# taz.de -- Unbeholfene Polizeiarbeit
       
       > Mehrere Zeugenvideos zeigen, wie drei Polizist*innen eine Schwarze
       > Frau an einer Bushaltestelle niederringen. Initiative kritisiert das
       > Vorgehen als sehr unprofessionell
       
 (IMG) Bild: Ausschnitt aus einem der Zeugenvideos
       
       Von Ebru Tasdemir
       
       „Nicht hingucken, Schatz“ und „Können wir jetzt endlich weiterfahren“, hört
       man eine Frau im Bus sagen. Mehrere Zeugenvideos, die der taz vorliegen,
       zeigen, wie drei Polizist*innen eine [1][Schwarze Frau von] an der
       Bushaltestelle Adenauerplatz minutenlang angehen und mehrmals versuchen,
       sie niederzuringen und sie festhalten, um ihr Handschellen anzulegen.
       
       „Ich war im X10 in Richtung Halensee unterwegs, als unser Bus hielt und
       minutenlang nicht mehr weiterfuhr“, sagt ein Zeuge gegenüber taz. Am
       Adenauerplatz hätte der Busfahrer hinter einem anderen Bus gestoppt, zwei
       Kontrolleure, erkennbar an ihren Ablesegeräten, hätten sich am vorderen Bus
       aufgehalten.
       
       Laut Polizeimeldung vom Dienstag sei die Frau „ohne gültigen Fahrausweis“
       unterwegs gewesen und „soll sich geweigert haben, ihre Personalien
       anzugeben“, in der mitgeführten Tasche waren laut Polizei „mutmaßliche
       Betäubungsmittel“.
       
       Der Busfahrer habe eine zufällig vorbeifahrende Polizeistreife auf die
       Situation aufmerksam gemacht. „Als die Polizisten sich ihre schwarzen
       Handschuhe angezogen haben, [2][habe ich angefangen zu filmen]“, erinnert
       sich der US-Amerikaner. Davor habe er gehört, dass einer der Polizisten
       sich aggressiv vor der Frau aufbaute und ihr auf Englisch ins Gesicht
       brüllte: „We‘re gonna arrest you!“ Diese Szene ist nicht auf dem Video
       enthalten, was die Polizist*innen und die Frau sagen und schreien, hört
       man auf allen Videos nur schlecht bis kaum, da sie aus dem Inneren des
       Busses gefilmt sind.
       
       Das längste Video mit über sechs Minuten beginnt damit, dass die Frau einen
       der Polizisten sichtlich beschimpft und ihm ins Gesicht schlägt. Die Frau
       wirkt verstört und stemmt sich mit ganzer Kraft gegen die drei
       Polizist*innen, dreht ihren Kopf nach links und versucht die Polizistin zu
       beißen.
       
       Es folgt ein minutenlanges, unbeholfen anmutendes Gerangel. Die
       Polizist*innen treten die Frau, schlagen sie. Die Frau stößt einem der
       Polizisten, der sich erneut vor sie aufbaut, ihren Kopf in die Brust.
       
       Daraufhin würgt er sie und drückt ihr Gesicht gegen die Fensterscheibe der
       Bushaltestelle. Sie beißt ihn in die Hand. Mit einem Tritt gegen die Beine
       wird sie zu Fall gebracht. Hilfe bekommen die Polizist*innen beim
       Fixieren auf dem Boden aber auch von einem der anwesenden BVG-Kontrolleure,
       der die Frau zusammen mit den beiden Polizisten am Oberkörper festhält, und
       von einem Passanten. Markus Falkner von der BVG begründet das Verhalten des
       Kontrolleurs damit, dass „Kontrollkräfte im Rahmen der Nothilfe natürlich
       helfen“ dürften. Nach etwa vier Minuten ist die Frau in Handschellen, die
       Polizistin hält sie weiterhin fest. Einer der beiden Polizisten blutet
       sichtlich an der rechten Hand.
       
       Weiteres konnte die Polizei nicht zu dem Fall sagen, da die Ermittlungen
       noch nicht abgeschlossen seien. Die Personalien der Frau seien per
       Fingerabdruck festgestellt worden. Laut Polizeimeldung sei die „aggressiv
       agierende 42-Jährige“ in Polizeigewahrsam gebracht. Ihr sei Blut abgenommen
       worden „da sie nach Alkohol roch, unter starken Stimmungsschwankungen litt
       und gerötete Augen hatte“. Die Ergebnisse würden erst in den kommenden
       Tagen feststehen.
       
       Gegen die festgenommene Frau laufen nun mehrere Ermittlungen: unter anderem
       wegen tätlichen Angriffs gegen Vollstreckungsbeamte, Widerstands, eines
       Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz und Erschleichen von Leistungen.
       
       Biplab Basu von der Beratungstelle [3][ReachOut Berlin], die Opfer von
       Racial Profiling und rassistischer Polizeigewalt unterstützt, ist mehr als
       verwundert über das Verhalten der drei Polizist*innen. „Das geht doch
       nicht, dass Polizist*innen so gering in Deeskalation geschult sind“,
       sagt er. Man sehe, dass die Frau nervös und verstört sei und wahrscheinlich
       auch ihre Gründe habe, ohne Ticket zu fahren. “Und das kann man ihr doch
       klarmachen, ohne die Situation derart eskalieren zu lassen.“
       
       23 Mar 2022
       
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