# taz.de -- tazđŸthema: Sicher auf dem Sattel
> Nicht immer, aber immer öfter: Es wird verstÀrkt aufs Velo gestiegen, vor
> allem in den StÀdten. Das spiegelt sich in der Unfallstatistik wider und
> rĂŒckt Sicherheit in den Fokus: Es braucht eine bessere Infrastruktur.
> Radelnde können fĂŒr ihren Schutz auch einiges selbst tun
(IMG) Bild: Wer gut sichtbar ist und einen Helm trĂ€gt, hat schon mal einiges fĂŒr die eigene Sicherheit getan. Doch da geht noch mehr
Von Cordula Rode
FĂŒr jeden Menschen hierzulande steht ein Fahrrad bereit: Der hiesige
Bestand erreichte im vergangenen Jahr den Rekordwert von 84 Millionen
Velos, rund elf Millionen davon sind E-Bikes, so der
Zweirad-Industrieverband. Die Zahl der bei UnfÀllen getöteten
Radfahrer:innen ist in den vergangenen Jahren zwar deutlich
zurĂŒckgegangen, doch die Zahl der UnfĂ€lle mit Verletzten angestiegen. Das
Thema Sicherheit rĂŒckt, besonders im stĂ€dtischen Raum, immer stĂ€rker in den
Fokus: Wie lÀsst sich eine Infrastruktur schaffen, die SchwÀchere im
Verkehr besser schĂŒtzt? Wer aufs Rad steigt, kann auch selbst einiges tun,
um die eigene Sicherheit zu erhöhen â auch ĂŒber die gesetzlichen
Vorschriften hinaus.
Welche Ausstattung ein verkehrssicheres Fahrrad haben muss, legt die
StraĂenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) fest. Im Mittelpunkt stehen
dabei Bremsen und Beleuchtung â so sind zwei voneinander unabhĂ€ngige
Bremsen Pflicht, ein rotes RĂŒcklicht und ein weiĂer Frontscheinwerfer sind
ebenso vorgeschrieben wie Reflektoren vorne und hinten und seitlich in den
Speichen oder als Reflexstreifen an Reifen oder Felge. Die Beleuchtung muss
das PrĂŒfzeichen des Kraftfahrtbundesamts tragen. DarĂŒber hinaus sind zwei
rutschfeste und festverschraubte Pedale mit je zwei nach vorne und nach
hinten wirkenden gelben RĂŒckstrahlern und eine gut hörbare Klingel Pflicht.
âDynamobeleuchtung ist nicht mehr vorgeschrieben, daher sind auch
Batterielampen zulÀssig. Wer hÀufig fÀhrt, ist aber mit einer zuverlÀssigen
Lichtanlage mit Nabendynamo gut beraten,â erklĂ€rt RenĂ© Filippek, Experte
des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Allerdings kann man auch zu
viel des Guten tun: âMan muss den Scheinwerfer richtig einstellen, um den
Gegenverkehr nicht zu blenden. Aus dem gleichen Grund sollte man auch auf
Stirnlampen verzichten.â Sinnvoll sei sowohl fĂŒr Kinder als auch fĂŒr
Erwachsene das Tragen eines Helms. Kleidung mit reflektierenden Elementen
oder eine Warnweste können die Sichtbarkeit und somit die Sicherheit
erhöhen.
DarĂŒber hinaus empfiehlt der Experte pannensichere Reifen. Diese haben eine
spezielle VerstÀrkung, die zum Beispiel vor Scherben oder kleineren NÀgeln
schĂŒtzt, sind dafĂŒr aber schwerer als normale Reifen. Ein Nachteil, den man
nach Ansicht von RenĂ© Filippek in Kauf nehmen sollte: âAn das etwas
erschwerte Fahren gewöhnt man sich sehr schnell â ein geringer Preis fĂŒr
mehr Sicherheit.â
In erster Linie fĂŒr Ă€ltere Verkehrsteilnehmer mit eingeschrĂ€nkter
körperlicher Fitness empfiehlt sich ein RĂŒckspiegel, der aber keinesfalls
den Schulterblick ersetzen darf, weil er, ebenso wie RĂŒckspiegel an Autos,
keinen Gesamtblick bieten kann. Ein aktuelles Thema sind Blinker fĂŒr
FahrrĂ€der â bisher nur fĂŒr mehrspurige RĂ€der zugelassen, wie etwa Rikschas
oder LastenfahrrÀder. Aufgrund der Breite dieser Fahrzeuge sind Handzeichen
der Fahrenden vom nachfolgenden Verkehr oft nicht gut genug erkennbar.
Blinker fĂŒr alle FahrrĂ€der zuzulassen wird derzeit diskutiert.
Gerade bei E-Bikes, die ein anderes Fahrverhalten als normale FahrrÀder
haben und die in der Unfallstatistik weit vorn liegen, wÀre es sinnvoll,
beim Abbiegen nicht die Hand vom Lenker nehmen zu mĂŒssen. Solch schwierige
Situationen könnten durch âoptional zulĂ€ssige Fahrtrichtungsanzeiger
entschĂ€rft werdenâ, heiĂt es aus dem Bundesverkehrsministerium. GroĂe
Anbieter haben sich auf den Trend eingestellt und bieten selbst entwickelte
Blinkanlagen an.
## Offensiv fahren
Doch nicht nur fĂŒr FahrrĂ€der gibt es sinnvolle neue Technologien. In
Deutschland ereignen sich jÀhrlich 30 tödliche UnfÀlle bei geringer
Geschwindigkeit, wenn ein Lkw an einer StraĂenkreuzung nach rechts abbiegt
â ein Radfahrer oder FuĂgĂ€nger direkt rechts neben dem Lkw wird ĂŒberfahren,
weil er in der Schleppkurve des Lkw steht, dem umgangssprachlich toten
Winkel. âEine deutliche Erhöhung der Sicherheit fĂŒr Radfahrer:innen
sind Abbiegeassistenten fĂŒr Lkwâ, erklĂ€rt RenĂ© Filippek. Ein solcher
Assistent ĂŒberwacht beim Rechtsabbiegen den Bereich rechts neben dem Lkw
auf Radfahrer und FuĂgĂ€nger und warnt den Fahrer. âSeit Juli 2022 mĂŒssen
ganz neue Lkw-Typen damit ausgestattet sein, ab Juli 2024 alle neu
zugelassenen Lkw â wir streben an, dass diese Pflicht auch fĂŒr
Bestandsfahrzeuge gelten soll.â
Auch der konsequente Ausbau sicherer und geschĂŒtzter Radwege ist eine
unerlĂ€ssliche Voraussetzung dafĂŒr, Radfahrer:innen erhöhte Sicherheit
im StraĂenverkehr zu bieten. Fehlender politischer Wille und auch der
Mangel an Fachplaner:innen fĂŒr die Entwicklung und Umsetzung spezieller
Sicherheitskonzepte, so der Experte des ADFC, verzögerten leider oft diese
notwendigen VerÀnderungen.
Der letzten Endes wichtigste Sicherheitsfaktor aber sitzt auf dem Sattel
des Fahrrades. Das Einhalten aller Verkehrsregeln, Risikobewusstsein und
Umsicht und Vorsicht sind fĂŒr Radfahrer:innen, weil ganz ohne Knautschzone
unterwegs, unerlĂ€sslich, weiĂ RenĂ© Filippek: âHier gilt die Devise:
Offensiv fahren, prĂ€sent und sichtbar sein, aber defensiv denken â also auf
mögliche Risiken vorbereitet sein.â
13 Apr 2024
## AUTOREN
(DIR) Cordula Rode
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