# taz.de -- Aufhebung der Quarantänepflicht: Prinzip Durchseuchung
       
       > Nach mehr als zwei Jahren Pandemie entfällt zum 1. Mai die
       > Quarantänepflicht. Dabei widerspricht sich Lauterbach in seinen eigenen
       > Aussagen.
       
 (IMG) Bild: Die Überlastung des Gesundheitswesens ist mit der Aufhebung der Quarantänepflicht vorprogrammiert
       
       Berlin taz | Wer coronapositiv ist oder Kontakt zu einer infizierten Person
       hatte, muss sich ab dem 1. Mai nicht mehr isolieren. Darauf haben sich
       Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und seine Kolleg:innen
       aus den Bundesländern am Montag verständigt. Nach dem Wegfall der
       bundesweiten Maskenpflicht entfällt somit nun auch die Quarantänepflicht.
       
       Die neue Regelung geht auf einen Vorschlag des
       Bundesgesundheitsministeriums sowie des Robert-Koch-Instituts zurück.
       Infizierte müssen sich demnach [1][nur noch freiwillig] und kürzer als
       bislang in häusliche Isolation begeben.
       
       Von dieser Regelung ausgenommen sind Menschen, die in Pflegeberufen und
       medizinischen Einrichtungen tätig sind. Für alle anderen gelte nur noch
       „die dringende Empfehlung“, sich zu isolieren und gegebenenfalls nach fünf
       Tagen wieder freizutesten.
       
       Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Petra Grimm-Benne (SPD),
       erklärte, dass der Strategiewechsel für die Bevölkerung vertretbar sei. Es
       komme nun „mehr als zuvor auf die Eigenverantwortung jedes Einzelnen an,
       sich selbst und andere vor einer Ansteckung zu schützen“.
       
       ## Infizierte ohne Maske im Supermarkt
       
       Die Regelung gilt sowohl für Infizierte mit als auch ohne Symptome und soll
       massenhafte Personalausfälle bei hohen Infektionszahlen vermeiden. Die
       Umsetzung sollen die Bundesländer übernehmen. Auch Karl Lauterbach zeigt
       sich optimistisch: „Die jetzige Regelung funktioniert zwar, ist aber
       dauerhaft nicht notwendig“, schließlich gingen die Fallzahlen zurück und
       der Wendepunkt scheine erreicht zu sein.
       
       Allerdings widerspricht sich der Bundesgesundheitsminister selbst mit
       dieser Aussage. Denn gleichzeitig erklärt er, dass das Land noch nicht in
       einer Situation sei, in der man entwarnen könne. Ferner hatte Lauterbach
       noch vor wenigen Tagen zur Vorsicht aufgerufen und wurde [2][mit dem Satz
       zitiert], dass das Infektionsrisiko selten höher gewesen sei. Täglich 200
       Coronatote, das sei wie ein „Flugzeugabsturz jeden Tag“.
       
       ## Dunkelziffer vermutlich höher
       
       Auch die Akkreditierten Labore in der Medizin e.V. (ALM e.V.) mahnt zur
       Vorsicht: Das Infektionsgeschehen bewege sich nach wie vor auf einem hohen
       Niveau. Die ermittelte Positivrate von getesteten PCR-Tests liegt bei 52,6
       Prozent. Gleichzeitig gehen Expert:innen des fachärztlichen
       Berufsverbandes von einer hohen Dunkelziffer von Infizierten aus. So seien
       in der 13. Kalenderwoche 350.000 Untersuchungen weniger in den Laboren
       durchgeführt worden als in der Woche zuvor. Damit ging auch die Zahl der
       positiven PCR-Tests um 21 Prozent zurück.
       
       „Wir werden weiterhin auf unsere älteren Mitmenschen sowie auf Menschen mit
       Behinderungen und Vorerkrankungen zu achten haben“, betonte der
       ALM-Vorsitzende Michael Müller. Genau das aber funktioniere mit Isolation
       auf freiwilliger Basis nicht, kritisiert Eugen Brysch, Vorstand der
       Deutschen Stiftung Patientenschutz. Die [3][Situation der
       Hochrisikogruppen] werde immer gefährlicher.
       
       Auch der Epidemiologie Hajo Zeeb forderte, die Isolationspflicht für
       infizierte Menschen beizubehalten. Es bestehe zudem noch die Gefahr, dass
       das Virus im Herbst mutiert.
       
       5 Apr 2022
       
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