# taz.de -- Krieg in der Ukraine: Armeechef Saluschnyj gefeuert
       
       > Präsident Selenskyj entlässt den Oberkommandierenden der Streitkräfte
       > Waleryj Saluschnyj. Der Schritt kommt nicht überraschend.
       
 (IMG) Bild: Machtkampf in Kiew: Präsident Selenskyj feuert seinen Armeechef Walerij Saluschnyj
       
       Kyjiw taz | Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den
       Oberkommandierenden der ukrainischen Streitkräfte, Walerij Saluschnyj,
       entlassen. Gleichzeitig wurde der bisherige Heereschef und Generaloberst
       Oleksandr Syrskyj zum neuen Oberbefehlshaber ernannt.
       
       [1][Wirklich überraschend kommt die Entlassung von General Saluschnij, der
       seit 2021 die ukrainischen Truppen befehligt und im Volk sehr beliebt ist,
       nicht]. Seit Ende vergangenen Jahres hatten immer wieder ukrainische und
       internationale Medien von einem angeblichen Zerwürfnis zwischen den beiden
       berichtet.
       
       Erstmals öffentlich geworden waren die Differenzen mit der Veröffentlichung
       eines Artikels von Saluschniy im November im britischen Economist. Darin
       hatte dieser erklärt, er halte es nicht für realistisch, an einen schnellen
       Sieg zu glauben. Schon damals hatte sich Saluschnyj für eine schärfere
       Gangart bei der Mobilisierung der Streitkräfte ausgesprochen.
       
       Und auch im Vorfeld der Debatten ein neues Gesetz zur Mobilisierung [2][war
       es zwischen Präsident und Oberkommandierendem zu Differenzen wegen der
       Mobilisierung gekommen]. Die von Saluschyj geforderte Mobilisierung von
       weiteren 400 000 Soldaten hielt Präsident Selenskyj für nicht umsetzbar.
       
       ## Notwendige Modernisierung
       
       Am frühen Donnerstag Abend hatte Präsident Selenskyj über Telegram von
       einem Treffen mit Saluschnyj berichtet. Bei diesem Treffen habe er
       Saluschnyj für zwei Jahre der Verteidigung der Ukraine gedankt.
       Gleichzeitig habe man auch über eine notwendige Modernisierung der
       ukrainischen Streitkräfte und über Personen gesprochen, die
       Führungspositionen in der ukrainischen Armee übernehmen können.
       
       „Die Zeit für eine solche Erneuerung ist genau jetzt. Ich habe Walery
       Fedorovich angeboten, weiterhin im Team zu sein. Wir werden definitiv
       gewinnen! Ruhm für die Ukraine!“ – schrieb Selenski auf Telegram. Das Wort
       „Entlassung“ sucht man vergeblich in diesem Text.
       
       Saluschnyj schrieb fast gleichzeitig ebenfalls auf Telegram und formulierte
       nebulös, dass der Kampf weitergehe und sich „die Aufgaben des Jahres 2022
       von denen des Jahres 2024 unterscheiden“, so dass „jeder sich ändern und an
       die neuen Realitäten anpassen muss“.
       
       Im Gespräch mit dem Präsidenten habe man entschieden, dass es „notwendig
       ist, Ansätze und Strategien zu ändern“, so Saluschnyj. Doch weniger später
       war Schluß mit dem Austausch von Nettigkeiten. Er habe Oleksandr Syrskyj
       zum neuen Oberkommandierenden ernannt, ließ Präsident Selenski verlauten.
       
       ## Held der Ukraine
       
       Syrsky hatte bereits seit 2014 die ukrainischen Truppen der
       „Antiterroroperation“ im Osten des Landes befehligt. Für die erfolgreiche
       Verteidigung von Kyjiw war er mit dem Orden Bohdan Chmelnyzkyj zweiter
       Klasse ausgezeichnet worden, am 5. April 2022 erhielt er den Titel eines
       Helden der Ukraine.
       
       Im September 2022 war es Oleksandr Syrskyi, der die Gegenoffensive der
       ukrainischen Streitkräfte in der Region Charkiw geleitet hatte. Dabei
       hatten die ukrainischen Soldaten die Orte Balakliya, Kupiansk und Izium
       zurückerobert.
       
       Nun stellen sich viele die Frage, welche Pläne der im Land sehr populäre
       Waleryj Saluschnyj wohl hat. Auf Selenskis Angebot, weiterhin im Team
       mitzuarbeiten, hat er bisher nicht geantwortet. Unterdessen berichtet das
       russische Verteidigungsministerium von einem erneuten Gefangenenaustausch
       von jeweils hundert Kriegsgefangenen. Die Ukraine hat diese Information
       nicht bestätigt.
       
       8 Feb 2024
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Bernhard Clasen
       
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