# taz.de -- Weihnachts-„Tatort“: Downton Abbey ist nicht in München
       
       > Der Weihnachts-Tatort aus München ist ein Kostümfest im Stile englischer
       > Landadligen-Filme. Doch der Spaß misslingt, weil es bei der Klamotte
       > bleibt.
       
 (IMG) Bild: Wahrlich das beste an dieser „Tatort“-Folge: Batic und Leitmayer haben auch null Bock darauf
       
       Wissen Sie noch, Weihnachts-„Tatort“-Event 2015? Das war „Wer bin ich?“ mit
       Ulrich Tukur, eine derart alles überstrahlende Metafolge, dass sogar
       [1][zwei ausführliche Rezensionen] nötig wurden; einmal davor, [2][einmal
       danach]. Seit 2015 eine Referenzgröße, an der sich alle Sonntagabendkrimis
       messen lassen müssen.
       
       Die ARD brachte in jenem Jahr über die Feiertage noch ganze drei weitere
       „Tatort“-Premieren, darunter auch ein Til-„Nick Tschiller“-Schweiger-Ding,
       sie versendeten sich alle ganz fix. Aber Ende 2015, das wird immer ein
       Murot-Hochmoment bleiben.
       
       Seither ist die ARD wieder der traditionellen Meinung, man solle die Zeit
       lieber mit der Familie verbringen, Hausmusik, Rommé spielen, so was in der
       Art. Letztes Jahr glitzerte Udo Lindenberg in einer „Lindholm“-Folge. Und
       heuer am 2. Weihnachtsfeiertag, ach, lassen wir’s.
       
       Dabei hat der Bayerische Rundfunk wirklich alles aufgefahren, was nach
       Event und Weihnachten aussieht. Ein Krimidinner. Im anglifizierten
       Downton-Abbey-Setting. „Detective Chief Inspector Francis Lightmyer“. Ja,
       so habe ich auch geguckt.
       
       ## Den Fall beim Essen lösen
       
       „Mord unter Misteln“ also, mit Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo
       Wachtveitl). Eingeladen bei Kalli, dem Assistenten (Ferdinand Hofer), rund
       um den Tisch andere aus der Polizeibehörde, die wir alle noch nie gesehen
       haben, die Kommissare offenbar eben sowenig. Alle sind verkleidet als
       altenglische Ladys und Butlers und Reverends, weil: Krimidinner.
       Weihnachtsfeier.
       
       Batic und Leitmayer sitzen also beim Essen und müssen zur Unterhaltung
       einen Fall lösen: Der Butler fiel tot um, das Teetablett mit ihm. Nur, dass
       das Ganze (Buch: Robert Löhr, Regie: Jobst Oetzmann) nicht nur an der
       gedeckten Tafel einer Münchner Wohnung inszeniert ist, sondern als sei es
       wirklich eine dieser Historienserien auf britischem Landschloss.
       Angeklebter Bart inklusive.
       
       Wahrlich das beste an dieser „Tatort“-Folge: Batic und Leitmayer haben auch
       null Bock darauf. Sie bruddeln nonstop. (Falls sich das überregional nicht
       übersetzt: einsilbiges Genervtsein, Motzgeräusche, Augenrollen.) Und sie
       sind auch voneinander derart angekäst, wie es spätestens am 2.
       Weihnachtsfeiertag vielen gehen mag, schauen Sie mal nach rechts und links.
       Falls sie nicht schon am 25. vor dem Mittagessen wieder abgehauen sind,
       ähm.
       
       Mag sein, dass der BR sein Ermittlerduo für seinen 90. Fall würdigen
       wollte. Aber diesen Trutschkram haben die Münchner wirklich nicht verdient.
       Wer Lust auf altenglische Krimistimmung hat, an der dieser Film sogar als
       Parodie scheitern würde, zieht sich besser gleich „16 Uhr 50 ab Paddington“
       aus dem Bücherregal.
       
       Und wer die Münchner mag und auch schon die letzte Folge der beiden – das
       war noch vor der Sommerpause – mau fand, kramt die VHS-Kassette mit „Frau
       Bu lacht“ raus. Hat Vaddern doch sicher noch irgendwo. Unter Schichten aus
       27 Jahren Staub. Ach, ausmisten könnte man auch mal.
       
       25 Dec 2022
       
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