# taz.de -- Elon Musks Raketenfirma SpaceX: Schlechter Start
       
       > Die Firma SpaceX testet in Texas Raketen, die die Menschheit zum Mars
       > bringen sollen – und lässt jetzt schon Umweltschäden und Zerstörung
       > zurück.
       
 (IMG) Bild: 3 … 2 … 1: Umweltzerstörung! Start einer „Starship“-Rakete in Boca Chica im März 2024
       
       Austin / Boca Chica / Brownsville taz | Wer ins All möchte, muss erst mal
       Richtung Äquator. Je näher, desto besser, denn entlang dieser Achse kreist
       die Erde ein wenig schneller, eine Rakete bekommt einen letzten Schub auf
       ihrem Weg in Richtung Sterne.
       
       Die Europäische Raumfahrtagentur ESA unterhält deswegen eine Startbasis in
       Französisch Guayana, die berühmtesten Flüge der Nasa starteten im
       tropischen Florida, und auch die Sowjetunion versuchte mit dem „Kosmodrom“
       Baikonur im südlichen Kasachstan möglichst nah an den warmen Breitenkreis
       heranzukommen.
       
       Der Boca Chica-Strand in Texas ist vielleicht nicht der südlichste Punkt
       der USA und damit dem Äquator am nächsten, doch für die größte Rakete aller
       Zeiten reicht es trotzdem. Boca Chica liegt zumindest am südlichen Ende von
       Texas, umgeben von Salzwiesen, aus denen Stöße von Wandervögeln in den
       Himmel steigen. An einem diesigen Morgen steht die 50 Meter lange Raumfähre
       vom Typ „Starship“ wie abflugbereit neben ihrer Startrampe. Ihre
       schillernde Metallhülle reflektiert das Morgenlicht und erinnert an einen
       überdimensionierten alten Wohnwagen, der auf seinem Heck steht und
       senkrecht in die Höhe ragt.
       
       Über 90.000 Kilonewton Schub hat die neueste Ausführung der Rakete, die
       neben dem Starship steht und die Fähre ins Weltall bringen soll – fast
       dreimal so viel wie die „Saturn V“, mit der die ersten Menschen zum Mond
       geflogen sind. Die Rakete selbst ist wiederverwendbar und soll bis zu 150
       Tonnen Ballast tragen können. „Tor zum Mars“ steht auf der Mauer des
       Firmengeländes von SpaceX. Eigentümer [1][Elon Musk] prophezeit, dass der
       rote Planet dank der Erfindungen seiner Firma kolonisiert werden wird. Am
       Strand von Boca Chica testet SpaceX das System, um es marktreif zu machen.
       
       Die Region, aus der seit genau einem Jahr und einem Tag die Raketen
       starten, heißt Rio Grande Valley, viele Menschen in Texas nennen das Gebiet
       schlicht „das Tal“. Es wird eingerahmt durch den Golf von Mexiko im Osten
       und den Fluss Rio Grande im Westen, dessen Verlauf zugleich die Grenze zu
       Mexiko bildet. Zwischen den Ballungsgebieten im Zentrum des Bundesstaates
       und dem Rio Grande Valley liegen Hunderte dünn besiedelte Kilometer – und
       mehrere Welten.
       
       „Elon Musk hat selbst gesagt, dass hier unten nichts ist, und dass es
       deshalb auch in Ordnung ist, wenn er hier alles explodieren lässt“, sagt
       Gloria Thomas. Die junge Aktivistin mit dem schnellen Lächeln kommt aus
       Brownsville, mit 190.000 Menschen die größte Stadt im Rio Grande Valley,
       etwa eine halbe Stunde Autofahrt von Boca Chica gelegen. Vor einem kleinen
       Café in der historischen Innenstadt erzählt sie von ihrer Heimat.
       „Brownsville hat eine ganz eigene Kultur, die meisten Menschen hier haben
       auf beiden Seiten der Grenze gelebt.“
       
       Zum nächsten Grenzübergang in die mexikanische Stadt Matamoros sind es nur
       wenige Minuten zu Fuß, doch schon hier ist der Unterschied zum Nachbarland
       nicht mehr zu greifen. An die 90 Prozent der Einwohner:innen der Region
       sind Latinos, in den Straßen wird Spanisch gesprochen, viele Geschäfte
       kommen ganz ohne englischsprachige Schilder aus.
       
