# taz.de -- US-Präsident Bidens Kandidatur 2024: Richtig, aber risikoreich
       
       > Der amtierende US-Präsident Joe Biden will es noch mal wissen – und seine
       > Chancen stehen nicht schlecht. Der größte Unsicherheitsfaktor ist er
       > selbst.
       
 (IMG) Bild: Die größte Gefahr für Biden ist er selbst. Seine Kandidatur ist richtig, aber sie birgt hohe Risiken
       
       Man merkt es an den Textbergen, die US-amerikanische Medien schon kurz
       [1][nach der Erklärung Joe Bidens zu seiner erneuten
       Präsidentschaftskandidatur 2024] auf ihre Webseiten schaufelten: Überrascht
       ist da niemand. Das Datum, dass Biden für seine Videoankündigung gewählt
       hat – auf den Tag genau vier Jahre nach Ankündigung seiner ersten
       Kandidatur –, passt zu seiner Message: Finish the job, die Aufgabe zu Ende
       bringen. Und das heißt vor allem: Zum zweiten Mal Donald Trump vom Weißen
       Haus fernhalten, oder halt Ron DeSantis.
       
       Mit Bidens lang erwarteter Kandidatur klären sich ein paar Dinge. Die
       Republikaner*innen wissen, dass sie einen Referendumswahlkampf über
       den Amtsinhaber führen können – und der steht bei schlechten
       Popularitätswerten. Aber auch: Aufseiten der Demokrat*innen wird es
       keinen ernsthaften Vorwahlkampf geben.
       
       Der Vorteil davon: Immerhin wird nicht permanent aus den eigenen Reihen
       heraus der Öffentlichkeit verkündet, was für ein unfähiger und viel zu
       alter Kandidat Biden sei. Die Partei kann geeint in den Wahlkampf ziehen –
       während sich die potenziellen republikanischen Kandidat*innen schon
       jetzt mit Dreck bewerfen. Allerdings: Letzteres ist die interessantere
       Geschichte, und so werden monatelang die Republikaner*innen die
       Abendnachrichten dominieren, mit viel Sendezeit für ihre
       Anti-Biden-Botschaften.
       
       Es ist viel zu früh, auch nur eine annähernde Einschätzung darüber
       abzugeben, wer letztlich in über eineinhalb Jahren die Nase vorn haben
       wird. Was passiert in der Ukraine? Wie entwickelt sich die Inflation?
       [2][Wird Donald Trump noch verurteilt?] Bleibt Biden leidlich fit? Kann
       Vizepräsidentin Kamala Harris endlich ein bisschen Profil entwickeln? Alles
       offen, aber womöglich wahlentscheidend im November 2024.
       
       ## Ein amtierender Präsident hat gute Chancen
       
       Greifen die noch vor den Zwischenwahlen im vergangenen Jahr beschlossenen
       Maßnahmen aus dem Investitions- und Infrastrukturpaket – republikanische
       Sabotageversuche im Repräsentantenhaus sind garantiert –, könnte Biden das
       einen gewaltigen Schub geben. Einen amtierenden Präsidenten, statistisch
       gesehen ohnehin nicht leicht zu schlagen, könnte das locker über die
       Ziellinie bringen.
       
       Die größte Gefahr für Joe Biden ist dabei weder Donald Trump noch Ron
       DeSantis. Wenn tatsächlich einer von beiden der republikanische Kandidat
       wird, mobilisiert das die Gegenseite, genau wie 2020. Die größte Gefahr für
       Biden ist er selbst. Ein paar Blödheiten bei offenem Mikrofon, und er wird
       vom starken Amtsinhaber zum greisen Clown. Seine Wiederwahlkandidatur ist
       wohl richtig – aber sie birgt hohe Risiken.
       
       25 Apr 2023
       
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