# taz.de -- Globaler Klimastreik: Hallo Fridays, bitte aufwachen!
       
       > Ihr wart mal die erfolgreichste Umweltbewegung aller Zeiten – doch jetzt
       > haben andere die Aufmerksamkeit. Bitte, kommt zurück!
       
 (IMG) Bild: Aktivist:innen rufen zum Klimastreiktag auf, Berlin, 20. August
       
       Sorry, liebe Fridays! Wir müssen reden, aber ernsthaft: Denn irgendwie habt
       Ihr es verpennt. Ihr wart riesig, Ihr wart superwichtig. Eure Gründerin hat
       vor der Uno gesprochen, Weltpolitiker*innen wie Merkel oder Obama
       wollten Greta Thunberg treffen – und dabei gefilmt werden. Eine nicht mal
       18-Jährige fetzte sich öffentlich mit Trump und Putin, setzte die Agenda
       des Planeten. Die Erderhitzung war nicht nur Topthema an Frühstückstischen
       und in Talkshows, auch in den Regierungszentralen der Welt. Auch viele
       Konservative machten mit, weil es total en vogue war: Kein Konzern mehr
       ohne Klimabeauftragten oder Nachhaltigkeitskonzept, Markus Söder hat sogar
       einen Baum umarmt! Danke, liebe Fridays, Ihr habt den Hitzetod der Erde
       wahrscheinlich ein bisschen hinausgezögert. Wahrscheinlich seid Ihr die
       erfolgreichste [1][Umweltbewegung] aller Zeiten.
       
       Oder wart Ihr es? Denn dann kamen Corona und Ukraine-Krieg, die Inflation,
       die Energiekrise – und das Comeback der fossilen Brennstoffe. Wir brauchten
       Realpolitik und weniger Abhängigkeit von Despoten – und wollten nicht
       frieren. Da wart Ihr auf einmal weg vom Fenster. Die Realpolitik hat Euch
       klein gemacht. Oder, liebe Fridays?
       
       Seien wir mal ehrlich: Ihr ruft an diesem Freitag erneut zum [2][„globalen“
       Klimastreik] auf. Friedlich und bunt, wie sonst auch. Aber – how dare you!
       – das ist gar kein Event mehr für Millionen. Weltweit findet es schon gar
       nicht mehr statt, sondern nur noch in wenigen Ländern, in denen es sich die
       Protestierenden das Streiken leisten können. Euer Klimastreik ist auch ganz
       schön geschummelt.
       
       Sehr schade, denn natürlich ist die Klimakrise keineswegs gelöst. Ganz im
       Gegenteil, die Schwaden der gigantischen Waldbrände in Kanada haben in
       diesem Sommer New York vernebelt, Libyen und Griechenland ersaufen gerade
       in den Fluten gigantischer Sommergewitter. Wir haben die 1,5 Grad
       Erderhitzung, denen wir laut Pariser Klimaabkommen möglichst nahe kommen
       wollen, noch gar nicht erreicht. Aber die Apokalypse naht – vielerorts ist
       sie sogar schon da.
       
       Ihr habt den Diskurs lange bestimmt – aber wo seid Ihr geblieben, liebe
       Fridays? Die Schlagzeilen über Eure Forderungen nach einer härteren
       Klimapolitik sind von denen über Protestierende, die sich auf Straßen
       kleben oder über den „Heizhammer“ oder die „Deutschlandgeschwindigkeit“
       beim Bau von Flüssiggasterminals abgelöst worden. Zwei Mal im Jahr streiken
       und ab und zu ein paar schlaue Sätze im Fernsehen reichen leider nicht, um
       durchzudringen. Ab auf die Dorf- und Rathausplätze und bitte ab sofort
       jeden Freitag Protest! [3][Klimaschutz] muss wieder cool und brutal
       mehrheitsfähig werden. Omas for Future und die ganze Zivilgesellschaft
       müssen wieder so stark und präsent sein, dass kein Lindner, kein Merz, kein
       Biden und kein Xi weiter Politik gegen den Erhalt des Planeten treiben
       kann.
       
       14 Sep 2023
       
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