       Im subtropischen Süden des Staates ist es noch ein wenig wärmer als im
       ohnehin schon heißen Texas. Morgens zieht dichter Nebel vom Meer heran, in
       den fruchtbaren Feldern wachsen Zuckerrohr, Zitrusfrüchte und Baumwolle.
       „Die USA sehen Mexiko schon lange nur als Lieferant für Rohstoffe und
       billige Arbeitskräfte, und zu einem gewissen Maß trifft das auch auf uns
       hier zu“, sagt Thomas. Das Rio Grande Valley, kurz vor der Grenze, liefert
       zwar immense Mengen an Lebensmitteln, gehört aber zu den benachteiligten
       Gegenden des Landes, ein Drittel aller Einwohner:innen lebt in Armut.
       
       Gloria Thomas wehrt sich zusammen mit der Gruppe South Texas Environmental
       Justice Network gegen den Ausbau der Weltallinfrastruktur im Rio Grande
       Valley, denn sie fürchtet dessen Folgen für ihre Heimat.
       
       Die ersten Tests der gigantischen Rakete am Boca Chica Beach ließen
       Fensterscheiben umliegender Häuser zerbersten, ein Feuer auf dem
       Startgelände setzte 16 Hektar Grünflächen in Brand. Als es bei einem
       missglückten Test auf der Startfläche zu einer Explosion kam, schleuderte
       diese Feinstaub und große Betonsteine durch die Luft, die mehr als einen
       Kilometer weiter im Meer landeten. Ende letzten Jahres setzte ein weiterer
       Test solche Energien frei, dass diese auch 30 Kilometer weiter von Geräten
       erfasst wurden, mit denen Erdbeben gemessen werden. „Bei vielen Leuten, die
       in billig gebauten Häusern und Wohnungen leben, zerbarsten die Rohre“,
       erzählt Thomas.
       
       „Boca Chica ist alles andere als ein perfekter Ort für Raketenstarts“, sagt
       Erich Roesch. Der Mittdreißiger arbeitet seit Jahren als Ingenieur in
       großen Industriewerken und stellt sicher, dass deren Betriebsabläufe mit
       geltenden Umweltauflagen im Einklang sind. „Mit Weltraumsachen habe ich
       eigentlich gar nichts zu tun, aber ich habe mich für die Startbasis
       interessiert und mit der Zeit gemerkt, dass niemand genau mitzukriegen
       scheint, was dort passiert.“
       
       Roesch betreibt einen Blog mit dem Namen „ESG Hound“, dessen Lektüre für
       Aktivist:innen und Mitglieder der Presse mit einem Interesse an Boca
       Chica fast obligatorisch ist. Mit langen, hoch detaillierten und von
       Sarkasmus triefenden Einträgen widmet sich Roesch den vielen
       Ungereimtheiten, die dazu führen konnten, dass ein winziger Landstreifen an
       der Küste von Texas zum Testgebiet für die größte Rakete aller Zeiten
       werden konnte.
       
       „Das Gesetz sieht eigentlich vor, dass eine umfangreiche ökologische Studie
       vorgenommen wird, bevor solche Anlagen in Betrieb gehen können“, erzählt
       Roesch der taz. Betreiber sind dazu verpflichtet, in einem umfangreichen
       Verfahren zu überprüfen, ob die von ihnen geplanten industriellen Abläufe
       in diesem Umfang an einem bestimmten Ort stattfinden können, ohne Mensch
       und Umwelt maßgeblich zu beeinträchtigen. Im Fall von SpaceX in Boca Chica
       „war das alles Bullshit“, sagt Roesch,
       
       Die Ungereimtheiten beginnen für Roesch schon mit der Rakete, für die das
       Startgelände eigentlich geplant war. SpaceX hatte bei den Anträgen auf
       Baugenehmigungen angegeben, dass auf diesem Areal eine Variante der
       „Falcon“-Rakete getestet werden sollte, die den größten Teil der SpaceX
       Flotte ausmacht. Nachdem sich die Firma das Gelände gesichert hatte, machte
       sie eine Kehrtwende und erklärte es zum Testgebiet für Starship – eine
       Rakete, die mehr als viermal so groß ist wie die Falcon.
       
