# taz.de -- Verletzung religiöser Werte in Spanien: Katholiken klagen
       
       > In Spanien verklagt eine religiöse Stiftung Mitarbeiter einer TV-Sendung,
       > die mutmaßlich religiöse Werte verletzt – und das nicht zum ersten Mal.
       
 (IMG) Bild: Marienstatue in der Kirche San Isidro in Madrid
       
       Madrid taz | Wer in Spanien Witze über Religion macht, bekommt es mit der
       ultrakatholischen Stiftung christlicher Anwälte zu tun. Der Verein mit acht
       hauptamtlichen Mitarbeitern schwingt sich seit Jahren zum Wächter über
       [1][religiöse Werte] auf. Jetzt haben die Anwälte das Regionalfernsehen im
       nordostspanischen Katalonien verklagt. In der Osterwoche interviewte das
       Programm Està pasant die Jungfrau des Rocio, eine Wallfahrtsheilige aus dem
       südspanischen Andalusien.
       
       Die Schauspielerin Judit Martin trat in einer Sendung – einer Art
       katalanischen „heute Show“ – im Kostüm der Marienfigur auf. Sie klagte über
       die Gläubigen, die sie bedrängen, und versuchte, mit dem Moderator
       anzubändeln. „Seit 200 Jahren kann ich nicht vögeln, [2][wie es Gott
       gefällt]“, sagte sie über das Kleid, das körperlichen Kontakt unmöglich
       mache.
       
       Protest von Politikern aller Couleur blieb nicht aus. Die [3][religiöse
       Rechte] wetterte. Jetzt müssen die beiden Moderatoren Toni Soler und Jair
       Domínguez sowie Martín „wegen eines Vergehens gegen die Verfassung“ und
       „Beleidigung religiöser Gefühle“ vor das Amtsgericht in Sant Feliu de
       Llobregat.
       
       Die Kläger weisen darauf hin, dass die Schauspielerin in ihrer Rolle „den
       Lobgesang und die Zeugnisse christlicher Hingabe an die Heiligenstatue“
       nachahmte, wie sie auf Prozessionen üblich sind. Währenddessen „lachten der
       Soler und sein Mitarbeiter Domínguez lauthals“.
       
       ## Klagen über Klagen
       
       Die Richter lassen dies als Verdacht auf ein Vergehen gegen
       verfassungsmäßigen Schutz der Religion zu. Im Falle einer Verurteilung
       drohen den dreien Geldstrafen von mehreren tausend Euro. „Wenn sie mich vor
       Gericht wollen, müssen sie mich schon im Streifenwagen abholen, ich denke
       nicht daran, Geld für Benzin auszugeben“, sagte Domínguez.
       
       Es ist nicht das erste Mal, dass Künstler es mit der Stiftung zu tun
       bekommen. Schauspieler Willy Toledo wurde angezeigt, weil er auf Facebook
       seiner Wut auf die katholische Kirche freien Lauf ließ, nachdem
       Feministinnen vor Gericht mussten, weil sie die „heilige Vagina“ in einer
       ironischen Prozession durch Sevilla trugen. Außerdem klagten sie gegen eine
       Dragqueen auf den Kanarischen Inseln, die sich beim Karneval als Maria
       verkleidet hatte.
       
       Auch gegen Femen oder die Bildungsministerin, die die Noten im freiwilligen
       Religionsunterricht nicht mehr zur Versetzung heranzog, sowie gegen die
       LGBTQI-Fahne am Rathaus in Cádiz zogen die Anwälte bereits vor Gericht.
       
       1 Jun 2023
       
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