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(IMG) Bild: Auch eine Utopie: Die Frauen genießen, die Männer putzen
Ihre Aussicht passt Ihnen nicht? Sie hätten auf der Terrasse lieber
Schatten, um den Teint zu schonen, oder einfach ganz gern den attraktiven
Nachbarn vom Badezimmer aus im Blick? Mit dem „Maison tournante aérienne“
kein Problem. Dieses Haus dreht sich, wohin Sie wollen. Der französische
Zeichner und Karikaturist Albert Robida entwarf es im Jahr 1883, als eine
von vielen Ideen für das Alltagsleben im kurz bevorstehenden 20.
Jahrhundert. An die fantastische Aussicht seiner rotierenden [1][Villa
Kunterbunt] – selbst die Schornsteine ducken sich darunter weg – knüpften
Mitte des 20. Jahrhunderts dann tatsächlich diverse [2][Drehrestaurants]
an: Futtern mit 360-Grad-Panormama, das gab und gibt es unter anderem in
Düsseldorf und Wien, und auf dem Ostberliner Fernsehturm. Allerdings war
auch diese utopische Idee im Grunde schon antik: Bereits Kaiser Nero soll
im 1. Jahrhundert n. u. Z. auf dem Palatin in Rom beim Gelage seine Runden
gedreht haben, schreibt der Kaiserbiograf Sueton: „Der Hauptspeisesaal war
eine Rotunde, welche in einem fort Tag und Nacht sich wie das Weltall
herumdrehte.“ Heute, im 21. Jahrhundert, kommt die [3][Innovation aus der
Provinz]. In Heuchelheim bei Gießen zum Beispiel stehen zwei energieautarke
Häuser, die sich immer dahin wenden, wo sie gerade Sonne für die
Solarzellen oder kühlenden Schatten ergattern können. Da ist sie doch, die
Energie-Wende! Gemütliche 30 Minuten dauert eine Umdrehung. Reihernd über
der Brüstung, wie bei Albert Robida, hängt da niemand mehr. Aber es kommen
auch keine fliegenden Fische mehr am Horizont dahergezogen – schade
eigentlich.Dunja Batarilo
26 Aug 2023
## LINKS
(DIR) [1] /Die-Erben-von-Villa-Kunterbunt/!5529433/
(DIR) [2] /!5501029&SuchRahmen=Print
(DIR) [3] ttps://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/drehhaus-zeit-dass-sich-was-dreht-239851/
## AUTOREN
(DIR) Dunja Batarilo
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