       Roesch beschloss, sich neben seiner Arbeit intensiver mit Boca Chica zu
       beschäftigen, nachdem er auf die Blaupausen im ersten Antrag des Konzerns
       gestoßen war. „Eigentlich hatten sie auch noch ein Gaswerk geplant“, sagt
       Roesch, über dieses könnte das Methangas direkt verarbeitet werden, das
       einen maßgeblichen Teil des Antriebs für das Starship liefert. „Als ich
       gesehen habe, was sie alles mit diesem winzigen Streifen Land vorhaben,
       habe ich mir gedacht, dass ist doch wahnsinnig.“
       
       Für Roesch ist einer der eigenartigsten Umstände des eigentlich
       ungenehmigten Ausbaus an der Küste, dass SpaceX von der zuständigen
       Luftfahrtbehörde FAA weiter Startgenehmigungen für ihre Prototypen bekommt.
       „Sie spielen einfach mit“, sagt er. Trotz des Umstandes, dass der
       Musk-Konzern bis heute keine umfassende ökologische Studie für seine
       Startbasis vorgelegt hat, und dass er eine vollkommen andere Anlage
       betreibt als eigentlich angemeldet, darf er weiter seine Marsrakete testen.
       
       Eine schmale Asphaltpiste führt von Brownsville zum Strand von Boca Chica.
       Links und rechts der Straße breiten sich die salzigen Marschlandschaften
       aus, die auf mehrere Naturschutzgebiete aufgeteilt sind. Das Ökosystem um
       den Strand ist einzigartig, in den Dünen brüten Meeresschildkröten, zwei
       Migrationskorridore für Zugvögel laufen über ihm zusammen. Die „Starbase“,
       wie Elon Musk die Startbasis nennt, ist auf mehrere Parzellen aufgeteilt.
       Ein Entwicklungsgelände, auf dem mehrere Prototypen stehen, liegt keinen
       Meter höher als die angrenzende Lagune, sie scheint wie eine Fata Morgana
       am Horizont zu schweben.
       
       Christopher Basaldu führt an der Startplattform mit der gleißenden
       Starship-Rakete vorbei zum Strand und von dort weiter zur Mündung des Rio
       Grande. Wenn in Boca Chica die Raketen starten, lässt SpaceX die gesamte
       Straße und damit den Zugang zum Meer sperren. Heute ist das Publikum eine
       Mischung aus schaulustigen Weltraumfans, Strandbesucher:innen und
       Angehörigen der Grenzpolizei, die mit Pick-up-Trucks und Geländefahrzeugen
       den Strand patrouillieren.
       
       Basaldu kommt aus Brownsville und ist Angehöriger der Esto’k Gna, einer
       indigenen Gruppe, deren Geschichte im Süden von Texas weit zurückgeht. Er
       ist groß, mit sanften Gesichtszügen, und schwitzt ein wenig, während er die
       letzten Schritte vom Meer zur Mündung des Flusses zurücklegt. „Boca Chica“
       heißt „kleine Mündung,“ diesen Namen gab die Spanische Kolonialmacht der
       Gegend, als sie in das heutige Texas kam. Der große Fluss Rio Grande hat
       hier sein schlammiges Ende und vermischt sich mit dem Golf von Mexiko, ein
       Randmeer des Atlantiks. Am vermüllten Flussufer zwischen USA und Mexiko
       treiben Pelikane, ein bulliger Grenzbeamter sitzt in seinem Auto und schaut
       Richtung Meer.
       
       „Die Mündung des Flusses ist für uns der Ursprungsort“, erzählt Basaldu
       später in seiner Wohnung in Brownsville. „Hier hat der Schöpfer die erste
       Frau gemacht, die unser aller Mutter ist.“ Die Esto’k Gna, von den Spaniern
       „Carrizo Comecrudo“ genannt, lebten auf beiden Seiten der heutigen Grenze,
       heute zählt die Gruppe ein paar hundert Mitglieder, von denen Basaldu einer
       der politisch aktivsten ist. Basaldu hat an der Harvard Universität
       studiert, promoviert, und sich dabei auch fachlich mit dem Umgang mit
       Amerikas indigener Bevölkerung auseinandergesetzt. In seiner Heimatstadt
       Brownsville engagiert er sich wie Gloria Thomas beim South Texas
       Environmental Justice Network.
       
       „Ich habe einen Ablehnungsreflex gegen alles, was sich Kolonisierung
       nennt“, sagt Basaldu über die Bestrebungen von SpaceX, über Boca Chica
       Beach den Mars zu erobern. Basaldu lacht über die Ideen und Projekte des
       Science-Fiction-Fans Elon Musk: „In diesen Namen und Ideen spiegelt sich
       immer wieder das gleiche. Terra-Forming zum Beispiel, bei dem andere
       Planeten umgeformt werden sollen, um der Erde zu ähneln. Der Mars kann doch
       einfach der Mars bleiben.“
       
       Basaldu versteht nicht, warum Milliarden in die Raumfahrt investiert
       werden, während im Rio Grande Valley die Armut grassiert. Die Esto’k Gna
       haben eine schwierige Position, da sie von der Bundesregierung in
       Washington nicht anerkannt werden. Obwohl ihre Geschichte historisch belegt
       ist, steht ihnen offiziell kein Land und kein Platz an den
       Verhandlungstischen zu.
       
