# taz.de -- Die Wahrheit: Mit Taylor Swift im Tellerlift
       
       > Hellhörig gilt es zu sein, wird etwas als „eigentlich nicht gefährlich“
       > beschrieben. Was das mit der Bardin Taylor Swift zu tun hat, lesen Sie
       > hier.
       
 (IMG) Bild: 52 Konzerte sind für Taylor Swifts „The Eras Tour“ angesetzt – um die Nachfrage zu bedienen, müssten es wohl mehr als 900 sein
       
       Freunde, an deren Urteil mir viel liegt, preisen die Musikantin Taylor
       Swift schon seit geraumer Zeit in hohen Tönen. Leider triggert schon ihr
       Name bei mir ein schlimmes Trauma, das ich hier schnell wegerzählen will,
       damit es aus der Welt ist und ich spornstreichs zu meinem eigentlichen
       Thema kommen kann.
       
       Es begab sich also zu jener Zeit, da Sportlichkeit mir, meinen körperlichen
       Fähigkeiten entsprechend, wünschenswert erschien. Eine Freundin befleißigte
       sich, mich in das Herunterrutschen von verschneitem Gefälle vermittels
       gewachster Bretter unter den Füßen einzuweisen. Dies sei, so die Freundin,
       „eigentlich völlig ungefährlich und ganz leicht“. Zum Zwecke des
       Runterrutschens muss besagtes Gefälle zunächst erklommen werden, wozu der
       Skifahrer sich gern ausgeklügelter Hilfsmechanismen bedient. In diesem Fall
       war das ein Tellerlift.
       
       Dabei handelt es sich um eine frisbeeförmige Gummischeibe, die der Anwärter
       aufs Denberghochgezogenwerden sich beherzt zwischen die Schenkel klemmen
       muss. Das Warten in der Schlange gab mir Gelegenheit, die Anwendung dieser
       Kulturtechnik am Beispiel erfahrener Kinder zu studieren. Die wussten, was
       zu tun war. Und so wusste ich es auch, als endlich die Reihe an mir war.
       Der Tellerlift schwang herum, ich umschenkelte ihn frohgemut, den Blick
       bereits entschlossen gen Gipfel gerichtet – und setzte mich hin.
       
       ## Arsch auf Kunstschnee
       
       Das war der Fehler, wie ich heute weiß. Mit dem Förderseil ist der
       Tellerlift traditionell durch elastisches Tau verbunden, dessen Elastizität
       wohl das Anfahren weniger ruppig gestalten soll, aber keineswegs das
       Gewicht eines erwachsenen Mannes zu tragen vermag. Mir ging also sofort der
       Arsch, wenn nicht auf Grundeis, so doch auf Kunstschnee. Nicht verschweigen
       kann ich, dass ich für zwei oder drei Sekunden noch versuchte, mich
       irgendwie festzuklammern.
       
       Umso radikaler aber entlud sich die aus meinem Verharren und dem stoischen
       Vortrieb der Seilbahn resultierende Spannung, als die frisbeeförmige
       Gummischeibe endlich zwischen meinen Schenkeln hervorschnellte. Beim
       schwerkraftbedingten Zurückschwingen traf mich der Tellerlift,
       gewissermaßen zum Abschied, noch einmal so präzise und wuchtig an der Nase,
       dass ich am Ende benommen in meinem Blute lag, ausgesetzt den Elementen und
       dem Gelächter der Menge.
       
       Es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass an diesem Tag dem internationalen
       Skizirkus eines seiner vielleicht größten Talente verloren ging, noch bevor
       es sich richtig entwickeln konnte. Mit Sicherheit kann ich aber sagen, dass
       ich seit diesem Tag hellhörig werde, wenn ich das „eigentlich“ höre – wenn
       etwas „eigentlich nicht gefährlich“ ist, ist es gefährlich.
       
       Taylor Swift hat damit selbstverständlich nichts zu tun. Sie macht einfach
       nur entsetzlich langweilige Musik.
       
       30 Sep 2022
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Arno Frank
       
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