche Fußball muss doch nicht auf die gewohnten Bilder mit
       Weißbierduschen verzichten, die von Protagonisten im Trikot des FC Bayern
       angezettelt werden. Was die Männer verpassten, haben am Samstagnachmittag
       nämlich die Frauen geschafft: Nach dem 2:1-Arbeitssieg bei Bayer Leverkusen
       zettelten [1][Giulia Gwinn] und ihre Mitspielerinnen indes nur eine Party
       mit gebremstem Schaum an. „Wir haben am Donnerstag noch ein großes Ziel und
       feiern nur ein bisschen“, verriet Torschützin Linda Dallmann. Die ganze
       Konzentration gelte bereits dem DFB-Pokalfinale gegen den neunmal in Folge
       siegreichen VfL Wolfsburg im längst ausverkauften Kölner Stadion
       (Donnerstag 16 Uhr/ZDF und Sky).
       
       Es entbehrte nicht einer gewissen Pikanterie, dass sich die Münchnerinnen
       ausgerechnet in Leverkusen im Ulrich-Haberland-Stadion gleich neben der
       BayArena den Titel sicherten. „Das ist natürlich eine schöne Geschichte“,
       jubelte Präsident Herbert Hainer, der als erster FCB-Offizieller den in
       Wolfsburg so verhassten Begriff von der [2][Wachablösung] in den Mund
       genommen hatte. Sollte Bayern erstmals das Double einfahren, hätten sich
       die Machtverhältnisse definitiv verschoben – der Rest wäre
       Definitionssache. Dass der Werksklub auch wirtschaftlich nicht mehr mit
       Bayern mithalten kann, ist ein offenes Geheimnis.
       
       DFB-Generalsekretärin Heike Ullrich hat recht, wenn sie dem alten und neuen
       Meister „Herzblut, Leidenschaft und Expertise“ zuschreibt. Gerade in den
       Spitzenspielen gegen den Vizemeister Wolfsburg und Drittplatzierten
       [3][Eintracht Frankfurt] bestach der von der ehemaligen Nationalspielerin
       Bianca Rech zusammengestellte Luxuskader durch enorme Effizienz.
       
       Trainer Alexander Straus holte die Schale erneut auf den Campus, weil die
       Balance stimmte. Gerade mal sieben Gegentore in 20 Spielen dienen als
       Beleg, dass die von der Isländerin Glodis Perla Viggosdottir überragend
       organisierte Defensive den Grundstein legt. In der Offensive steht mit
       Pernille Harder, Klara Bühl und Lea Schüler viel individuelle Qualität zur
       Verfügung. Und die Engländerin [4][Georgia Stanway] gilt als eine der
       besten Mittelfeldspielerinnen der Welt.
       
       ## Auf dem Sprung zum internationalen Klub
       
       Eigentlich erstaunlich, dass sich so viel Prominenz bereits in der
       Gruppenphase der Champions League [5][verabschiedet] hat. International um
       den Titel zu spielen, wird der bayrische Anspruch in der Zukunft sein.
       Nicht umsonst versprach Straus, „in der nächsten Saison auch in der
       Champions League anzugreifen – wir werden massiv sein!“ Das Halbfinale
       müsste Minimalziel sein.
       
       „Der insgesamt sechste Meistertitel und das Erreichen des Finale im
       DFB-Pokal unterstreichen, welch großen Schritte der Verein in den
       vergangenen Jahren gemacht hat“, teilte DFB-Präsident Bernd Neuendorf mit.
       Als der fast zeitgleich mit dem SSV Ulm 1846 in die 2. Männer-Bundesliga
       aufgestiegene Erfolgstrainer Thomas Wörle 2015 und 2016 die Bayern zum
       Meister machte, waren die Bedingungen für die Frauenabteilung tatsächlich
       noch amateurhaft. Inzwischen unterlässt auch Ehrenpräsident Uli Hoeneß die
       Lästereien über den Frauenfußball.
       
       DFB-Vizepräsidentin Sabine Mammitzsch verband ihre Gratulation mit der
       Forderung, dass „Investitionen innerhalb der Klubs unabdingbar“ seien, um
       die Liga nach vorne zu bringen. Wie wäre es, wenn auch der Verband sich um
       eine noch [6][bessere Vermarktung] kümmert und endlich die vielfach
       geforderte Aufstockung auf den Weg bringt? Der Unterhalt eines
       Bundesligateams bleibt in den Lizenzvereinen [7][hochdefizitär].
       
       Aktuell ist neben Bayern nur Frankfurt in der Lage, Topspielerinnen trotz
       attraktiver Auslandsangebote zu binden. Mit der Verpflichtung der
       Wolfsburger Leistungsträgerin Lena Oberdorf bauen Münchens Fußballerinnen
       ihre Vormachtstellung demnächst noch aus. Es könnte sein, dass sich bei den
       Frauen für die nächsten Jahre eine Langeweile im Meisterschaftskampf
       einstellt, die bei den Männern gerade überwunden wurde.
       
       5 May 2024
       
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