# taz.de -- Housing Action Days: Raus aus der Defensive
       
       > Ab Freitag finden in Berlin und anderen Städten die Housing Action Days
       > für bezahlbaren Wohnraum statt. Die Mieter*innenbewegung will
       > Stärke zeigen.
       
 (IMG) Bild: Die Berliner Mieter*innenbewegung läuft sich wieder warm
       
       Berlin taz | „Faule Ostereier für Obdachlose“ – unter diesem Motto hat die
       Union für Obdachlosenrechte am Donnerstag vor der Senatssozialverwaltung
       in der Oranienstraße 106 demonstriert. Die unabhängige Interessenvertretung
       wohnungsloser Menschen in Berlin fordert zum Auslaufen der [1][Kältehilfe]
       Ende April Wohnungen für alle.
       
       Stadtpolitische Aktivist*innen konnten sich hier schon einmal aufwärmen
       für die Housing Action Days, die am Freitag starten. Vom 29. März bis zum
       7. April sind in zahlreichen europäischen Städten Aktionen für bezahlbaren
       Wohnraum für alle geplant.
       
       So auch in Berlin: Das Bündnis [2][„Zwangsräumungen verhindern“]
       mobilisiert etwa am 4. April um 17 Uhr zu einer Kundgebung gegen
       Eigenbedarfskündigungen in die Hardenbergstraße 19 in Charlottenburg. In
       dem noblen Viertel soll gegen Kanzleien protestiert werden, die langjährige
       Mieter*innen auf juristischem Wege vertreiben wollen.
       
       Der Kampf gegen [3][Eigenbedarfskündigungen] ist mittlerweile eine wichtige
       Säule der Bewegung. Am 6. April wollen Mieter*innen des
       Immobilienkonzerns Heimstadten dagegen auf die Straße gehen. Die
       Demonstration beginnt um 16 Uhr am Erkelenz-Damm 11-13 in Kreuzberg. Am
       gleichen Tag wollen sich um 18 Uhr vor dem Amazon-Tower an der Warschauer
       Brücke in Friedrichshain Kritiker*innen des Konzerns zu einer Kiezdemo
       versammeln.
       
       ## Es ist ruhiger geworden um die Mieter*innenbewegung
       
       Nach dem [4][Scheitern des Mietendeckels] und der [5][Verschleppung des
       Volksentscheids] „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ durch den Senat schien
       die Berliner Mieter*innenbewegung in die Defensive geraten zu sein.
       Die Demonstrationen waren in der letzten Zeit merklich geschrumpft. Für
       Matthias Coers ist die Bewegung trotzdem ein Erfolg: „Die Mieter*innen
       haben gelernt, für ihre Interessen zu kämpfen und Solidarität mit ihrer
       Nachbarschaft zu üben“, sagt der Regisseur des Films „Mietrebellen“ der
       taz.
       
       „Mit den Aktionstagen wollen wir als Berliner Mietrebell*innen wieder
       verstärkt in die Öffentlichkeit“, sagt Marion Langer von der
       Vorbereitungsgruppe. Das Interesse sei groß. Der [6][Kalender mit den
       Terminen] werde in den nächsten Tagen noch ergänzt.
       
       Die Housing Action Days werden seit 2020 organisiert. Im vergangenen Jahr
       gab es laut Organisator*innen mehr als 120 Aktionen in über 60
       Städten, von Ponta Delgada in Portugal bis Nicosia in Zypern.
       „Explodierende Mieten und fehlende günstige Wohnungen sind eine soziale
       Katastrophe in Berlin, aber auch in den meisten Städten Europas. Nicht nur
       die Wohnungs- und Finanzkonzerne agieren international, sondern wir auch“,
       sagt Kim Meyer vom Bündnis gegen Mietenwahnsinn und Verdrängung.
       
       Die Aktionstage sind auch ein Warm-up für die Demonstration „Die Miete ist
       zu hoch“, die am 1. Juni wieder Tausende auf die Straße bringen soll. Dort
       wird die [7][Explosion bei den Betriebs- und Heizkosten] im Fokus stehen.
       „Durch meine Erfahrungen in anderen Städten merke ich, dass die
       Auseinandersetzungen in Berlin entschlossener geführt werden. Die meisten
       Mieter*innen sind nicht bereit, schnell klein beizugeben“, zeigt sich
       Coers optimistisch, dass der Protest auch wirklich etwas bewegen wird.
       
       28 Mar 2024
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Peter Nowak
       
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