# taz.de -- Zentralasien-Gipfel in China: Gruppenbilder mit und ohne Dame
       
       > Chinas Staatschef Xi gibt sich als Gönner gegenüber fünf
       > zentralasiatischen Staaten. Vertreter aus Russland waren in Xi'an nicht
       > mit von der Partie.
       
 (IMG) Bild: Gruppenbild auf dem Zentralasia-Gipfel in Xi'an
       
       Das erste Fotopaar der Tage rund um den 19. Mai 2023: In Hiroshima posieren
       Staatsoberhäupter der sieben Industrienationen für ein Gruppenfoto. Im
       Hintergrund ein Blick auf einen ruhigen See. In Xi’an tun die
       Staatsoberhäupter der [1][fünf zentralasiatischen Staaten] mit Chinas
       Parteichef Xi Jinping in der Mitte dasselbe; auf einer Bühne, gesäumt von
       Staatsfahnen, im Hintergrund eine traditionelle chinesische Malerei, die
       schroffe Bergketten im Wolkenmeer zeigt.
       
       Steht das symbolisch für sieben maritime Nationen plus die EU gegenüber
       einer neuen Weltmacht mit fünf kontinentalen Nachbarn als potenziellen
       Verbündeten? Das zweite Fotopaar: [2][Die G7- SpitzenpolitikerInnen], zwei
       Frauen sind dabei, sitzen um einen runden Konferenztisch, dicht an dicht,
       auf Holzstühlen. Drei Männer, Joe Biden, Fumio Kishida und Emmanuel
       Macron, drehen sich zur Kamera und spenden so alle zusammen einem
       imaginären Publikum hinter der Kamera ihr pflichtbewusstes Lächeln.
       
       Zum Vergleich: eine geräumige runde Tischreihe mit sechs schweren,
       wohlgepolsterten Sofas, ebenso geräumig voneinander getrennt. Frontal in
       die Kamera, also in eine imaginäre Weltöffentlichkeit, blickt nur Xi
       Jinping, Chinas starker Mann. Alle fünf Staatsführer sitzen mit dem Rücken
       zum Publikum. Niemand sieht ihre Mimik, vielleicht nur angedeutet, wie sie
       ihren Blick auf Xi richten. Steht das symbolisch für ein demokratisch
       gleichberechtigtes Miteinander gegenüber einem ehrerbietigen Audienzkreis?
       
       Das dritte Fotopaar: hier ein Arbeitsessen zu Abend – jede und jeder hat
       seine und ihre Portion vor sich, zu sehen sind noch Mikrofone –, da eine
       lange Tischreihe, reichlich gedeckt, Blumengesteck und allerlei
       Leckerbissen, im Hintergrund ein weitläufiger Vorhof, wo für die Tischgäste
       Tänze und Lieder dargeboten werden.
       
       ## Gut bezahlter Gehorsam
       
       Wie der chinesische Begleittext berichtet, sind die Darbietungen allemal in
       der Pracht der Tang-Dynastie, die nach offizieller Geschichtsschreibung die
       Blütezeit der chinesischen Zivilisation repräsentiert – mit blühendem
       Handel durch die Seidenstraße, deren Anrainer alle zentralasiatischen
       Staaten heute sind. Sie sind Geldempfänger aus Peking für das Projekt der
       chinesischen Weltstrategie [3][One Belt One Road]. Auch diesmal klingelte
       es wieder vielversprechend in der Kasse: 26 Milliarden Dollar als Darlehen,
       wenn die fünf in Zentralasien Pekings Willen Folge leisten.
       
       Was die Fotos erzählen, mag der Fantasie eines jeden Einzelnen überlassen
       bleiben. Und: Peking will offiziell noch nicht gelten lassen, der Gipfel in
       Xi’an sei eine Gegendarstellung zu Hiroshima. Dennoch ist der Kontrast
       unübersehbar: In Hiroshima dreht sich alles darum, [4][Russlands
       Aggressionskrieg] bald zu beenden. Der Verlierer ist Moskau. Kein Wort
       davon in Xi’an. In Hiroshima betonten die G7 den Entschluss, auch Chinas
       erpresserischem Vorgehen gegen wirtschaftlich schwächere Staaten
       entgegenzutreten.
       
       Genau das wird in Xi’an dargeboten, wenn auch versüßt mit feudalem Prunk.
       Mit einer vielsagenden Fußnote: In Xi’an ist Chinas Verbündeter Russland
       abwesend. Moskau hat bis dato nie gefehlt, wenn es um Zentralasien, also um
       Russlands Hinterhof ging. Nutzt China Russlands Schwäche aus, um die eigene
       Einflusssphäre auszuweiten als ein neuer Hegemon, dem sich der Westen
       stellen will?
       
       Wie eine Realsatire wirkt vor diesem Deutungshintergrund, dass nur wenige
       Tage zuvor Chinas Außenministeriumssprecherin mit aller Entschiedenheit den
       Beschluss des US-Kongresses zurückwies, China als „ein entwickeltes Land“
       einzustufen und alle Handelsvergünstigungen zu kappen. China sei noch ein
       Entwicklungsland, das größte in der Welt, hieß es.
       
       27 May 2023
       
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