# taz.de -- Moskaus Spionage in Europa: Russischer Spion in Wien enttarnt
       
       > Ein griechischer Staatsbürger soll für den russischen
       > Militärnachrichtendienst gearbeitet haben. Wien gilt als Tummelplatz für
       > ausländische Agenten.
       
 (IMG) Bild: Beliebt bei Agenten jeglicher Couleur: Österreichs Hauptstadt Wien
       
       Wien taz | Im Auftrag des russischen Militärnachrichtendienstes GRU soll
       ein Spion Österreichs Reaktionen auf den russischen Angriffskrieg auf die
       Ukraine ausgekundschaftet haben. Sein hinter einer dichten Hecke am
       östlichen Stadtrand von Wien verstecktes Haus sei schon im März von der
       Polizeispezialeinheit Cobra gestürmt worden, teilte Omar Haijawi-Pirchner,
       Leiter der Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN), am
       Montag mit.
       
       Im Haus des Verdächtigen fand man einen Signaldetektor für Abhörgeräte,
       Überwachungskameras, einen Splitterschutzanzug, Mobiltelefone und Laptops.
       Der mutmaßliche Geheimagent befinde sich auf freiem Fuß. Untersuchungshaft
       darf nur bei dringendem Tatverdacht verhängt werden. Der ist zunächst nicht
       konkret genug. Es soll sich um einen 39-jährigen Griechen handeln, dessen
       Vater für den russischen Nachrichtendienst gearbeitet hat und in seiner
       aktiven Dienstzeit als Diplomat in Deutschland und Österreich stationiert
       war.
       
       Der mutmaßliche Spion soll mit internationalen Diplomaten und
       Nachrichtendienstmitarbeitern verkehrt haben. Während des [1][Angriffs auf
       die Ukraine] soll er in Moskau gewesen sein. Der konkrete Vorwurf lautet:
       Verrat von Staatsgeheimnissen. Er soll, wie man es aus Agentenfilmen kennt,
       zweckentfremdete tote Briefkästen benutzt haben. Geheimdienstexperte Thomas
       Riegler vermutet, dass die Ermittler in den letzten Monaten auch
       [2][russische Diplomaten] beobachtet haben. Dazu wollte sich
       Haijawi-Pirchner allerdings nicht äußern.
       
       Im Ö1-„Mittagsjournal“ sagte Riegler: „Es ist einerseits ein Signal an die
       Adresse Russlands, dass es die Spionageaktivitäten in Wien nicht
       übertreiben soll. Und […] auch ein Signal an die westlichen Partner“, dass
       Österreichs Spionageabwehr wieder funktioniere. Nach parteipolitischen
       Intrigen 2018 war der Geheimdienst international in Verruf geraten.
       
       ## Relativ niedrige Strafen für Spionage
       
       Wien ist traditionell ein Tummelplatz für Agenten aus aller Welt. Riegler
       schätzt, dass ein Viertel aller russischen Spione in der EU in Wien
       stationiert sei. Geheimdienstchef Haijawi-Pirchner wollte sich auf solche
       Mutmaßungen nicht einlassen. Österreich sei wegen seiner Lage im Zentrum
       Europas und als Sitz internationaler Organisationen generell ein Ziel für
       Spionage. Auch die Strafen für Spionage sind vergleichsweise niedrig.
       Selbst nach einer Verschärfung des Paragrafen „Nachrichtendienst zum
       Nachteil Österreichs“ drohen nur sechs Monate bis fünf Jahre
       Freiheitsstrafe.
       
       „Der Verdächtige geht und ging in der Vergangenheit kaum einer
       Beschäftigung nach und bezieht daher in Österreich nur geringe
       Sozialleistungen“, so das Innenministerium in Wien. Auffällig seien seine
       zahlreichen Auslandsreisen. Allein zwischen 2018 und Anfang 2022 zählten
       die Behörden 65 Reisen in Europa sowie nach Russland, [3][Belarus], Türkei
       und Georgien.
       
       19 Dec 2022
       
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