       Basaldu kämpft mit seiner Gruppe gegen die Industrialisierung entlang der
       Küste. In diesem Jahr wurde nach langem Widerstand eine alte Kultstätte der
       Esto’k Gna umgegraben, um Platz für ein [2][LNG] Exportwerk zu machen. „Wir
       geben Milliarden in die Hände des reichsten Kolonialisten der Erde, statt
       uns hier um Wasser, Essen und Wohnräume für Menschen zu kümmern.“
       
       560 Kilometer weiter nördlich steht Mary Branch in ihrem Haus in Austin und
       regt sich auf. „Sie nannten es früher das magische Tal, und es war
       unvergleichlich“, erzählt Branch von ihrer Kindheit in Brownsville. Die
       Pensionärin hat wache, braune Augen und flucht im breiten texanischen
       Dialekt, während sie ihre Aktenordner durchgeht. „Jetzt zünden sie dort
       Raketen und bauen LNG-Werke“, sagt sie und schüttelt den Kopf. „Es wird nie
       wieder so sein wie früher.“
       
       Auch Branch engagiert sich gegen SpaceX, ihr anderes Haus in dem winzigen
       Ort Port Isabel liegt an derselben Bucht, wie die Startbasis. Branch hat
       über Jahre beobachtet, wie Elon Musk sich in Texas den Boden bereitet hat.
       „Kurz nachdem sie die Baugenehmigung bekommen haben, haben sie die
       Bundestaatsregierung dazu bewegt, Gesetze zu verabschieden, über die die
       Industrie geschützt wird.“ Unter dem republikanischen Gouverneur Greg
       Abbott erließ die Regierung von Texas einen Klageschutz für SpaceX,
       aufgrund dessen es unmöglich ist, die Firma rechtlich für die Folgen ihrer
       Tests zu belangen.
       
       Der Konzern hat in der Lokalpolitik großen Einfluss. Nachdem ein
       Starship-Prototyp über Boca Chica explodierte und die Trümmer Häuser in der
       Gegend beschädigten, versprach Elon Musk 20 Millionen Dollar für Schulen
       und die Wiederbelebung der schönen, aber maroden Innenstadt von
       Brownsville. Unter den Firmen, die Gelder für die Renovierung eines
       historischen Gebäudes bekamen, befand sich auch eine in der Hand des
       damaligen Bürgermeisters Trey Mendez, erzählt Branch.
       
       Während seiner Amtszeit veröffentlichte Mendez zudem die privaten Daten
       eines Mitglieds des South Texas Environmental Justice Network, das
       beschuldigt wurde, ein von SpaceX in Auftrag gegebenes Wandbild mit einer
       Anti-Gentrifizierungs-Parole übermalt zu haben. Mendez ist mittlerweile
       zurückgetreten, arbeitet aber nach wie vor in der örtlichen
       Immobilienbranche.
       
       Mary Branch ist auch deswegen gerade in der texanischen Hauptstadt Austin,
       weil in dieser entschieden wird, ob der Bundesstaat Land mit SpaceX
       tauscht, damit das Gelände am Boca Chica Beach weiter ausgebaut werden
       kann. Für die Entscheidung zuständig ist die Natur und Wildnis Behörde
       „Texas Parks and Wildlife Department“ (TPWD).
       
       Ein paar Tage später haben sich in einem brutalistischen Betonbau am
       Stadtrand von Austin um die 100 Aktivist:innen, Anwälte und Presserverteter
       eingefunden, um an der Anhörung teilzunehmen. TPWD wird von einer
       Kommission geleitet, deren Mitglieder persönlich vom Gouverneur berufen
       werden. Wer zu den SpaceX Vertretern gehört, und wer aus dem Rio Grande
       Valley angereist ist, lässt sich nicht nur an der Sitzverteilung im dunkel
       getäfelten Sitzungssaal erkennen, sondern auch demografisch: Fast alle
       Anwohner:innen sind Latinos oder indigen, die Delegation der
       Befürworter fast ausschließlich weiß.
       
       Zur Entscheidung steht, ob TWPD SpaceX einen 17 Hektar großen Landtrakt
       abtritt, der an einem der Naturschutzgebiete liegt. Dieses hatte sich die
       Behörde einst gesichert, um das empfindliche Ökosystem zu schützen. SpaceX
       bot im Tausch eine mehr als 20-mal so große Fläche weiter nördlich an.
       
