# taz.de -- Straßenblockaden in Kanada: Diffamierung der Form
> Nicht nur Konservative, auch die gesellschaftliche Linke misst bei den
> Straßenblockaden mit zweierlei Maß. Dabei geht man über die Inhalte
> hinweg.
(IMG) Bild: Trucker-Proteste in Kanada am Samstag
Wenn sie Brücken blockieren, tun sie es, um deren Funktion, die
Aufrechterhaltung einer für alle offenen Gesellschaft, wiederherzustellen.
Dieser Satz stand kürzlich [1][in einem Kommentar der Welt]. Kurz konnte
man den Eindruck haben, das Autofahrerblatt würde die
Autobahnblockierer:innen der [2][„Letzten Generation“] anhimmeln.
Doch es ging um querparkende [3][Trucker in Kanada], denen die Impfpflicht
nicht gefällt. Bei hiesigen Verkehrsverhinderern [4][schimpft die Welt]
selbstverständlich über deren zivilen Ungehorsam.
Aber dies soll keine Belustigung über konservative Weltbilder werden. Im
Gegenteil. Denn auch die gesellschaftliche Linke ist keineswegs gefeit
davor, Protestformen zu geißeln, nur weil sie von anderen mit Inhalt
gefüllt werden. Da werden etwa die Spaziergänge der „Querdenker“ als nicht
zu akzeptierendes Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei bezeichnet, [5][gegen
die nur eines helfe]: ein härteres Durchgreifen.
Geht’s noch? Wer jemals auf einer Demo für oder gegen was auch immer war,
weiß, dass der Regelbruch, das Katz-und-Maus-Spiel, eine politisierende
Erfahrung ist. Das Umfließen von Polizeiketten haben linke
Aktivist:innen mit der [6][Fünf-Finger-Taktik] gar zur Strategie
erkoren.
Blockademeister, so viel Protestkunde muss sein, sind übrigens weder linke
Klimaaktivisten noch rechtslastige Trucker. Man findet sie vielmehr in
Bolivien oder Peru, wo es den dort Lebenden gelingt, per Blockade von
Passstraßen in den Anden ganze Regionen lahmzulegen. Von den Regierenden
egal welcher Couleur wird auch das stets als nicht akzeptabler Regelbruch
abgetan.
Wer mit populistischer Argumentation auf Beifall schielt, mag sich damit
begnügen, bei Protesten die Form zu diffamieren. Es ist ja auch schön
einfach, weil man sich so die inhaltliche Auseinandersetzung erspart. Doch
wer schnöde auf das Einhalten der „Regeln“ pocht, läuft schnell Gefahr, die
für alle offene Gesellschaft infrage zu stellen. Dann bräuchte man nicht
nur [7][für eine Revolution eine Bahnsteigkarte], sondern für jeden Protest
den Segen der Regierenden.
15 Feb 2022
## LINKS
(DIR) [1] https://twitter.com/Tim_Roehn/status/1491475540821356552
(DIR) [2] /Aktivistin-ueber-die-Letzte-Generation/!5831243
(DIR) [3] /LKW-Fahrer-protestieren-in-Kanada/!5834529
(DIR) [4] https://www.welt.de/politik/deutschland/plus236814839/Autobahn-Blockaden-Die-Gruenen-und-der-Glaube-an-zivilen-Ungehorsam.html?icid=search.product.onsitesearch
(DIR) [5] /Gruene-Schulze-ueber-Corona-Demos/!5828178
(DIR) [6] /!276585/
(DIR) [7] https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_gefl%C3%BCgelter_Worte/D#Deutsche_Revolution%C3%A4re_besetzen_einen_Bahnhof_erst_nach_Kauf_einer_Bahnsteigkarte
## AUTOREN
(DIR) Gereon Asmuth
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