# taz.de -- das wird: „Wettbewerb ist nichts Schlechtes“
       
       > Wie Steuergerechtigkeit global möglich ist, wird in Hamburg erörtert
       
       Interview Matthias Propach
       
       taz: Was erwartet uns auf den Veranstaltungen der Reihe „Zeit für
       Veränderung: Besteuerung im Krisenzeitalter“, Herr Trautvetter? 
       
       Christoph Trautvetter: Die Reihe dreht sich um Fragen der Umverteilung in
       Zeiten der Krise. Am 16.03 wird es einen Vortrag von Uwe Wagschal zum Thema
       der Mindeststeuer geben. Am 30.03 werden wir uns dann in Form einer
       Diskussion mit der Frage der politischen Umsetzung dieser Reformen
       beschäftigen.
       
       Was hat es denn mit der „globalen Mindeststeuer“ auf sich? 
       
       Die globale Mindeststeuer wurde 2021 von der OECD beschlossen. Sie soll
       dafür sorgen, dass weltweit Gewinne von Konzernen mit 15 Prozent besteuert
       werden. So soll Steueroasen das Handwerk gelegt werden, die bislang 0
       Prozent-Steuern von Unternehmen verlangten. Große Konzerne konnten dorthin
       ihre riesigen Gewinne verschieben und hatten so einen Wettbewerbsvorteil
       gegenüber kleineren Unternehmen.
       
       Was bedeutet „internationaler Steuerwettbewerb“? 
       
       Wettbewerb ist grundsätzlich nichts Schlechtes, jedoch sollte dieser über
       Bildung oder Innovation ausgetragen werden. In der Vergangenheit wurde er
       jedoch oft über niedrigere Steuersätze unfair befeuert. Große Konzerne
       haben die Möglichkeit, ihre Gewinne in andere Länder zu verschieben, in
       denen sie keine Steuern zahlen müssen. So entsteht ein
       Unterbietungswettbewerb.
       
       Warum ist das Thema der Mindeststeuer aktuell so wichtig? 
       
       Die Steuerreform soll 2023 umgesetzt werden und dafür sorgen, Konzerne über
       einen angemessenen Steuersatz an der Instandhaltung der Infrastruktur zu
       beteiligen, in der sie wirtschaften. Wir müssen dafür sorgen, dass Amazon
       so viel zahlt wie der lokale Buchhändler.
       
       Bezeichnet Olaf Scholz die OECD Mindeststeuer also zurecht als Revolution? 
       
       Der Beschluss besteht einerseits aus der weltweiten Mindeststeuer, die
       Steueroasen das Handwerk legen soll. Andererseits verlangt der Beschluss,
       dass digitale Konzerne wie Google, Amazon, Facebook mehr Steuern zahlen
       sollen. Bei der Umsetzung droht allerdings die Verwässerung. Daher ist es
       aktuell wichtig, sich mit dem Thema zu beschäftigen und genau hinzuschauen.
       
       15 Mar 2023
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Matthias Propach
       
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