# taz.de -- Insolvenz der MV-Werften: Pötte, die niemand braucht
       
       > Die MV-Werften sollten riesige Schiffe für Asien bauen. Dann kam Corona.
       > Was ein Milliardär aus Malaysia mit der insolventen Firma zu tun hat.
       
 (IMG) Bild: Die MV-Werften am Standort in Warnemünde im September 2020
       
       Peking taz | Nun setzt sich die [1][Tragödie rund um die insolventen
       MV-Werften] auch in Ostasien fort: Zunächst waren die Aktien des vorherigen
       Eigentümers [2][Genting] vom Handel an der Börse ausgesetzt, am Donnerstag
       folgte dann der tiefe Fall. Allein bis zur Mittagsstunde brachen die Kurse
       um gut 50 Prozent ein. Es ist der spektakuläre Widerhall eines
       spektakulären Bankrotts.
       
       Ein Rückblick: [3][2016 kaufte Genting die Werften] mit großen Plänen und
       Ambitionen. Der malaysische Casino-Magnat und Milliardär Lim Kok Thay
       sorgte für die nötige finanzielle Potenz. Riesige Kreuzfahrtschiffe sollten
       gebaut werden, Luxusliner für die rasant steigende Oberschicht des
       asiatischen Marktes.
       
       Die Reise mit dem neuen Investor ging zunächst auch vielversprechend los:
       Der Vertrag für den Bau von zehn Schiffen hatte Lim Kok Thay bei seinem
       Antrittsbesuch in Wismar bereits dabei. Und die Wachstumsaussichten sahen
       zunächst blendend aus: Allein in China, einem der Hauptmärkte, kommen jedes
       Jahr mehrere Millionen Menschen zur Mittelschicht hinzu.
       
       Und doch endete die Kooperation zwischen Wismar und Hongkong unlängst im
       Desaster. Am Montag folgte der Insolvenzantrag beim Amtsgericht Schwerin,
       und auch die Bremerhavener Lloyd-Werft – ebenfalls in Genting-Besitz –
       ereilte dasselbe Schicksal.
       
       ## Lange um Arbeitsplätze gerungen
       
       Die Bundesregierung hatte lange um die knapp 2.000 Arbeitsplätze gerungen,
       wollte mit einer vergleichsweise hohen Summe von 600 Millionen Euro
       aushelfen. Doch schlussendlich blockte der Eigentümer aus Hongkong, der
       kein klares Bekenntnis gab: Nur 60 Millionen Euro hätte Genting auf den
       Tisch legen müssen. Offenbar glaubte das Unternehmen jedoch selbst nicht
       mehr an die Zukunft der Schiffbauer aus Deutschland.
       
       Für die Bundesregierung ist die Schuldfrage klar. Doch ob den Ostasiaten
       ein moralischer Vorwurf zu machen ist, lässt sich nur schwerlich
       beantworten. Denn zum einen hat Genting seit der Pandemie mit enormen
       Verlusten zu kämpfen, allein 2020 waren es über 1,7 Milliarden US-Dollar.
       Zudem galt der Eigentümer lange Zeit als geradezu vorbildlich. Die
       deutschen Gewerkschaften zeigten sich weitgehend über die Investitionen von
       Genting in die strukturschwache Region begeistert. Genting sicherte
       Arbeitsplätze, die sonst wohl verloren gegangen wären.
       
       Genting ist in der Tat ein außergewöhnliches Unternehmen. Gegründet wurde
       es 1937 von einem chinesischen Flüchtling, der während der japanischen
       Invasion nach Malaysia auswanderte. Nur eine Generation später unterhält
       Genting das weltweit größte Resort-Hotel der Welt, betreibt riesige
       Palmölplantagen, eröffnet Casinos und baut vor allem etliche
       Kreuzfahrtschiffe.
       
       ## Hongkong abgeschirmt
       
       Doch diese werden in Zeiten der Pandemie natürlich nicht mehr benötigt.
       Gerade Hongkong, wo die Hauptzentrale Gentings steht, gilt derzeit mit
       seinen Quarantäneregeln als eines der abgeschirmtesten Gebiete überhaupt.
       Wer möchte schon reisen, wenn man bei der Ankunft zurück in der Heimat erst
       einmal drei Wochen in Isolation muss?
       
       Dementsprechend folgte bei den Werften in Ostdeutschland ein krasser Fall.
       Als Wermutstropfen der Insolvenz gilt, dass zumindest die ausstehenden
       Löhne der Belegschaft von 1.900 Mitarbeitern am Montag ausgezahlt werden
       sollen.
       
       Das letzte Kapitel der Geschichte ist noch nicht zu Ende: Laut
       Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) werde man am Ziel festhalten,
       die zu drei Vierteln fertiggestellte „Global Dream“ zu Ende zu bauen. Es
       wäre mit 9.500 Passagieren das weltweit größte Kreuzfahrtschiff. Doch ob
       dieses angesichts von Omikron und Klimawandel benötigt wird, steht in den
       Sternen.
       
       14 Jan 2022
       
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