# taz.de -- Aktuelle Corona-Lage in Deutschland: Blind in den Corona-Herbst
       
       > Die Coronazahlen steigen derzeit deutlich an. Wie problematisch das ist,
       > bleibt jedoch unklar. Auch eine Maskenpflicht ist wieder im Gespräch.
       
 (IMG) Bild: Im gesamten Verlauf der Pandemie war es nie wahrscheinlicher, sich zu infizieren als jetzt
       
       Berlin taz | Die siebte Coronawelle rauscht durchs Land. Im gesamten
       Verlauf der Pandemie war es nie wahrscheinlicher, sich zu infizieren als
       jetzt. Wie dramatisch das für die Gesamtbevölkerung ist, bleibt jedoch
       unklar. Der deutlichste Indikator für die aktuelle Welle ist [1][die
       Hospitalisierungsrate]. Ihr Tageswert lag laut [2][Berechnungen des
       Robert-Koch-Instituts] am Donnerstag bei 12,23. Bei allen sechs Wellen
       zuvor lag die Hospitalisierungsrate nie höher als 8,0.
       
       Der Indikator gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner:innen in
       den letzten 7 Tagen bei einer Neuaufnahme im Krankenhaus positiv getestet
       wurden. Ursprünglich war er gedacht, um die Belastung der Kliniken zu
       messen. Das klappt nicht mehr, da dort mittlerweile sehr viele Menschen nur
       „mit“, nicht „wegen“ Corona behandelt werden. Aber die
       Hospitalisierungsrate gilt als verlässlichster Indikator für das
       Infektionsgeschehen in der Gesamtbevölkerung.
       
       Die reinen Fallzahlen sind nur noch bedingt aussagekräftig. Das
       Robert-Koch-Institut meldet aktuell wieder mehr als 100.000 neu
       registrierte Infektionen. Die Dunkelziffer dürfte durch nachlassende
       Testintensität immens sein. Gesundheitsminister Karl Lauterbach schätzte
       kürzlich, dass die reale Infektionszahl viermal höher sei. Am Anstieg der
       bekannten Fallzahlen – sie haben sich binnen eines Monats vervierfacht –
       kann man aber die Dynamik der aktuellen Welle ablesen. Doch die wichtigste
       Frage bleibt offen: Wie viele Coronainfizierte erkranken schwer?
       
       Da hilft nicht mal mehr der Blick auf die Intensivstationen. Dort hat sich
       die Zahl der coronapositiven Patient:innen in nur vier Wochen fast
       verdreifacht. Für Ärzt:innen und Pfleger:innen ist es egal, ob die
       Patient:innen mit oder wegen Corona dort landen. Sie müssen isoliert
       werden, der Aufwand steigt also. Doch als Gradmesser für die Schwere der
       Erkrankungen durch Corona verliert die Zahl der
       Intensivpatient:innen ohne diese Unterscheidung an Aussagekraft.
       
       Ärzteverband fordert Maskenpflicht 
       
       Ähnliches gilt für die Zahl der Coronatoten. Sie ist binnen einer Woche um
       70 Prozent auf aktuell 115 im Wochenschnitt gestiegen. Aber wie viele davon
       wirklich pandemiebedingt sind, bleibt unklar. Das Land tappt im dritten
       Coronaherbst wieder im Dunkeln. Da ist es kein Wunder, dass über den Sinn
       möglicher Maßnahmen gestritten wird. Lauterbach hat die Länder dazu
       aufgerufen, die laut Infektionsschutzgesetz [3][mögliche Maskenpflicht] in
       Innenräumen wieder einzuführen. Der Ärzteverband Marburger Bund fordert das
       auch. Berlin denkt bereits darüber nach, Nordrhein-Westfalen sieht hingegen
       keinen Handlungsbedarf.
       
       Den gibt es dafür bei der Impfkampagne. Zwar sind 85 Prozent der besonders
       gefährdeten Ü-60-Jährigen dreifach geimpft. Den empfohlenen zweiten Booster
       aber hat bisher nicht einmal ein Drittel. Deshalb forderte der Deutsche
       Hausärzteverband eine Neuausrichtung der Impfkampagne.
       
       13 Oct 2022
       
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