# taz.de -- Landtagswahlen und Ukrainekrieg: Stimmungstest im Glaubenskrieg
       
       > Die Landtagswahlen entscheiden nicht über die deutsche Ukrainepolitik.
       > Dennoch sind die Wahlen in Kiel und Düsseldorf richtungweisend.
       
 (IMG) Bild: Wessen Kurs wird gestärkt? Olaf Scholz und Friedrich Merz im Bundestag
       
       Selten waren Landtagswahlen so wichtig wie jetzt in Schleswig-Holstein und
       nächste Woche in Nordrhein-Westfalen. Natürlich entscheiden sie nicht über
       den Weltfrieden, aber über den Fortgang im derzeitigen deutschen
       Glaubenskrieg.
       
       Alles dreht sich dabei um die Frage, wie man Russland dazu bringen kann,
       seinen grausamen Angriff auf die Ukraine zu beenden. Niemand weiß es.
       Anders als bei Corona-, Klima- oder Finanzkrise lässt sich das leider nicht
       berechnen. Wie ein skrupelloser Wladimir Putin auf welche westlichen
       Schritte reagiert, bleibt Spekulation. Umso mehr suchen viele Halt in
       kühnen Plänen – und beschimpfen Andersdenkende als „putinfreundlich“ oder
       „bellizistisch“.
       
       Grob gesagt gibt es zwei Lager. Das Team Gegenattacke glaubt, dass nur
       Strafmaßnahmen jeder Art, noch mehr Sanktionen und noch mehr Waffen helfen.
       Bis Putin so geschwächt ist, dass er die Ukraine in Ruhe lässt oder
       weggeputscht wird. Das ist ein Wunsch, den fast alle teilen – aber nicht
       alle glauben daran, dass er in Erfüllung geht.
       
       Das Team Vorsicht glaubt, dass gerade eine extreme Schwächung Putins extrem
       gefährlich wäre. Weil er dann vielleicht zu schlimmsten Waffen greift, wenn
       er nichts mehr zu verlieren hat. Deshalb hofft das Team Vorsicht weiter,
       irgendwie einen Kompromiss zu finden und so den Krieg zu beenden. Auch das
       ist ein populäres Ziel, das andere aber für viel zu defensiv halten.
       
       Hier kommen Schleswig-Holstein und NRW ins Spiel. Auch wenn viele dort beim
       Wählen eher an den [1][netten Herrn Günther] oder den [2][Mallorca-Urlaub
       einer Ministerin] denken, wird ihr Votum in den Parteien und Medien als
       Stimmungstest gewertet – wie auch nicht: Der Krieg dominiert alles und
       betrifft jeden, mindestens materiell durch die Folgen der Sanktionen, vor
       allem aber psychologisch durch die Frontbilder. Er schwingt auch im
       Wahlkampf immer mit. CDU-Chef Friedrich Merz war kaum zufällig gerade jetzt
       in Kiew.
       
       ## Unterschiedliche Signale
       
       Ganz eindeutig wird es nicht ausgehen. Laut Umfragen sind 45 Prozent der
       Deutschen für Waffenlieferungen, 45 Prozent dagegen. Doch die einzigen
       Parteien, die sich klar gegen Militärhilfe aussprechen, sind Linke und AfD.
       Beide haben aus eigenem Verschulden nur geringe Chancen, was bei den einen
       mehr und bei den anderen gar nicht zu bedauern ist.
       
       Ampel und Union unterstützen gemeinsam die Nato-Politik. Doch sie senden
       unterschiedliche Signale: Merz fordert mehr Verve, CDU-Siege würden ihn
       bestärken. Kanzler Olaf Scholz neigt zur Vorsicht. Die Kritik daran könnte
       er leichter ignorieren, falls die SPD gewinnt.
       
       Für alle gut wäre die Einsicht, dass es keinen sicher richtigen Weg zum
       Frieden gibt. Und Respekt davor, was andere glauben.
       
       8 May 2022
       
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 (DIR) Lukas Wallraff
       
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