# taz.de -- Alkohol und Islam: Keine Lust auf Kater
       
       > Wer Alkohol ablehnt, muss sich ständig rechtfertigen. Mit Blick auf
       > Folgen von Alkoholmissbrauch ist das absurd.
       
 (IMG) Bild: Unsere Autorin kann auch ohne Alkohol Spaß haben
       
       „Wie, du trinkst keinen Alkohol?“ – schon viel zu oft ist mir diese Frage
       um die Ohren geflogen. Ganz genau: Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt,
       betrunken zu sein oder einen Kater zu haben. Ich habe noch nie in meinem
       Leben Alkohol getrunken. Mit dieser prompten Antwort stoße ich trotz meines
       Kopftuchs immer wieder auf die fassungslose Reaktion darüber, dass es
       Menschen gibt, die noch nie einen Rausch hatten.
       
       Immer wieder bin ich eine Erklärung schuldig auch im beruflichen Umfeld. Im
       [1][Islam] gilt schlichtweg ein Alkoholverbot. Nie hatte ich das Empfinden,
       etwas verpasst zu haben. Sinnloses Betrinken, Übelkeit, Aggression und
       Unfälle – auf diese und viele weitere Folgen des Alkoholmissbrauchs kann
       ich gut verzichten.
       
       Soeben ging der „[2][Dry January]“ zu Ende. Es sollte ein alkoholfreier
       Start ins neue Jahr werden. Allein auf Instagram sind aktuell 453.000
       Beiträge dazu abrufbar. Angesichts der in Deutschland weit verbreiteten
       unreflektiert positiven Grundeinstellung zum Alkoholkonsum ist so ein
       „trockener Januar“ gar keine schlechte Idee. Durchschnittlich konsumieren
       Deutsche [3][jährlich zehn Liter reinen Alkohol]. Leber- und
       Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden in der anerkannten Saufkultur oft
       ausgeblendet.
       
       Mit fehlender öffentlicher Debatte wird das Alkoholproblem in Deutschland
       abgeschwächt. Der Instagram-Trend animiert gewiss viele Bereitwillige zur
       temporären Abstinenz. Viel wichtiger ist es jedoch, [4][die
       gesamtgesellschaftliche Dimension des Konsums] langfristig zu hinterfragen.
       Ein verantwortungsvollerer Umgang mit dem Suchtmittel müsste dringend auf
       öffentlicher Ebene behandelt werden.
       
       Sich der Herausforderung des #dryjanuary zu stellen, kann für manch einen
       ein kurzfristiges Detox-Mittel sein und für manch einen ein Hilfsmittel, um
       seine individuelle Abhängigkeit zu überprüfen. Eins kann ich auf jeden Fall
       versichern: Um Spaß zu haben oder entspannt zu sein, bedarf es definitiv
       keines Alkohols.
       
       2 Feb 2023
       
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 (DIR) [4] /Konsum-von-Bier-und-Schnaps/!5501033
       
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