# taz.de -- Bergkarabach nach der Waffenruhe: Ein Eindruck von Siegerjustiz
       
       > Aserbaidschan sollte vermeintliche Kriegsverbrecher aus Bergkarabach nur
       > vor ein internationales Gericht stellen. Und die armenischen Grenzen
       > anerkennen.
       
 (IMG) Bild: Ein Bild des russischen Verteidigungsministeriums zeigt Evakuierungsmaßnahmen in Bergkarabach
       
       Aserbaidschan fordert von den Separatisten eine Auslieferung von
       vermeintlichen Kriegsverbrechern. Das sind also die Prioritäten bei der
       Integration der Karabach-Armenier:innen. Man hätte den Separatisten ja auch
       erst mal eine aserbaidschanische Verfassung in armenischer Sprache
       übergeben können. Aserbaidschan will das armenische „Das ist ein Genozid“
       mit einem aserbaidschanischen „Das ist ein Genozid“ beantworten. Und das
       geht am besten mit Schauprozessen und dem Präsentieren von Massengräbern.
       
       Und wie entdeckt man Massengräber? Ganz einfach: Die aserbaidschanischen
       Dienste haben Listen von Armeniern, die ihren Informationen nach
       Kriegsverbrechen begangen haben und den Ort von Massengräbern kennen
       müssten. Jetzt können sie in Karabach jede x-beliebige Person verhaften.
       
       Gleichwohl täte Aserbaidschan gut daran, vermeintliche Kriegsverbrecher vor
       ein internationales Gericht zu stellen. Ansonsten könnte schnell der
       Verdacht aufkommen, dass es sich hier [1][um Siegerjustiz handelt].
       Aserbaidschan hat [2][im Namen der territorialen Unversehrtheit seiner
       Grenzen] gehandelt. Das ist völkerrechtlich genauso in Ordnung wie der
       ukrainische Versuch, die Krim militärisch zurückzuholen. Gleichwohl ist die
       Inkaufnahme von Dutzenden und Hunderten Toten nicht akzeptabel. Nun muss
       Aserbaidschan aber auch die Unversehrtheit der armenischen Grenzen
       anerkennen. Und deswegen muss es mit dem Gerede von „Westaserbaidschan“,
       wie man Armenien gerne nennt, und der Forderung nach einem „Korridor“
       aufhören. Würde Aserbaidschan einen derartigen Korridor durch armenisches
       Gebiet zur Exklave Nachitschewan erzwingen, würde dies die territoriale
       Integrität von Armenien verletzen. Eine normale Landverbindung muss
       reichen.
       
       Wo der Hass groß ist, ist auch die Gewalt nicht weit. Die [3][in
       Bergkarabach stationierten russischen Friedenstruppen] werden kaum die
       Menschenrechte der dort lebenden Armenier schützen. Es ist höchste Zeit für
       eine Präsenz von Menschenrechtsorganisationen in Karabach.
       
       21 Sep 2023
       
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