# taz.de -- Borussia Dortmund bereit für FC Bayern: Toller Umschwung
       
       > Etwas überraschend gewinnt Borussia Dortmund in Wolfsburg. Nach etlichen
       > Rückschlägen gelingt ihnen wieder spektakulärer Kombinationsfußball.
       
 (IMG) Bild: Artistisches Comeback: Erling Haaland erzielt nach seiner Einwechslung ein beeindruckendes Tor
       
       Obwohl auf dem Spielfeld gerade gar nichts passierte, brandete Mitte der
       zweiten Hälfte im Gästeblock der Wolfsburger Arena plötzlich mächtiger
       Jubel auf, fast wie nach einem Tor. Was war los? Der lange verletzt
       ausgefallene Erling Haaland hatte sich auf den Weg von der Aufwärmzone zur
       Bank gemacht. Ein paar Sekunden nach seiner Einwechslung knallte der
       Ausnahmestürmer den ersten Schuss aufs Tor. Acht Minuten später erzielte er
       den spielentscheidenden Treffer zum 3:1-Erfolg der Dortmunder beim VfL
       Wolfsburg (82.). Es war sein 50. Tor im 50. Bundesligaspiel, das ist
       einsame Spitze.
       
       Jetzt könnte man die [1][übliche Omnipotenzstory vom singulären
       Starfußballer] erzählen. Aber dieses fabelhafte Tor steht auch für eine
       andere Geschichte, nämlich die Addition von individuellen Qualitäten zu
       einem spektakulären Kombinationsfußball, wie ihn der BVB an diesem Samstag
       etwas überraschend auf den Rasen brachte. Dafür stehen besonders die
       Vorbereiter von Haalands Treffer, nämlich Marco Reus und Julian Brandt,
       deren Spielintelligenz sich oft auch in unscheinbaren Pässen manifestiert,
       die aber in der Addition und angesichts des Tempos im Dortmunder
       Ballbesitzspiel auch gegen eine formierte Abwehr zu Chancen und Treffern
       führen.
       
       Dafür stand das 2:1, wo Brandt und Reus mit zwei scheinbar harmlosen
       Bällchen den Raum schufen, den Haaland-Vertreter Donyell Malen dann mit
       seiner Spezialität erfolgreich abschloss, dem Diagonallauf zur Mitte und
       einem Schuss aus etwa 18 Metern (56.). Die VfL-Führung hatte Weghorst (2.)
       mit dem Bauch erzielt, den Ausgleich Can per Foulelfmeter (35.), auch hier
       leistete Reus mit einem Strafraumlauf die Vorarbeit.
       
       [2][Der VfL Wolfsburg war nicht schlecht,] bissig, ordentlich organisiert
       und in einer Phase nach dem 1:2 sogar mit druckvollem Ballbesitzspiel und
       Chancen. Der neue Trainer Florian Kohfeldt sah den Unterschied zwischen
       einer „guten und einer sehr guten Mannschaft“ in den Phasen, in denen der
       VfL sich habe nervös machen lassen. Aber es ist vor allem das
       Tempoballbesitzspiel des BVB, das die Wölfe nicht oder noch nicht drauf
       haben. Da ist es fast ein bisschen ironisch, dass der BVB nach der herben
       Niederlage letzte Woche bei Sporting Lissabon aus der Champions League
       ausgeschieden ist, während die Wölfe mit einem Sieg im Gruppen-Endspiel bei
       Lille noch das Achtelfinale erreichen können.
       
       ## Mentalität eines Spitzenteams
       
       Dortmund hatte zuletzt drei von vier Spielen verloren, dreimal in Folge in
       der Champions League, jede Menge Tore geschluckt. Was er gedacht habe, nach
       Weghorsts schnellem Treffer, wurde Trainer Marco Rose gefragt. Na ja, sagte
       er, dass eigentlich Wolfsburg statistisch gegen den BVB fast immer
       verliere, keine Tore schieße und Weghorst sowieso nicht. Das Tor war über
       die linke Seite von Nico Schulz gefallen, der wegen der
       BVB-Verletzungsserie in Lissabon ins Team kam und schon dort nicht gut
       ausgesehen hatte.
       
       Man hätte also annehmen können, dass der angeschlagene BVB psychologisch
       wegknackst, stattdessen agierte die Elf spielerisch und mental wie ein
       echtes Spitzenteam, das man ja auch sein will. „Wir haben über ein paar
       Dinge geredet nach dem Mittwochspiel, es ging um Konsequenz Richtung
       gegnerisches Tor, das sind die Dinge, die uns hie und da noch abgehen“,
       sagte Rose.
       
       Woher der Turnaround genau kam, das „konkrete und konsequente Arbeiten
       Richtung gegnerisches Tor“, kann man beim Fußball ja nie bis ins Letzte
       erklären, jedenfalls sah der Trainer „spielerisch eine der besten
       Saisonleistungen“. Und damit ist das Heimspiel am kommenden Wochenende
       gegen den FC Bayern zumindest tabellarisch ein Kracher auf Punktehöhe – und
       rechtzeitig dafür Erling Haaland zurück. „Ein Weltklassestürmer, der hat
       eine Möglichkeit und macht das Tor“, sagte Wolfsburgs Innenverteidiger
       Joshua Guilavogui, „das ist gut für Dortmund, aber nicht gut für uns.“
       Besser kann man die Sache nicht zusammenfassen.
       
       28 Nov 2021
       
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