# taz.de -- das wird: „Auf einmal hatten wir den Mars“
       
       > Oldenburgs St. Lamberti hat das Kreuz abgehängt
       
       Interview Emily Kietsch
       
       taz: Frau Gerdes, der Mars kommt nach Oldenburg. Warum machen Sie
       ausgerechnet die Kirche zum Weltall? 
       
       Renate Gerdes: Es gibt nicht so viele Räume, wo man eine Installation mit
       sieben Metern Durchmesser unterbringen kann. Die Kirche ist schön zentral,
       es kommen viele Menschen zufällig vorbei. Sie gehen auf den Markt,
       anschließend in die Kirche und sind dann überrascht, dass der Mars da
       hängt.
       
       Wird so eine Ausstellung in der Kirche greifbarer als im Museum? 
       
       Es ist auf jeden Fall etwas Besonderes. Jedenfalls haben wir in der Kirche
       den Luxus, dass der Techniker einfach nur das Kreuz abnimmt und den Mars
       daran hängt.
       
       Warum in Oldenburg? 
       
       Der Mars zieht durch die neun Städte des Strategiekreises ‚Wissenschaft in
       der Stadt‘. Gemeinsam versuchen wir, Projekte auf den Weg zu bringen.
       Letztes Jahr wurde das Thema „Unser Universum“ festgelegt. Dann haben wir
       überlegt: ‚Das Mondmodell des Künstlers ist schon durch Deutschland
       getourt, die Erde zum Teil. Wir versuchen einfach, den Mars von dem
       Künstler zu kriegen.‘ Der Künstler Luke Jerram hat zugesagt und wir hatten
       den Mars. Damit hatten wir eigentlich gar nicht gerechnet.
       
       Aber das Programm ist überall unterschiedlich?
       
       Genau, jede Stadt macht etwas anderes. Wir zeigen zwei Filme unter dem
       Mars, es gibt wissenschaftliche Vorträge, eine Lesung für Kinder,
       Nachtwächter-Führungen und auch Kunst im Zeichen des Mars.
       
       Welche Fragen zum Mars sollen dabei beantwortet werden? 
       
       Zum Beispiel, wie der Rote Planet aufgebaut ist. Der Künstler hat sein Werk
       mit Originalaufnahmen der NASA bedruckt. Es geht auch darum, einen Eindruck
       zu erhalten, wie der Mars wirkt. Der Künstler hat gesagt: ‚Ich hoffe, dass
       sich die Besucher in die unwirkliche Wüstenlandschaft versetzt fühlen und
       im Vergleich dazu unser Leben auf der Erde wirklich zu schätzen wissen.‘
       
       Also wird es ein Mix aus Kunst und Wissenschaft? 
       
       Genau. Es finden wissenschaftliche Vorträge statt. Von einem Historiker,
       der sich damit beschäftigt, wie der Mars in der Geschichte gesehen wird,
       bei den Römern zum Beispiel. Aber es ist dem Pastor auch wichtig, den Mars
       in den Mittelpunkt zweier Gottesdienste zu stellen. Das finde ich besonders
       interessant.
       
       Inwiefern? 
       
       Ich kann es mir gut vorstellen, dass der Pastor dann Passagen aus der Bibel
       nimmt, wo der Mars eine bestimmte Rolle spielt. Und er meinte schon: Die
       Leute, die jetzt kirchlich heiraten wollen, können sich dann unter dem Mars
       das Ja-Wort geben.
       
       In Bremen geht das dann auch noch? 
       
       Genau, der Mars wandert nach Bremen und auch dort in die Kirche. Kirchen
       sind wahrscheinlich gute Orte, wo man so etwas Ungewöhnliches aufhängen
       kann.
       
       2 Aug 2023
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Emily Kietsch
       
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