# taz.de -- 9-Euro-Ticket, AfD und Twitter: Ein Thron für Musk
       
       > Elon Musk umgeht nationale Gesetze und mit Börsenkäufen spielt er Jojo.
       > Doch er ist nicht der einzige, der aktuell für ordentlich Wirbel sorgt.
       
 (IMG) Bild: „Elon Musk sich nicht mehr damit auf, irgendeine dahergelaufene Nation zu regieren“
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: Jogi Löw möchte wieder einen Club trainieren.
       
       Und was wird besser in dieser? 
       
       CDU in Angst und Schrecken.
       
       [1][Das 9-Euro-Ticket kommt]. Wohin fahren Sie als Erstes? 
       
       Zur Tanke. Ab Juni soll auch der Sprit verbilligt werden. Die
       Mineralölkonzerne werden mit 3,15 Milliarden Euro subventioniert, die
       ÖPNV-Kundschaft mit 2,5 Milliarden Euro. Also werde ich an Bushalten
       huldvoll grüßen. Wenn da jemand steht. Falls es da eine gibt.
       
       [2][Erst will Elon Musk Twitter], dann wieder nicht. Nun feilscht er um den
       Preis. Erklärungen von Twitter-Chef Parag Agrawal kommentiert Musk gerne
       mal mit einem Kothaufen-Emoji. Welchen Emoji hat Musk verdient? 
       
       Einen Thron. Für den eigenen Sitz im Weltsicherheitsrat, den ein Staat von
       der Größe Musks beanspruchen kann. Nationale Gesetze – etwa Umweltbedenken
       beim Teslawerk Brandenburg – hebelt er aus; für die Ukraine sind seine
       Space-X-Satellitendaten kriegsentscheidend. Mit Börsenkursen und einer
       globalen Währung kann er Jojo spielen und per Tweet sucht er
       „Hardcore-Anwälte […] echte Straßenkämpfer“, die ihn gegen eine
       Anschuldigung wegen sexueller Belästigung verteidigen. Verglichen mit
       Old-School-Despoten hält Musk sich nicht mehr damit auf, irgendeine
       hergelaufene Nation zu regieren. Weltherrschaft neu gedacht.
       
       Die Chatverläufe der Whatsapp-Gruppe der AfD-Bundestagsfraktion wurden
       geleakt, die Schadenfreude ist groß. Erkenntnisgewinn: Die AfD ist
       queerfeindlich, zerhackt sich gegenseitig und hegt Umsturzpläne. Auf einer
       Skala von 1 bis 10 – wie sehr überrascht Sie das? 
       
       8,8 natürlich. Dabei schwanke ich noch, ob es sensationell naiv war, im
       hackfreundlichen Whatsapp herumzubraunen – oder sensationell dreist, die
       eigene Radikalität für normal null zu halten. Inzwischen haben sie auf
       Telegram umgeschult. Den beobachtenden Verfassungsschutz wird die
       „Umsturzrhetorik“ interessieren, doch alarmierend sind auch die steten
       Betteleien um „Führung“, Ansagen, klare Befehle. Die entscheidende
       Täuschung der AfD ist ein schier anarchischer Auftritt, der am Ende nix ist
       als der Schrei nach Entmündigung, nach Autorität.
       
       Die [3][niedrige Wahlbeteiligung bei der NRW-Landtagswahl] hat letzte Woche
       für Aufregung gesorgt. Waren Sie auch nicht wählen? 
       
       Ich hab per Brief gewählt; die Partei, die mir am wenigsten
       kriegstreiberisch erscheint. Viele wählten so nach Bundestrend: Die
       SpitzenkandidatInnen waren sehr unbekannt, ziemlich unbekannt und eine
       Bayerin. Wer nicht wählt, sieht keine ausreichende Alternative, oder findet
       den prognostizierten Ausgang okay, oder traut dem Land keine Antworten auf
       die Sorgen zu. Die liegen derzeit eindeutig nicht in Düsseldorf.
       
       Über Deutschland fegten am Wochenende Starkregen, Hagel und Orkanböen. Wie
       schützten Sie sich vor dem Sturm? 
       
       Ich mied Paderborn und Lippstadt, wo gar Tornados wüteten. Das wurde
       stündlich im WDR durchgesagt, nachdem er das Eifelhochwasser verschlafen
       hatte.
       
       In Island gibt eine Supermarktkette allen über 60-Jährigen jeden Dienstag
       einen Rabatt von 10 Prozent – als Maßnahme gegen die Inflation. Wie
       sinnvoll ist das? 
       
       Auf Island bezieht man zwei Renten, eine staatliche und eine
       arbeitsbezogene. Das Gesundheitssystem ist kostenlos und Energie, also
       Erdwärme, nahezu für lau. Im Urlaub sahen wir dort nachts eine gleißende
       Fläche von westfalenstadionesken Ausmaßen. Beim Näherkommen erkannte man
       Gewächshäuser, geysirgewärmt und mit Strom für umme beleuchtet. Die
       Betreiber erklärten uns, die teuersten Tomaten und Zucchini zwischen
       Gletschern zu ziehen, das sei wegen der immensen Transportkosten aber
       konkurrenzfähig. Die Lebenshaltungskosten liegen über 50 Prozent höher als
       hier, weil alles hingeflogen und -geschifft werden muss. So, ich muss weg,
       auf Island gibt’s Schnäppchen.
       
       McDonald’s findet, der russische Angriffskrieg stehe nicht in Einklang „mit
       seinen Werten“. Die Fastfood-Kette verkauft nun ihre 850 Filialen in
       Russland an den Unternehmer Alexander Gowor. Der Betrieb braucht nun einen
       neuen Namen und neue Menü-Angebote. Haben Sie Vorschläge? 
       
       Könnte Putin nicht gesichtswahrend sagen: Zentrales Kriegsziel erreicht,
       wir hören jetzt auf?
       
       Und was machen die Borussen? 
       
       Freiburg ist lieb, Leipzig böse, und beides zusammen gab mir einen freien
       Abend, ein Pokalfinale ohne den BVB dann auch nicht zu gucken. Fragen: Ruth
       Lang Fuentes, Bo Wehrheim
       
       23 May 2022
       
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