# taz.de -- die dritte meinung: Wir müssen geflüchtete afghanische Künstler besser und schneller integrieren
       
       Unverändert werden Künstler und Kulturschaffende aus Afghanistan nach
       Deutschland evakuiert. Darunter sind auch Akademiker und Aktivisten.
       [1][Sie bereichern Deutschland.] Viele wohnen zwei Jahre nach ihrer Ankunft
       noch in Erst- und Übergangseinrichtungen. Sie haben somit keinen freien
       Kopf, wie es in Deutschland künstlerisch für sie weitergehen soll.
       
       Öffentliche und private Kulturträger haben für Afghanistan neue Förder- und
       Stipendienprogramme aufgesetzt. Diese Programme sind für die
       Kulturschaffenden aber oft ein Dschungel. Es braucht dringend Aufklärung
       und langfristige Begleitung, wenn sie sich einbringen sollen. Es kann auch
       heilsam sein, Dinge offen anzusprechen. Die Konkurrenz im deutschen Kunst-
       und Kulturbetrieb um vorhandene Töpfe ist so groß und hart, dass selbst für
       hier Geborene oft keine Förderung herausspringt.
       
       Ohne fließendes Deutsch geht gar nichts, hören die Evakuierten. Das stimmt,
       einerseits. Andererseits: Theater von oder mit migrierten
       Schauspieler:innen, die mehrsprachige Ensembles hervorbringen, zeigen,
       dass es auch anders geht. Dies braucht es in der Breite. Denn der
       offizielle Kulturbetrieb sollte die sich wandelnde Gesellschaft auch
       institutionell abbilden. Neue Medienvielfalt ist nötig.
       
       Unter den zugewanderten Afghanen sind auch viele Journalisten und
       Filmemacher. Könnten Redaktionsteams in Medienhäusern ihre Texte und
       Geschichten nicht über ein Team vorübergehender Übersetzer erzählen? Wir
       würden so von ihren starken Geschichten und beeindruckenden Lebenswegen
       erfahren. Beide Seiten würden Sprachlosigkeit und Unwissenheit ablegen.
       
       Geflüchtete Ortskräfte aus Afghanistan dürfen hier sofort arbeiten. Ein
       Anrecht auf einen Integrationskurs haben sie nicht. Das ist ein Fehler. Das
       deutsche Bildungs- und Fördersystem muss ihnen von Anfang an transparent
       vermittelt werden. Nur so kann es faire und bessere Chancen geben – nicht
       nur für Afghanen. Diskriminierung bleibt sonst, zu Recht, ein Kritikpunkt.
       
       9 Aug 2023
       
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 (DIR) [1] https://www.migazin.de/2022/08/29/gemalte-gefuehle-kunst-integrationsprojekt-perspektiven/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Martin Gerner
       
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