# taz.de -- Ex-Militärjunta-Chef von Guinea: Aus dem Gefängnis entkommen
       
       > Schwerbewaffnete haben den wegen eines Massakers angeklagten Moussa Dadis
       > Camara befreit. Die Regierung betont, die Lage in dem Land unter
       > Kontrolle zu haben.
       
 (IMG) Bild: Da war er noch an der Macht: Moussa Dadis Camara bei einem Auftritt vor Medienvertreter*innen im März 2009
       
       Conakry dpa | Im westafrikanischen Guinea sind der wegen eines Massakers
       angeklagte Ex-Junta-Chef Moussa Dadis Camara und mehrere seiner Verbündeten
       aus dem Gefängnis entkommen. Schwerbewaffnete griffen am frühen
       Samstagmorgen das Gefängnis im Zentrum von Guineas Hauptstadt Conakry an,
       überwältigten die Wärter und befreiten Camara und drei Mitglieder seiner
       Militärregierung. In Conakry waren am Samstagmorgen vorübergehend Schüsse
       zu hören. Das Gefängnis wurde von Militärfahrzeugen gesichert.
       
       Guineas Justizminister Alphonse Charles Wright sagte am Samstagvormittag
       örtlichen Medien, dass einer der entkommenen Verbündeten Camaras bereits
       wieder festgenommen worden sei. Die Grenzen des Landes seien geschlossen.
       Die Regierung betonte, die Lage unter Kontrolle zu haben.
       
       Moussa Dadis Camara hatte 2008 in einem Putsch die Macht in dem
       westafrikanischen Küstenstaat mit aktuell rund 14 Millionen Einwohnern
       übernommen. Am 28. September 2009 hatten Soldaten bei einem Protest von
       Zehntausenden Zivilisten gegen die Junta in einem Stadion die Zugänge
       abgeriegelt und in die Menge geschossen. Anschließend kam es unter anderem
       zu Massenvergewaltigungen. Mehr als 150 Menschen wurden getötet und mehr
       als 100 Frauen vergewaltigt.
       
       Ein Prozess gegen Camara und neun weitere Angeklagte begann im September
       2022 erst unter der derzeitigen Militärregierung nach dem jüngsten Putsch
       von 2021. Camara sitzt in Untersuchungshaft, nachdem er vor dem Prozess aus
       dem Exil zurückgekehrt war. Er soll bis heute Rückhalt in Teilen der Armee
       genießen.
       
       Camara hatte nach einem Attentat auf ihn wenige Wochen nach dem Massaker
       Ende 2009 das Land verlassen. 2010 wurde Alpha Condé zum Präsidenten
       gewählt. Im September 2021 übernahm eine Militärjunta unter der Führung von
       Mamady Doumbouya die Kontrolle im Land, nachdem Condé sich 2020 nach einer
       Verfassungsänderung für eine dritte Amtszeit hatte wählen lassen. Auch
       Condé wurde unter anderem exzessive Gewalt gegen Demonstranten mit
       Dutzenden Toten vorgeworfen.
       
       4 Nov 2023
       
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