# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn es für die Romantik an Platz fehlt
Wir standen mit unseren großen Familien gut gelaunt im Rathaus Pankow und
warteten darauf, getraut zu werden. Wir hatten uns für diesen Ort
entschieden, da das Trauzimmer so schön sein soll, mit Holzvertäfelung, und
geräumig. Unsere Gäste wollten natürlich alle dabei sein, beim romantischen
Moment: „Ja, ich will“.
Das Standesamt in Pankow hat es aber nicht so mit Romantik oder
freundlichem Entgegenkommen.
Vor der Trauung mussten wir mit der Standesbeamtin in ein Kabuff, um uns
auszuweisen und den weiteren Ablauf zu besprechen. Mehr als uncharmant wies
sie darauf hin, dass maximal 18 Personen in den Raum dürfen. „Das steht so
im Internet“, hätten wir einfach mal lesen sollen. Obwohl Platz für alle
Gäste war, blieb sie unerbittlich.
Wir bedankten uns für ihren Einsatz, diesen für uns besonderen Moment in
einen trockenen bürokratischen Verwaltungsakt zu verwandeln. Die Trauung
wurde von ihr dann zackig und humorlos durchgezogen. Nach acht Minuten
landeten wir mit unseren Eheurkunden wieder auf der Straße. Das war auch
gut so. Die Gäste, die nicht ins Trauzimmer durften, wurden aus dem Rathaus
geworfen. Wegen Ruhestörung. Isabel Lott
22 Apr 2023
## AUTOREN
(DIR) ISABEL LOTT
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