# taz.de -- herzensort: Komplette Passivität
       
       Wenn das Leben mal wieder hart ist, sind es die Muskeln irgendwann auch.
       Und spätestens, wenn die Anspannung zielgerichtet Richtung Wirbelsäule
       kriecht, wird es Zeit loszulassen.
       
       Auf der Massageliege ist plötzlich möglich, was im echten Leben selten
       klappt: komplette Passivität. Ohne nebenher irgendwas zu gucken, zu lesen,
       zu hören. Selbst die Gedanken kreiseln in einem immer kleiner werdenden
       Radius, bis sie schließlich durch das Loch im Kopfteil der Liege tropfen,
       direkt hinein in die Schale mit den Blüten. Gut, vielleicht ist es auch
       Schnodder, weil sich in den letzten 20 Minuten diverse Körperflüssigkeiten
       im zusammengequetschten Gesicht gesammelt haben, aber egal: Alles muss
       raus, ob Rotz, Tränen oder die Bilder aus dem Kopfkino.
       
       Zur Katharsis gehören die Hände, die über die Flanken streichen wie ein
       lauer Windhauch im Sommer. Das warme Öl, das die Haut umschmeichelt wie
       kleine Wellen den Mittelmeerstrand. Und die Hintergrundmusik, die
       allerdings niemals nie die Akustikversion eines bekannten Popsongs sein
       darf. In diesem Fall hilft nur ein neuer Termin – in einem anderen Studio.
       Franziska Seyboldt
       
       19 Aug 2023
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Franziska Seyboldt
       
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