# taz.de -- träum nicht weiter #14: Zuversicht braucht Gelassenheit
       
       Man muss Autorität nicht geil finden, um anzuerkennen, dass Uniformen sexy
       sein können. Sie strahlen zusammen mit der Gewissheit, eine zugewiesene
       Aufgabe zu erledigen, Gelassenheit aus, die besonders im Chaos glänzt. Wenn
       wir Grenzüberschreitungen außer Acht lassen (wollen wir mal nicht so sein),
       haben Menschen in Uniform einen klaren Auftrag in der Gesellschaft: Du,
       Feuerwehrmann, löschst dieses Feuer und kommst wieder, wenn wir dich rufen.
       Er hat einen klaren Platz, einen systemrelevanten sogar. Und obwohl er
       quasi auf die nächste Krise wartet, tut er es meistens mit einer
       imaginierten Ruhe.
       
       Zuversicht braucht Gelassenheit. Gelassenheit entsteht durch Zuversicht.
       Doch auch wenn sich mit Zuversicht schon viel bewegen lässt, hat sie erst
       mal etwas Selbstzufrieden-Passives. Gelassen kann nur sein, wer von
       aktuellen Krisen nicht existenziell bedroht wird. Eine gelassene,
       zuversichtliche Person lebt also vorzugsweise nicht allein, aber auch nicht
       mit zu vielen Leuten, gesund, mit genügend Einkommen von einem Job, der
       auch in den nächsten 15 Jahren noch sicher ist, in einer vom Erbe gekauften
       Wohnung, in einer Stadt mit gut ausgebauter Infrastruktur, an einem Ort mit
       klimatischen Bedingungen, die sich auch mit ein paar Grad mehr noch gut
       aushalten lassen. Oder eben zumindest nicht an der Küste liegen, wollen wir
       mal nicht so streng sein. Mit anderen Worten: Wer gerade gelassen ist, dem
       geht es auch schon ohne affirmative Zuversicht recht gut.
       
       Die Frage, warum wir gerade nicht alle selbstzufrieden grinsend am
       Geschehen teilnehmen und dabei sexy aussehen, erübrigt sich damit. Die Idee
       vom schnellen Leben, Dynamisches, Umbrüche, Transformation. Das alles ist
       zur Floskel verkommen, während wir noch dabei sind zu realisieren, dass die
       größten Veränderungsprozesse vermutlich nicht freiwillig einsetzen, sondern
       aus Krisen heraus geboren werden. Also machen wir uns jetzt Krisen-ready,
       rüsten wir uns gut aus mit einem Plan A und Plan B, und suchen wir uns
       starke Communities, die uns halten und uns gelassener machen, wenn es mal
       wieder brennt. Denn es ist so, wie Paris Hilton es sagt: That’s hot! Shayna
       Bhalla
       
       Hier schreiben unsere Autor*innen wöchentlich über Zukunft und
       Zuversicht.
       
       15 Apr 2023
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Shayna Bhalla
       
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