# taz.de -- das wird: „Was gerecht ist, empfindet jede*r anders“
       
       > Die Installation „Ist das schon gerecht?“ hinterfragt in Hildesheim
       > Gerechtigkeitsprinzipien
       
       Interview Hellen Kachler
       
       taz: Selina Klatt, worauf kommt es bei der Gerechtigkeit an? 
       
       Selina Klatt: In der Installation haben wir versucht, uns auf ein paar
       Aspekte von Gerechtigkeit zu fokussieren. Gerechtigkeit kann zum Beispiel
       als Verteilungsgerechtigkeit auftauchen. Wer bestimmt darüber, wie viel
       jede*r bekommt? Gibt es Gründe dafür, dass eine*r mehr bekommt? „Ist das
       schon gerecht?“ fordert auf, ein subjektives Gefühl von Gerechtigkeit zu
       erfahren oder eben das Fehlen davon. Wann sich etwas gerecht anfühlt,
       empfindet jede*r anders. Und nur, weil es sich für dich gerecht anfühlt,
       muss es das nicht für mich. Es geht deshalb auch um ein gegenseitiges
       Bewusstsein dafür, dass Gerechtigkeit nichts Absolutes ist.
       
       Leonie Friedel, Ihre vorangegangene Performance „Manchmal träumt WIR von
       Protest“ war eine Theaterperformance. Was erwartet uns diesmal? 
       
       Leonie Friedel: Wir sind bei „Ist das schon gerecht?“ nicht selbst Teil der
       Installation. Wir wollen nicht zu viel vorgeben, sondern andere
       Perspektiven zeigen. Die Installation ist begehbar und die Menschen
       durchlaufen verschiedene Stationen. Sie sind selbst Teil der Installation
       und erfahren sie direkt.
       
       Was können Besucher*innen dabei erfahren? 
       
       Friedel: Wir wünschen uns, dass die Menschen eine Selbsterfahrung haben.
       Gerechtigkeit taucht oft dann auf, wenn sie fehlt, als Ungerechtigkeit. Der
       Fokus soll bei der Installation aber nicht auf der Ungerechtigkeit liegen,
       sondern auf der Selbsterfahrung von möglicher Gerechtigkeit. Wir haben nach
       Kontexten gesucht, die jede*r aus dem Alltag kennt, deshalb heißen wir als
       Gruppe „alltagsprotokoll404“. Die Installation ist vor allem für junge
       Menschen und ihre Alltagswelt geplant.
       
       Wofür steht der Name „alltagsprotokoll404“? 
       
       Klatt: Wir versuchen, gesellschaftskritische Themen aufzugreifen und
       künstlerisch darzustellen und zugänglich zu machen. Der 404-Fehlercode
       steht für die Störungen, auf die wir aufmerksam machen wollen. Störungen,
       die uns im Alltag begegnen, aber die im Alltag auch untergehen.
       
       12 Oct 2023
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hellen Kachler
       
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