# taz.de -- Coronadaten fehlen am Wochenende: Sonntags jetzt kein Corona mehr
       
       > Das Robert Koch-Institut nennt am Wochenende keine Coronazahlen mehr,
       > weil lokale Ämter nicht liefern. Dabei steigen die Infektionszahlen
       > wieder.
       
 (IMG) Bild: Sonntags nicht im Bilde: positiv ausgefallener Coronatest
       
       Berlin taz | Es war nur ein bürokratisch formulierter Satz [1][auf dem
       Corona-Dashboard des Robert-Koch-Instituts]. Dort wo seit mehr als zwei
       Jahren allmorgendlich die jüngsten Zahlen von Neuinfektionen und
       Sterbefällen einlaufen, stand am Sonntag: „Da am Wochenende nur noch wenige
       Gesundheitsämter und Landesbehörden Daten an das RKI übermitteln, werden
       keine Daten am RKI eingelesen, sodass es bei den absoluten Fallzahlen keine
       Veränderung zum Vortag gibt.“ Mit anderen Worten: Sonntags gibt es keine
       aktuellen Infos mehr zur Lage der Pandemie in Deutschland.
       
       Das Dashboard des RKI ist die zentrale Datenstelle für Coronazahlen aus
       Deutschland. Die meisten Medien, aber auch Zahlenanalytiker:innen
       sind auf diese regelmäßigen Werte angewiesen, um Trends erkennen zu können.
       Besonders gut war die Datenlage hierzulande nie. Immer wieder kommt es
       durch Meldeverzögerungen zu Verzerrungen. Zuletzt hatte das RKI mal wieder
       gewarnt, dass es durch die Feiertage an Himmelfahrt und Pfingsten „zu einer
       erhöhten Untererfassung und einem erhöhten Verzug im Meldesystem kommen
       kann“. Das müsse man bei der Interpretation der Datenlage beachten.
       
       Mediziner:innen klagen darüber seit Langem. „Wir haben in den letzten
       zweieinhalb Jahren einen wahren Datenblindflug erlebt, der keine gute
       Grundlage für rationale Entscheidungen war“, bemängelte Ärztepräsident
       Klaus Reinhardt in der vergangenen Woche. Und auch der
       Corona-Experten:innenrat der Bundesregierung hatte in seiner jüngsten
       Stellungnahme eine schnelle Digitalisierung des Gesundheitswesens
       gefordert, um die Datenlage sehr viel besser beurteilen zu können.
       
       ## Datenlücke zur Unzeit
       
       Das Robert-Koch-Institut trifft am Sonntagsloch noch die geringste Schuld.
       Es ist angewiesen auf die Zahlen aus den lokalen Gesundheitsämtern. Doch
       die waren zuletzt noch lückenhafter. An den letzten Sonntagen wurden nur
       noch 2 bis 3 Prozent der statistisch erwartbaren Menge gemeldet.
       
       Die Datenlücke kommt zu einem enorm kritischen Zeitpunkt. Bis Ende Mai
       hatten alle Indikatoren belegt, dass die Omikron-Welle deutlich abgeflaut
       ist. Die Zahl der neu registrierten Infektionen war im Wochenschnitt von
       einst 230.000 auf unter 30.000 gefallen. Die Hospitalisierungsrate, die die
       Zahl der Coronainfizierten unter Neuaufnahmen in Kliniken bemisst, war von
       7,3 Anfang April auf unter 2 gefallen – so tief wie seit Oktober nicht
       mehr.
       
       Doch [2][seit Anfang Juni steigen die Zahlen wieder.] Grund dafür ist die
       Omikron-Subvariante BA.5, die noch ansteckender ist als ihre Vorgänger.
       Diese werde in Kürze dominieren und könnte zu einem „verstärkten
       Infektionsdruck auf vulnerable Personengruppen schon im Sommer“ führen,
       hieß es [3][im jüngsten Wochenbericht des RKI].
       
       Der 7-Tage-Mittelwert der Corona-Infektionen hat am Samstag mutmaßlich
       schon wieder die 50.000 überschritten. Ob das tatsächlich der Fall ist,
       weiß man frühestens am Montag.
       
       12 Jun 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4
 (DIR) [2] https://twitter.com/gereonas/status/1535148161064484865
 (DIR) [3] https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Wochenbericht/Wochenbericht_2022-06-09.pdf?__blob=publicationFile
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gereon Asmuth
       
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