# taz.de -- Zu viele Grundschullehrkräfte: Den Schweinezyklus stoppen
       
       > Künftig mehr Lehrkräfte als nötig für Grundschulen: Der ständige Wechsel
       > von Mangel und Überangebot ließe sich durch eine bessere Planung
       > verhindern.
       
 (IMG) Bild: Die Schülerzahlen sinken, deshalb gibt es künftig genug Lehrkräfte für Grundschulen
       
       Endlich mal wieder eine gute Nachricht für das notorisch unterversorgte
       Bildungssystem: Für die Grundschulen stehen bis zum Jahr 2035 fast 100.000
       neu ausgebildete Lehrkräfte bereit – und damit exakt 45.800 mehr, als
       voraussichtlich benötigt werden. Das sagt [1][eine Prognose der
       Bertelsmann-Stiftung] voraus. Ein Lichtblick, ohne Frage. Denn in den
       vergangenen Jahren hatten vor allem auch die Grundschulen mit fehlendem
       Personal zu kämpfen. Gut, dass die Länder reagiert, die Studienplätze
       ausgebaut und auch das Einstiegsgehalt an das Gymnasium angepasst haben.
       
       Zum Jubeln oder Schulterklopfen ist es aber zu früh. Denn wer glaubt, der
       Fachkräftemangel an Schulen ist damit bald überwunden, vergisst zweierlei:
       erstens die Bräsigkeit der für Bedarfsprognosen zuständigen Länder. [2][Die
       Kultusministerkonferenz (KMK)] jedenfalls geht in ihrer 2035-Planung von
       einem viel geringeren Überschuss – 6.300 Lehrkräfte – aus.
       
       Die sinkenden Schüler:innenzahlen haben die Ministerien offensichtlich
       noch nicht in ihrer, ähm, vollen Dynamik auf dem Schirm. Im Dezember erst
       musste die KMK zugeben, dass ihre Berechnungen zuletzt oft nicht gerade
       seriös waren. Was also in der Wirklichkeit passiert und wie die Ministerien
       planen, sind leider zwei Paar Schuhe.
       
       Zweitens stellt sich die Frage, was die Länder dann, wenn die Realität sie
       einholt, mit dem Zuviel an Fachkräften anstellen. Die Vorschläge, sie an
       Brennpunktschulen, in der Ganztagsbetreuung oder in der Mittelstufe
       einzusetzen, sind gut. Noch besser wäre es aber, wenn sich die
       Bildungspolitik endlich den seit Jahrzehnten ungebrochenen Wechsel von
       Mangel und Überangebot sparen würde.
       
       Um den [3][Schweinezyklus] zu durchbrechen, muss endlich eine langfristige
       Planung her. Die Bildungsminister:innen sollten also heute eine
       Einstellungsgarantie für die künftigen Lehrkräfte aussprechen – am besten
       für alle Schularten. Sonst dürfte der erwartete Überschuss dazu führen,
       dass die Studienzahlen bald wieder zurückgehen – und auf den Jubel morgen
       übermorgen die nächste Krise folgt.
       
       25 Jan 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2024/januar/der-lehrkraeftemangel-an-grundschulen-ist-bald-ueberwunden
 (DIR) [2] /KMK-muss-sich-neu-aufstellen/!5986225
 (DIR) [3] https://www.bmel-statistik.de/preise/preise-fleisch/schweinezyklus
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralf Pauli
       
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