# taz.de -- Todesstrafe für Australier in China: Außenministerin Wong ist entsetzt
       
       > Ein Gericht hat Yang Hengjun zum Tode verurteilt – wenn auch auf
       > Bewährung. Das stellt Australiens und Chinas ohnehin fragile Beziehung
       > auf die Probe.
       
 (IMG) Bild: Australien ist entsetzt: Todesstrafe für den australisch-chinesischen Schriftsteller und Demokratie-Blogger Yang Hengjun
       
       Canberra taz | Die australische Außenministerin Penny Wong bezeichnete die
       Entscheidung als „erschütternd“ und „entsetzlich“. Sie bestätigte in
       Canberra, dass der chinesischstämmige Australier Yang Hengjun am Montag
       wegen Spionage zum Tode verurteilt wurde. Er könne allerdings mit
       lebenslanger Haft davonkommen, wenn er sich in den kommenden zwei Jahren im
       Gefängnis gut benehme, so das Gericht – quasi eine Todesstrafe auf
       Bewährung.
       
       Der seit 1999 in Australien lebende Philosoph, Schriftsteller und
       Demokratieaktivist Yang war 2019 während eines Besuchs im Flughafen der
       chinesischen Stadt Guangzhou festgenommen worden. Zuvor hatten chinesische
       Stellen ihn mehrfach für seine demokratiefreundlichen und
       regierungskritischen Blogs und Artikel verwarnt.
       
       Aufgrund seiner Erfahrung als Beamter des chinesischen Außenministeriums –
       eine Aussage, die Peking nie bestätigt hatte – hatte er begonnen
       Spionageromane zu schreiben. Später handelte er von den Vereinigten Staaten
       aus über die Handelsplattform WeChat mit Konsumprodukten. Den Vorwurf
       [1][der Spionage bestritt er stets.]
       
       Australischen Offiziellen war es nicht erlaubt, dem seit 2021 laufenden
       Prozess gegen Yang beizuwohnen. „Wir haben stets grundlegende
       Gerechtigkeitsstandards, ein faires Verfahren und eine menschenwürdige
       Behandlung für Yang gefordert, in Übereinstimmung mit internationalen
       Normen und Chinas rechtlichen Verpflichtungen“, erklärte Außenministerin
       Wong am Montag. Australien werde in seinem Einsatz für den Akademiker
       „nicht nachlassen“.
       
       ## „Pekings korruptes Strafrechtssystem“
       
       „Wir sind absolut schockiert“, reagierte auch Daniela Gavshon, die
       Australien-Direktorin von Human Rights Watch, auf die Entscheidung. „Das
       Urteil folgt auf eine jahrelange, willkürliche Inhaftierung und einen
       geschlossenen Prozess und ist kein Beweis für ein Fehlverhalten, sondern
       vielmehr für Pekings korruptes und undurchsichtiges Strafrechtssystem. Dass
       jemand aufgrund solcher dürftigen Informationen zum [2][Tode verurteilt
       werden kann, ist zutiefst beunruhigend].“
       
       Schon seit Jahren gibt es Bedenken über den Gesundheitszustand des
       Akademikers. Der 58-Jährige hat eine große Zyste an einer seiner Nieren.
       Letztes Jahr warnte seine Familie in einem Schreiben an Premierminister
       Anthony Albanese, dass sich sein Gesundheitszustand rapide verschlechtere,
       und bat Albanese, „alles in seiner Macht Stehende“ zu tun, um seine
       Freilassung während seines Besuchs in China zu erreichen.
       
       Beobachter meinen, der Fall werde die seit Jahren [3][angespannten
       Beziehungen zwischen Peking und Canberra] erneut belasten. China ist der
       wichtigste einzelne Handelspartner Australiens. Unter der Regierung von
       Premierminister Anthony Albanese war es im vergangenen Jahr zu einer
       gewissen Entspannung gekommen, nachdem Peking zuvor Handelssanktionen gegen
       australische Produkte verhängt hatte. Grund war die oftmals undiplomatisch
       geäußerte Kritik der früheren, konservativen Regierung an China gewesen.
       
       Das Urteil steht in Widerspruch zur Freilassung der ehemaligen staatlichen
       Fernsehmoderatorin Cheng Lei, einer Australierin, die unter ähnlichen
       Vorwürfen in Haft gesessen war. Sie wurde im Oktober von Peking auf freien
       Fuß gesetzt.
       
       Feng Chongyi, der Yangs Doktorvater in Australien war, forderte am Montag,
       die australische Regierung solle aus humanitären Gründen eine medizinische
       Begnadigung Yangs beantragen. Er warf der Regierung vor, den Fall nach dem
       Motto „Business as usual“ zu behandeln, um „die Handelsbeziehungen zu
       normalisieren“.
       
       5 Feb 2024
       
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