# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn ein Linker zu Grabe getragen wird
       
       Ein Stadtbekannter ist gestorben. Er hat im Sozialbereich gearbeitet, auch
       für eine linke Tageszeitung und für eine Hochschule. Man könnte sagen: ein
       Szenetyp, aber das trifft es nicht ganz. Ein Linker, bekannt im Bremer
       „Viertel“, das schon. Doch ein linker Promi? Eher nicht. Ein guter Typ.
       
       Die Trauerfeier ist gut besucht. Dresscode: Alltag. Der Trauerredner weist
       darauf hin, dass der Tote ein lustiger Mensch war, voller Anekdoten, stets
       lachbereit, oft geradezu albern. Die Vermutung erscheint nicht allzu kühn,
       dass der Verstorbene Lachen bei seiner Trauerfeier gut gefunden hätte. Man
       erinnert sich an witzige Details, also wird gelacht. Ein Chor – der Mann
       war Mitglied in einem Kunstprojekt von Menschen mit und ohne Behinderungen
       – der Chor also intoniert Kurt Schwitters Dada-Poem: „Blau ist die Farbe
       deines gelben Haares.“
       
       Und am Ende will einer noch was sagen. Ein Chormitglied steht auf und
       spricht sichtbar mühsam, den Tränen nah von Liebe, Himmel und Gott. Sein
       Auftritt wirkt seltsam unmodern und erinnert an konventionelles
       Totenbetrauern. Eine Frau äußert später, ihr habe Trauerkleidung gefehlt.
       Man hätte sich wenigstens was Anständiges anziehen können. Burkhard
       Straßmann
       
       4 May 2024
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Burkhard Straßmann
       
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