# taz.de -- Nordkorea setzt Waffentests fort: Rakete fliegt über Japan
       
       > In Teilen Japans sollen sich Menschen wegen nordkoreanischen Raketentests
       > in Sicherheit bringen. Südkorea droht dem Norden nun mit Konsequenzen.
       
 (IMG) Bild: Hat in zehn Tagen fünf Raketentests stattgegeben: Kim Jong Un
       
       Seoul ap | Nordkorea hat seine Waffentests fortgesetzt und erstmals seit
       fünf Jahren eine ballistische Rakete über Japan hinweg ins Meer geschossen.
       Die Mittelstreckenrakete sei vermutlich in den Pazifik gestürzt, meldete
       das Büro des japanischen Ministerpräsidenten Fumio Kishida. Dieser
       verurteilte das Vorgehen Nordkoreas scharf und sprach von einem
       unverantwortlichen Akt. Kishida kündigte außerdem an, den nationalen
       Sicherheitsrat einzuberufen, um über die Lage zu beraten. Ähnlich reagierte
       Südkorea.
       
       Der Generalstab in Seoul teilte zuvor mit, dass die Rakete am Dienstag vom
       Norden des Nachbarlands aus abgefeuert worden sei. Südkoreas Militär habe
       daraufhin seine Wachsamkeit erhöht und die Bereitschaft in enger Abstimmung
       mit den USA beibehalten. Präsident Yoon Suk Yeol erklärte, die
       nordkoreanische Rakete habe eine Reichweite von 4.000 Kilometern, womit sie
       das US-Außengebiet Guam hätte erreichen können.
       
       In einer Reaktion riefen die Behörden in Regionen im Nordosten Japans ihre
       Bevölkerung auf, nahe gelegene Gebäude zu räumen und sich in Notunterkünfte
       zu begeben. Es war der erste derartige Alarm, seitdem [1][Nordkorea im Jahr
       2017 eine Rakete] vom Typ Hwasong-12 über Japan hinweg abschoss. In den
       japanischen Regionen Hokkaido und Aomori wurde zunächst der Bahnbetrieb
       eingestellt. Erst nach der Mitteilung, dass die Rakete im Pazifik
       eingeschlagen sei, nahmen die Bahnen ihren Betrieb wieder auf.
       
       Kabinettssekretär Hirokazu Matsuno sagte, zu Schäden sei es durch das
       Geschoss, welches 22 Minuten lang geflogen und in Gewässer außerhalb der
       ausschließlichen Wirtschaftszone Japans gestürzt sei, nicht gekommen.
       
       ## Südkorea droht mit Konsequenzen
       
       In Seoul sagte Staatschef Yoon, er habe den nationalen Sicherheitsrat
       einberufen. Auf Nordkoreas „rücksichtslose nukleare Provokationen“ würden
       [2][Südkorea und die internationale Gemeinschaft mit Schärfe] reagieren,
       sagte er.
       
       Es war bereits der fünfte Waffentest Nordkoreas in den vergangenen zehn
       Tagen. Damit reagiert die Führung in Pjöngjang offenbar auf die gemeinsamen
       Militärübungen von USA und Südkorea sowie auf weitere Manöver der
       Verbündeten mit Japan in der vergangenen Woche.
       
       In diesem Jahr hat Nordkorea bereits rund 40 Raketen bei etwa 20
       verschiedenen Starts abgefeuert. Machthaber [3][Kim Jong Un] hat zuletzt
       betont, dass er niemals auf sein Nukleararsenal verzichten werde, sondern
       es vielmehr auszubauen wolle. Auch eine Rückkehr zur seit langem
       brachliegenden Atomdiplomatie mit den USA hat er ausgeschlossen.
       
       Einige Experten gehen davon aus, dass Kim ein erweitertes [4][Arsenal] als
       Druckmittel gegenüber Washington einsetzen werde, sein Land als einen
       Atomstaat anzuerkennen. Eine solche Anerkennung halte der Machthaber für
       notwendig für die von ihm angestrebte Aufhebung internationaler Sanktionen
       gegen Nordkorea.
       
       4 Oct 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Nordkoreas-Rakete-ueber-Japan/!5443797
 (DIR) [2] /Spannungen-auf-koreanischer-Halbinsel/!5873355
 (DIR) [3] /Kim-Jong-Un/!t5008168
 (DIR) [4] /Krise-des-nordkoreanischen-Sports/!5873480
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Nordkorea
 (DIR) Japan
 (DIR) Südkorea
 (DIR) Raketentest
 (DIR) Kim Jong Un
 (DIR) Atomtest
 (DIR) Nordkorea
 (DIR) Schwerpunkt Coronavirus
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Spannungen auf koreanischer Halbinsel: Militär probt wieder den Ernstfall
       
       Südkorea und die USA nehmen ihre vor vier Jahren ausgesetzten
       Militärübungen wieder auf. Nordkorea dürfte mit neuen Waffentests
       antworten.
       
 (DIR) Ein Spanier wird vom FBI gesucht: Nordkoreas Embargobrecher
       
       Der Spanier Cao de Benós ist vom FBI international zur Fahndung
       ausgeschrieben. Er soll Nordkorea Blockchain-Technologie beschafft haben.
       
 (DIR) Coronapandemie in Nordkorea: Raketen statt Vakzine
       
       Offiziell haben sich bereits 1,7 Millionen Nordkoreaner mit Corona
       infiziert. Die Staatsführung will von internationaler Hilfe dennoch nichts
       wissen.