# taz.de -- Indienreise von Robert Habeck: Keine „One Family“-Party in Goa
       
       > Beim Besuch des Bundesministers standen Handel, Energie, Klimaschutz auf
       > der Agenda. Zum Abschluss gab es das Treffen mit den G20-Kolleg:innen.
       
 (IMG) Bild: Keine Trance-Musik im Ohr, sondern einen Redebeitrag auf dem G20-Gipfel der Energieminister:innen: Robert Habeck
       
       Panaji taz | „In Indien einen vertrauenswürdigen Partner zu finden, ist der
       Hintergrund der Reise“, sagte Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert
       Habeck (Grüne). In diesem Punkt ist sich die Bundesregierung einig:
       [1][Indien soll enger an Deutschland wachsen], das war auch das Mantra von
       Habecks dreitägigen Indienbesuch, die am Samstag zu Ende ging.
       
       Gemäß der Strategie „China plus eins“ möchte sich Deutschland unabhängiger
       von der Volksrepublik machen und dabei könnte das bevölkerungsreiche Indien
       eine Schlüsselrolle spielen. Das Ziel ist gesetzt, Handel, Energie,
       Klimaschutz zu fördern. Die Beziehungen Deutschlands zu Indien seien
       aufgrund der veränderten geopolitischen Lage „immer wichtiger“ geworden, so
       der Vizekanzler. Habeck hob auch den Ausbau der erneuerbaren Energien
       hervor, den sich Indien längst auf die Agenda gesetzt hat.
       
       Habeck äußerte die Hoffnung, dass eine Verständigung über das
       Freihandelsabkommen zumindest teilweise noch vor den im kommenden Jahr
       anstehenden Wahlen in Indien und der EU erzielt werde. Bundeskanzler Olaf
       Scholz hatte bereits bei seinem Besuch im Februar versprochen, sich dafür
       einzusetzen. Ein zügiger Abschluss würde dem bilateralen Austauschen von
       Waren und Dienstleistungen einen weiteren Schub geben, sagt Stefan Halusa,
       Geschäftsführer der Deutsch-Indischen Außenhandelskammer in Mumbai,
       gegenüber der taz.
       
       Für Indien spreche die vielen gut ausgebildeten, englischsprachigen
       Arbeitskräfte, weshalb auch die Zahl der Unternehmen aus Deutschland, die
       in Indien in Forschung und Entwicklung investieren, stark zunehme. Darunter
       ist beispielsweise Chiphersteller Infineon. Die AHK geht derzeit von 2.000
       deutschen Firmen in Indien aus. [2][Laut einer Umfrage des
       Wirtschaftsprüfers KPMG] möchte bis 2028 jedes vierte deutsche Unternehmen
       Indien für eigene Forschung und Entwicklung nutzen.
       
       Dennoch liegt der letzte Besuch eines deutschen Wirtschaftsministers mehr
       als zehn Jahre zurück. Wohl auch deshalb machte Habeck jetzt Station in der
       Finanzmetropole Mumbai. Dort standen Besuche bei den lokalen
       Niederlassungen der Dax-Konzerne BASF und Siemens auf dem Programm. Der
       Abschluss der Reise fand mit dem Treffen der Energieminister:innen
       der G20 im südindischen Goa statt. Vor Ort verurteilte Habeck erneut den
       russischen Angriffskrieg. „Das Motto der Konferenz ist ‚One Family, One
       Future‘, aber die Menschheit benimmt sich im Moment nicht wie eine
       Familie“, sagte Habeck in Goa. Er warnte auch vor den Folgen der
       Erderwärmung, wenn nicht entscheidend gehandelt werde.
       
       Die G20-Verhandlungen gestalteten sich „schwierig“, da Russland der
       Verurteilung des Krieges gegen die Ukraine durch die meisten G20-Staaten
       nicht zustimmte. China erklärte, dass die G20 nicht die richtige Plattform
       für Sicherheitsfragen sei. Ein gemeinsames Kommuniqué konnte daher nicht
       erreicht werden. Bei der Förderung und dem Ausbau erneuerbarer Energien
       schien die Mehrheit der G20-Mitglieder aber mit einer Stimme zu sprechen,
       was Habeck begrüßte. Das Ziel, die Kapazitäten Erneuerbarer bis 2030
       weltweit auf neun Terabyte zu verdreifachen, nahm Gastgeber Indien in die
       Zusammenfassung des Vorsitzes auf, trotzdem es von großen Produzenten
       fossiler Energieträger wie Russland oder Saudi-Arabien abgelehnt wurde. Der
       indische Energieminister Raj Kumar Singh betonte jedoch, dass der Großteil
       des 29-Punkte-Papiers auf Zustimmung stoße und bei der bevorstehenden
       [3][Klimakonferenz in Dubai] von Nutzen sein werde.
       
       22 Jul 2023
       
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