# taz.de -- Shanghai Organisation für Zusammenarbeit: Iran und Russland sind willkommen
       
       > Der Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit geht mit Iran
       > als neuem Mitglied zu Ende – und bringt Spannungen für Indien.
       
 (IMG) Bild: Raisi und Xi – Humor haben sie ja, denn Thema war auch die Bekämpfung von Radikalisierung
       
       Hamburg taz | Der Online-Gipfel der Shanghaier Organisation für
       Zusammenarbeit (SOZ) unter Indiens Vorsitz, der am Dienstag zu Ende ging,
       war der erste internationale Auftritt Wladimir Putins nach dem
       gescheiterten [1][Aufstand der Wagner-Söldnertruppe] Ende Juni. 2001 von
       China und Russland gegründet, ist die SOZ eine sicherheitspolitische
       Gruppe, der ehemalige Sowjetstaaten aus Zentralasien und seit 2017 Indien
       und Pakistan angehören.
       
       In diesem Jahr nimmt Indien nicht nur aufgrund der veränderten
       geopolitischen Lage durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine eine
       Sonderstellung ein. Auch politisch und wirtschaftlich steht das
       bevölkerungsreichste Land der Welt zwischen Ost und West. Neben dem
       SOZ-Vorsitz 2023 wird Indien im September Gastland des G20-Gipfeltreffens
       der Staats- und Regierungschefs, der weltweit wichtigsten Industrie- und
       Schwellenländer.
       
       An dem hochrangigen virtuellen Gipfel ohne westliche Mächte nahmen unter
       anderem der chinesische Staatspräsident Xi Jinping, zu dem Modi ein
       gespanntes Verhältnis hat, und der Regierungschef von Indiens Erzfeind
       Pakistan, Shehbaz Sharif, teil. „Wir sehen die SOZ […] als erweiterte
       Familie“, so der 72-jährige rechtsgerichtete Hindu-Politiker Modi.
       Sicherheit, wirtschaftliche Entwicklung, Zusammenarbeit, Einheit,
       Souveränität und territoriale Integrität sowie Umweltschutz seien Säulen
       der SOZ.
       
       ## Iran wurde zum neunten SOZ-Mitglied
       
       Schwerpunkte des Treffens waren auch die Bekämpfung von Radikalisierung und
       die Förderung der digitalen Transformation innerhalb der Organisation. Der
       Kampf gegen Terrorismus dürfe nicht mit „zweierlei Maß“ gemessen werden,
       sagte Modi und betonte die Wichtigkeit der Grenzen. SOZ-Mitglied Pakistan
       empfand es als eine spitze Bemerkung. Sharif konterte dann Modi: Staaten
       sollten weder Terrorismus für diplomatische Zwecke nutzen, noch religiöse
       Minderheiten dämonisieren.
       
       Im Rahmen des SOZ-Gipfeltreffens ist Iran zum neunten Mitglied der von
       Russland und China dominierten Organisation ernannt geworden. Belarus hat
       zudem eine Absichtserklärung zum Beitritt unterzeichnet. Teheran und Minsk
       unterhalten enge Beziehungen zu Moskau und dürften so die SOZ-Westflanke
       stärken. Kremlchef Putin erklärte, Russland werde sich Sanktionen und
       „Provokationen“ widersetzen und sei „geeinter denn je“.
       
       Im Handel befürworte Moskau – wie auch Iran – die Abrechnung in der
       Landeswährung statt in Dollar. Bereits im Mai hatte [2][das
       SOZ-Außenministertreffen im westindischen Goa gezeigt], dass Russland
       weiterhin ein enger Partner Indiens ist. Die gestiegenen russischen
       Ölexporte nach Indien belegen es.
       
       Für Indien war der Online-Gipfel mit Spannungen verbunden. China wird stets
       dominanter in der Region. Xi Jinping ermutigte die Staats- und
       Regierungschefs, ihre Beziehungen zu Russland zu stärken und Sanktionen zu
       vermeiden. So verwundert es nicht, wie Indien sich beispielsweise bei
       Rüstungsimporten nach Westen orientiert, um unabhängiger zu werden:
       Drohnenkäufe in den USA sind geplant, und ThyssenKrupp unterzeichnete eine
       Absichtserklärung über eine mögliche U-Boot-Produktion in Mumbai.
       
       Delhi will sich jedoch nicht nur auf den Westen verlassen und zeigte sich
       als machtbewusster Gesprächspartner auch unter seinen östlichen Partnern.
       Das SOZ-Beobachterland Afghanistan war nicht anwesend. Pakistan warb für
       eine Zusammenarbeit mit der afghanischen Übergangsregierung, also den
       Taliban, um Stabilität ins Land zu bringen. Usbekistan drängte auf eine
       geplante Eisenbahnlinie China-Kirgisistan-Usbekistan, die sich im Bau
       befindet und Güter über Afghanistan zu Häfen in Iran und Pakistan für den
       Export weltweit befördern könne. Der Vorsitz geht nun an Kasachstan.
       
       4 Jul 2023
       
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