# taz.de -- die kinderfrage: Gibt es Schlangen mit drei Zähnen?
       
       Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche
       beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Enya, 8 Jahre 
       
       Schlangen, du wirst es nicht glauben, liebe Enja, haben sogar jede Menge
       Zähne. Allerdings sind sie normalerweise sehr klein und vom Zahnfleisch
       oder den Lippenschuppen verborgen. So können wir die Zähne nicht sehen –
       oft nicht mal dann, wenn die Schlange das Maul aufmacht.
       
       Dabei brauchen sie die Zähne nicht zum Kauen, weil sie ihr Essen im Ganzen
       runterschlucken. Schlangen können mit diesen Zähnchen aber ihre Beute
       festhalten. Sie helfen ihnen auch, wenn sie ein viel größeres Tier, zum
       Beispiel eine Ratte, verschlucken wollen. Dann schieben sie sich über das
       Tier wie ein Strumpf über den Fuß und nutzen ihre Zähne – Hände haben sie
       ja nicht, die ziehen könnten.
       
       Ein Sonderfall sind die Eierschlangen. Sie sind die einzigen Schlangen, die
       sich nicht von lebenden Tieren ernähren, sondern von Vogeleiern. Weil diese
       Eier im Vergleich zur Schlange oft sehr groß sind, haben sie nur wenige,
       ganz kleine Zähne, damit sie sich gut über das Ei stülpen können. Und sie
       haben noch einen Zusatzzahn hinten am Gaumen, mit dem sie die Schale des
       Eis aufpieken. Das ist aber eigentlich ein verlängerter Wirbel der
       Wirbelsäule, der bloß wie ein Zahn herausguckt.
       
       [1][Giftschlangen] wie Vipern oder Kobras haben wiederum zwei ihrer Zähne
       zu Spritzen umfunktioniert. Diese Giftzähne sitzen vorne im Oberkiefer und
       sind lang und spitz. Die Giftzähne sind hohl und haben vorne an der
       Zahnspitze ein kleines Loch, dadurch wird das Gift mit hohem Druck durch
       den hohlen Zahn in das Opfer gespritzt. Normalerweise liegen sie nach
       hinten umgeklappt, sonst würden die Schlangen sich ja dauernd selbst damit
       beißen. Beim Angriff aber werden sie wie ein Taschenmesser aufgeklappt und
       dann in das Fleisch des Opfers geschlagen. Speikobras können ihr Gift sogar
       meterweit durch die Luft spritzen. Sie zielen damit direkt auf die Augen
       eines Angreifers. Weil das Gift höllisch brennt oder sogar blind macht,
       können sie dann flüchten.
       
       Es sind bei Giftschlangen immer zwei Zähne, die als Giftspritze eingesetzt
       werden. Allerdings haben manche Schlangen sogar noch mehr davon – als
       Reserve. Denn wenn ein Giftzahn beim Zubeißen mal abbricht, rückt sofort
       ein neuer nach. Diese Reservezähne liegen bereits fertig ausgebildet neben
       den vorhandenen Giftzähnen und werden immer wieder nachgebildet.
       
       Denn ohne Giftzahn ist die Giftschlange halt ziemlich zahnlos. Und
       schlimmer noch: nicht in der Lage, Beute zu machen. Sie müsste verhungern.
       Heiko Werning
       
       22 Jul 2023
       
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