# taz.de -- Sieg der Opposition in Thailand: Noch ist nichts entschieden
       
       > Der deutliche Sieg der Opposition gibt Hoffnung. Aber die Gefahr, dass
       > die Machthaber mit Tricks zurückschlagen, bleibt.
       
 (IMG) Bild: Anhänger der Move Forward Partei jubeln dem Parteivorsitzenden Pita Limjaroenrat zu
       
       Das erfreuliche Ergebnis der Parlamentswahl in Thailand ist in der Tendenz
       nicht überraschend, aber doch in Details. [1][So war ein Sieg der
       Opposition laut Umfragen] absehbar, aber nicht in dieser Klarheit und Form.
       Denn es ist auch erfreulich, dass die Reformpartei Move Forward die
       Oppositionspartei des Thaksin-Clans auf Platz zwei verwiesen hat.
       
       Bisher hatten die [2][extrem reichen und populistischen Thaksins] jede Wahl
       gewonnen, um entweder wieder vom Militär weggeputscht oder von dessen
       Verfassung um die Macht gebracht zu werden. Jetzt hat der Sieg von Move
       Forward das Potenzial, den jahrelangen Machtkampf zwischen einstigen
       Rothemden (Thaksin-Anhänger) und royalistischen Gelbhemden (Militär plus
       traditionelle Elite) zu überwinden. Der Sieg von Future Forward steht für
       einen Generationswechsel samt einem Auftrag zu einer überfälligen
       demokratischen Reformagenda.
       
       Zugleich ist die Niederlage der Militärfraktion deutlicher als sonst. Denn
       deren zwei Anführer, die bisher stets gemeinsam agierten, traten jetzt
       gegeneinander an und sehen so einzeln noch schwächer aus. So kommt die
       Partei des noch amtierenden Premierministers Prayuth nur auf 36 der 500
       Sitze. Demokratisch lässt sich daraus beim besten Willen kein
       Führungsanspruch ableiten. Erschwerend kommt für den Ex-General hinzu, dass
       er laut Verfassung ohnehin nur noch maximal zwei Jahre amtieren darf.
       
       Jetzt gilt es, ihm das klarzumachen. Zwar fehlen den Wahlsiegern noch
       einige Sitze, um den militärnahen Senat überstimmen und damit die
       Ungerechtigkeit des Wahlsystems aushebeln zu können. Aber auch die
       angeschlagenen militärnahen Parteien müssen um eine Koalition ringen.
       
       Am bequemsten wäre es für sie, die Justiz zur Anwendung eines rechtlichen
       Tricks zu drängen, um Move Forward auflösen und das Wahlergebnis
       diskreditieren zu können. Es ist schon einmal ein Regierungschef abgesetzt
       worden, weil er in einer Kochshow aufgetreten war und sich nicht um das
       Nebeneinkommen gekümmert hatte. Es ist deshalb in Thailand noch nichts
       endgültig entschieden.
       
       15 May 2023
       
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