# taz.de -- Abgeordnete in Indiens Parlamenten: Mehrheit stimmt für Frauenquote
       
       > Bis zur wirksamen Einführung einer 33-Prozent-Quote in allen Parlamenten
       > soll es aber noch Jahre dauern. Das sorgt für Unmut bei der Opposition.
       
 (IMG) Bild: Im indischen Parlament sollen einmal 33 Prozent der Abgeordneten Frauen sein
       
       Mumbai taz | Eine „historische Entscheidung“ hatte Indiens Premier Narendra
       Modi (BJP) zu Wochenbeginn angekündigt. Am Mittwoch wurde im neuen
       Parlamentsgebäude eine Frauenquote beschlossen: 454 Abgeordnete des
       Unterhauses stimmten dafür, zwei dagegen. Künftig soll in beiden Häusern
       des Parlaments sowie in den Länderparlamenten ein Drittel der Posten mit
       Frauen besetzt werden. Zunächst für 15 Jahre. Das könnte die Zahl
       weiblicher Abgeordneter mehr als verdoppeln.
       
       Die beiden Gegenstimmen kamen von der All India Majlis-e-Ittehadul
       Muslimeen (AIMIM), die eine Quote für Muslime und Frauen aus
       benachteiligten Kasten (OBC) im Rahmen der Gesamtquote fordert.
       
       Wenn die Regierung mehr Frauen in den Volksvertretungen sehen möchte, warum
       werde das nicht auf OBC-Frauen und Musliminnen ausgeweitet, fragte
       AIMIM-Chef Asaduddin Owaisi. Muslimische Frauen machten sieben Prozent der
       Bevölkerung aus, seien aber nur mit 0,7 Prozent im Unterhaus vertreten.
       
       Modis hindu-nationalistische Volkspartei BJP zielt mit dem Vorstoß wohl
       darauf, mehr Wählerinnen an die Urnen zu bekommen. Bald stehen einige
       Regionalwahlen an. Erst kürzlich wurden schon die Preise für Kochgas
       gesenkt. Modis Popularität ist weiter hoch, doch die seiner Partei sinkt.
       
       ## Frauenquote soll erst nach der Volkszählung kommen
       
       Innenminister Amit Shah (BJP) deutete an, dass es bis zur Umsetzung der
       Frauenquote allerdings noch dauern werde. Das Gesetz soll erst nach 2026 in
       Kraft treten. 2024 wird ein neues Parlament gewählt, danach soll die
       ausstehende Volkszählung nachgeholt werden.
       
       Das sorgt für Unmut. [1][Die Kongresspartei] hält diese Zwischenschritte
       teils für unnötig und fordert zudem eine spezielle Quote für das aus
       benachteiligten OBC bestehende Drittel der Bevölkerung.
       
       „Die BJP sollte sich schämen“, meint die bengalische Abgeordnete Mahua
       Moitra von der Regionalpartei TMC. „Das ist kein historisches Gesetz,
       sondern eine Mogelpackung.“
       
       In einer Rangliste über Frauenvertretungen stünde Indien auf Rang 140 von
       196 Ländern. Derzeit sind nur 15 Prozent der Unterhausmitglieder Frauen.
       
       ## Auch Muslime sind parlamentarisch unterrepräsentiert
       
       Zwar hat sich ihre Repräsentanz verbessert, doch zugleich hat sich Indiens
       relative Position im weltweiten Vergleich verschlechtert. Von den 543
       Wahlkreisen entsandten nach den letzten Wahlen nur 78 Frauen. Muslime, die
       etwa 14 Prozent der Bevölkerung stellen, sind nur durch 26
       Politiker:innen vertreten.
       
       Kritik an der BJP gab es jetzt auch zur Eröffnung des neuen
       Parlamentsgebäudes. Denn [2][Staatspräsidentin Droupadi Murmu (BJP)] war
       offenbar gar nicht eingeladen. Das läge daran, dass sie eine Indigene und
       Witwe sei, wetterte der Oppositionspolitiker Udhayanidhi Stalin von der
       tamilischen Regionalpartei DMK.
       
       21 Sep 2023
       
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