       Die Stimmen aus dem Rio Grande Valley sind fast einvernehmlich: Nein. Einer
       Verkleinerung des geschützten Gebietes am Meer widersprechen sie vehement.
       Der Reihe nach sprechen junge und alte Menschen, die die 6 Stunden
       Autofahrt aus dem Süden auf sich genommen haben, über die Relevanz von Boca
       Chica. Für Menschen in Brownsville ist es der einzige Strand, erzählen sie.
       Schon jetzt schränken die regelmäßigen Schließungen durch die Starbase den
       Zugang ein, viele fürchten sich vor noch mehr Testflügen, mehr Explosionen,
       mehr Umweltverschmutzung.
       
       Mary Branch schreitet energetisch ans Mikrofon und erzählt von den
       einzigartigen Lebensformen, die durch SpaceX bedroht sind. Auch Christopher
       Basaldu ist angereist, um vorzusprechen, der Öl-Milliardär Jeffery
       Hildebrandt, der der Kommission vorsitzt, spricht ihn als „Frau Basaldi“
       an. Nach ein paar Stunden werden die öffentlichen Beratungen beendet, die
       Kommission zieht sich zurück, um sich zu besprechen. Kurz danach wird die
       einstimmige Entscheidung bekannt gegeben: Der Tausch darf stattfinden. Rund
       einen Monat später gibt das South Texas Environmental Justice Network
       bekannt, dass es gegen den Beschluss der Kommission Klage eingelegt hat.
       
       Zurück am Boca Chica Beach sitzt Calvin Wehrle an seinem alten
       Pick-up-Truck, auf dessen Ladefläche er eine kleine Holzhütte gebaut hat.
       Wehrle ist um die 60, hager und von der Sonne gezeichnet. Neben seinem
       Campingstuhl steht ein Fernglas auf einem Stativ. „Basecamp Zero“ hat er
       auf die Seite des Fahrzeugs gemalt. Wehrle ist oft an der Starbase
       anzutreffen, meistens zeltet er dann ein wenig versteckt in den Dünen und
       parkt wie heute direkt gegenüber des Startgeländes. „Es ist ein desolater
       Ort“, gibt er zu, aber „unheimlich aufregend.“
       
       Darauf angesprochen, was ihn an der Starbase so anzieht, erzählt Wehrle
       erst mal lange von einer schwierigen Trennung und einer Tochter, zu der er
       keinen Kontakt mehr hat. „Deshalb steht auch hinten auf meinem Pick-up
       ‚Wertschätzt Väter wieder‘“, sagt er. Er stehe vor allem oft hier und
       verteile selbst gedruckte Pamphlete und Aufkleber, „für die Kinder“, wie er
       sagt.
       
       „Es geht mir gar nicht so doll um den Mars“, sagt Calvin Wehrle. Er deutet
       auf die Startbasis hinter sich, von der Lautsprecherdurchsagen herüber
       schallen. „Damit können wir alles machen.“ Für ihn ist das Versprechen der
       Raketen wichtiger, als die Orte, zu denen sie fliegen. „Elon hat nicht
       gesagt, wir werden mit dem Starship zum Mars fliegen, sondern er hat
       gesagt, wir werden damit zu einer interplanetaren Spezies“, sagt Wehrle
       überzeugt. „Also wird das auch passieren.“
       
       Elon Musk hat Millionen in das Rio Grande Valley als Raumfahrtzentrum
       investiert. Über Steuervergünstigungen und Gesetzesänderungen haben
       Bundesstaats- und Lokalpolitiker ihrerseits das gleiche getan. Der
       Umweltingenieur Eric Roesch bezweifelt jedoch, dass SpaceX wirklich vorhat,
       am Boca Chica zu bleiben. „Ich glaube, es geht vor allem darum, der Nasa zu
       beweisen, dass das System funktioniert, damit SpaceX in ein paar Jahren
       über die Basis in Florida starten kann“, sagt er. Roesch muss an die
       sogenannten „Boom-Bust“- Zyklen denken, in denen ganze Städte durch
       fallende Ölpreise in den Bankrott gestürzt werden. „Ich wäre nicht
       überrascht“, sagt Roesch. „Das ist die Geschichte von Texas.“
       
       Diese Recherche wurde durch das Olin / Netzwerk Recherche Stipendium
       unterstützt.
       
       18 Apr 2024
       
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