# taz.de -- Trump sucht Vize: Vorstadtstimmen im Blick
       
       > US-Präsidentschaftsbewerber Trump hat die republikanische Nominierung
       > sicher. Jetzt sucht er eine:n Vize. Die Liste der Kandidat:innen ist
       > lang.
       
 (IMG) Bild: Die Gouverneurin Kristi Noem aus South Dakota mit Donald Trump on stage
       
       Washington taz | Das Matchup steht. Zum ersten Mal seit den 1950er Jahren –
       1952 und 1956 gewann der Republikaner Dwight D. Eisenhower gegen den
       Demokraten Adlai Stevenson II – treffen im US-Präsidentschaftswahlkampf
       in zwei aufeinanderfolgenden Wahlen dieselben zwei Kandidaten
       aufeinander. Wie schon 2020 kommt es auch in diesem Jahr zum [1][Zweikampf
       zwischen Joe Biden und Donald Trump.]
       
       Beide Kandidaten sind bereits in einem fortgeschrittenen Alter – [2][Biden
       ist 81] und Trump ist 77 – und daher wiegt die Auswahl der Vizepräsidenten
       ein bisschen schwerer als in anderen Jahren. Denn sollte Biden oder Trump
       etwas widerfahren, wären sie diejenigen, die augenblicklich für das Amt
       vereidigt würden.
       
       An der Seite von Biden geht erneut Kamala Harris ins Rennen. Die frühere
       Senatorin aus Kalifornien konnte in den vergangenen drei Jahren als
       Vizepräsidentin ihr Profil nicht wirklich aufpolieren, im Gegenteil: Ihre
       Umfragewerte sind sogar schlechter, als die ihrer Vorgänger Mike Pence und
       Joe Biden es waren. Doch Biden hält an ihr fest, und laut dessen
       Wahlkampfteam wird Harris in den kommenden Monaten mehr öffentliche
       Auftritte wahrnehmen.
       
       [3][Trump hingegen sucht noch.] Für Wähler:innen, die sich etwas anderes
       als einen erneuten Schlagabtausch zwischen Biden und Trump erhofft hatten –
       und das sind laut Umfragen die Mehrzahl der US-Amerikaner:innen –,
       könnte das ausschlaggebend sein, sagt die republikanische Strategin Rina
       Shah im Gespräch mit der taz. „Mit der Wahl des Vizepräsidenten oder der
       Vizepräsidentin kann Trump wichtige Stimmen gewinnen oder verlieren“, sagt
       sie.
       
       ## Wird eine Frau Trumps Vize?
       
       Die Liste der Kandidat:innen ist immer noch lang. Wie eine Umfrage
       unter Trump-Anhängern [4][während der konservativen CPAC-Konferenz]
       vergangenen Monat gezeigt hat, stehen Hardline-Republikaner:innen wie die
       Gouverneurin von South Dakota, Kristi Noem, oder Biotech-Unternehmer Vivek
       Ramaswamy ganz oben auf der Liste. Weitere Namen wie South Carolinas
       Schwarzer Senator Tim Scott, der Abgeordnete Byron Donalds, die ehemalige
       Abgeordnete aus Hawaii, Tulsi Gabbard, und Floridas Gouverneur Ron DeSantis
       wurden von Trump selbst während eines Town-Hall-Events genannt.
       
       Geht es nach Shah, dann wird er mit großer Wahrscheinlichkeit eine Frau als
       Vizekandidatin auswählen. Der Hauptgrund ist das Thema Abtreibung. Nachdem
       der Supreme Court 2022 das bundesweite Recht auf Abtreibung nach fast 50
       Jahren außer Kraft gesetzt hatte, haben Republikaner:innen eine
       Niederlage nach der anderen diesbezüglich hinnehmen müssen. „Ich würde die
       bevorstehende Wahl als einen Kampf um unabhängige Wählerstimmen in den
       sogenannten Swing States bezeichnen. Ich glaube, dass reproduktive Rechte
       für die überwiegende Mehrheit der jungen amerikanischen Frauen, egal ob auf
       dem Land oder in der Vorstadt, im Vordergrund stehen“, sagt Shah.
       
       US-Medienberichten zufolge sieht es Trumps Wahlkampfteam ähnlich und will
       deshalb jemanden an dessen Seite, der vor allem diese Wählergruppen
       ansprechen könnte. Kandidaten wie South Dakotas Gouverneurin Kristi Noem,
       die ultrakonservative Ansichten in Sachen Abtreibungsrecht vertreten,
       könnten es somit schwer haben. Nur kurz nach der Supreme-Court-Entscheidung
       verbot South Dakota alle Abtreibungen im Bundesstaat. Nur wenn die
       Schwangerschaft das Leben der Mutter gefährden sollte, sieht das Gesetz
       eine Ausnahme vor. Vergewaltigung oder Inzest sind keine Ausnahmen.
       
       In einem Interview mit CBS News im vergangenen Jahr sagte Noem, sie hoffe,
       dass andere Bundesstaaten South Dakota als Vorbild für ihre
       Abtreibungsgesetze nehmen würden. South Carolinas Senator Tim Scott prescht
       in seinem Heimatstaat mit einem Gesetz nach vorne, das Abtreibungen ab der
       sechsten Schwangerschaftswoche verbietet.
       
       ## Unklar, wann Vize gewählt werden soll
       
       Andere mögliche Kandidaten, wie die Abgeordneten Elise Stefanik oder Nancy
       Mace, stehen trotz ihrer Ablehnung von Abtreibungen weniger drastischen
       Gesetzen offen gegenüber. „Frauenthemen liegen mir sehr am Herzen. Ich
       denke, dass unsere Seite manchmal etwas falsch macht. Wir zeigen kein
       Mitgefühl gegenüber Frauen. Tatsächlich greifen wir Frauen an“, sagte Mace,
       die selbst ein Opfer von Vergewaltigung ist, in einem Interview mit
       Politico.
       
       Abtreibung und reproduktive Rechte sind natürlich nur zwei Themen in diesem
       Wahlkampf, doch für viele der so wichtigen Wähler:innen in den
       Vorstädten könnten sie den Ausschlag geben zwischen Biden, Trump oder gar
       nicht wählen. Wann Trump seinen Vizekandidaten bekannt geben wird, ist noch
       offen.
       
       21 Mar 2024
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hansjürgen Mai
       
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