# taz.de -- Cyberattacken auf Bürgermeister: Giffey und der falsche Klitschko
       
       > Mehrere EU-Bürgermeister sind auf Fake-Video-Anrufe hereingefallen. Darin
       > gaben sich Unbekannte als der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko aus.
       
 (IMG) Bild: Reingelegt: Die Berliner Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) wurde Opfer eines Cyber-Angriffs
       
       Berlin taz | Am Samstag gab der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko
       schließlich ein [1][echtes Video-Statement] ab. Der weltberühmte
       Box-Champion sagte in die Kamera: „Bei mehreren Bürgermeistern in Europa
       hat sich ein falscher Klitschko gemeldet, der absurde Dinge von sich
       gegeben hat.“ Das sei kriminell und müsste dringend aufgeklärt werden.
       
       Dann sagt Klitschko noch ein paar Dinge, die für staatliche Stellen
       selbstverständlich sein sollten: „Bitte passt künftig auf, wenn Termine mit
       mir vermittelt werden. Offizielle Gespräche kann es nur über offizielle
       Kanäle in Kiew geben.“ Außerdem fügt er noch hinzu, dass er deutsch und
       englisch spricht: „Ich brauche nie einen Übersetzer!“ Umso peinlicher ist
       es für Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), dass sie
       am Freitagnachmittag eine halbe Stunde lang mit einem Übersetzer auf
       russisch mit einem Fake-Klitschko gesprochen hat.
       
       Das Gespräch endete erst, nachdem es laut Berliner Senatskanzlei
       eigenartige Wendungen nahm. Der falsche Klitschko soll gefragt haben, wie
       man damit umgehe, dass sich Ukrainer:innen Sozialleistungen erschleichen
       und ob Berlin nicht dabei helfen könne, einen Christopher-Street-Day in
       Kiew zu organisieren.
       
       Einen Anruf beim ukrainischen Botschafter später sei klar gewesen, dass man
       nicht mit dem echten Klitschko gesprochen habe. Kurz nach dem Gespräch
       sagte Giffey, dass Krieg mit allen Mitteln geführt werde – „auch im Netz,
       um mit digitalen Methoden das Vertrauen zu untergraben und Partner und
       Verbündete zu diskreditieren.“ Wer hinter der Aktion steckt, ist unklar.
       Der Staatsschutz des Berliner Landeskriminalamts ermittelt.
       
       ## Wahrscheinlich ein „Deep Fake“
       
       Laut Senatssprecherin handelte es sich allem Anschein nach um ein „Deep
       Fake“. Bei dieser Manipulationstechnik kommt künstliche Intelligenz zum
       Einsatz, mit der sich Bewegtbilder authentisch manipulieren lassen.
       Mittlerweile bestätigten auch weitere Bürgermeister europäischer Städte,
       Opfer von Anrufen mit dem falschen Klitschko gewesen zu sein.
       
       Wiens Bürgermeister Michael Ludwig ist dabei gar nichts aufgefallen. Er
       bekräftigte danach peinlicherweise per Pressemitteilung, an der Seite der
       Ukraine zu stehen. Madrids Bürgermeister wurde nach mehreren Minuten
       Gespräch misstrauisch und brach es ab.
       
       Klar ist nach dem Anruf in Berlin nur, dass die vermeintliche Anfrage aus
       Kiew nicht ausreichend geprüft wurde. Die kam per Mail am [2][2. Juni] –
       und zwar von keiner [3][behördlichen Adresse]. Die Botschaft sei zwar durch
       den Senat informiert worden, aber niemand habe vor der Schalte noch einmal
       offiziell in Kiew nachgefragt. Die Berliner Polizei hielt sogar [4][eine
       Satire-Aktion für möglich]. Nach dem ersten, gescheiterten Versuch planen
       Giffey und Klitschko nun ganz offiziell ein Gespräch.
       
       26 Jun 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://twitter.com/ronzheimer/status/1540629107939098624
 (DIR) [2] https://www.tagesspiegel.de/politik/zusammenhang-mit-ukraine-krieg-anrufe-von-falschem-klitschko-alarmieren-ampel-koalition/28455720.html
 (DIR) [3] https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/deep-fake-falscher-klitschko-spracht-mit-berlin-wien-und-madrid-80508330.bild.html
 (DIR) [4] https://www.morgenpost.de/berlin/article235719991/Fake-Anrufe-trafen-auch-Rathaeuser-in-Wien-und-Madrid.html?utm_term=Autofeed&utm_campaign=BM&utm_medium=Social&utm_source=Twitter#Echobox=1656180014
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gareth Joswig
       
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