# taz.de -- Joe Biden bekennt sich zu Taiwan: Ein wichtiges Signal
       
       > Der US-Präsident verspricht, Taiwan im Kriegsfall beizustehen. Derweil
       > wächst die Bedrohung einer chinesischen Invasion.
       
 (IMG) Bild: Biden will Taiwan unterstützten
       
       Peking taz | US-Präsident Joe Biden mag oftmals behäbig wirken, doch im
       CNN-Fernsehstudio kam das „Ja“ des US-Präsidenten wie aus der Pistole
       geschossen. [1][Vor laufenden Fernsehkameras versprach der 78-Jährige] so
       deutlich wie kein amerikanischer Staatschef vor ihm, Taiwan im Kriegsfall
       verteidigen zu wollen: Die US-Regierung habe eine „Verpflichtung“, dies zu
       tun. Zwar suche man keinen Konflikt mit China, werde aber auch „keinen
       Schritt zurück machen“.
       
       Zum derzeitigen Zeitpunkt kommt eine solch deutliche Aussage einer
       regelrechten Offenbarung gleich. [2][Der Konflikt zwischen China und
       Taiwan] ist so angespannt wie seit über einem Vierteljahrhundert nicht
       mehr. Die Zeichen, dass Peking seine Drohungen einer „Wiedervereinigung“
       mit der „abtrünnigen Provinz“ auch in die Tat umsetzen könnte, haben sich
       zuletzt vermehrt. Die Gretchen-Frage blieb dabei stets, ob sich der
       demokratische Inselstaat mit 23 Millionen Einwohnern auf die
       US-Streitkräfte als Lebensversicherung verlassen kann oder nicht.
       
       Die Reaktion Pekings ließ nicht lange auf sich warten. Zwar verurteilte das
       Außenministerium die Aussage Bidens, doch in seiner Rhetorik blieb
       Regierungssprecher Wang Wenbin betont sachlich: Taiwan sei eine innere
       Angelegenheit Chinas und „untrennbarer Teil des chinesischen Territoriums“.
       
       Solche Standardfloskeln sind nahezu milde verglichen mit der verrohten
       Rhetorik, die Chinas Staatsführung mittlerweile gegen Taiwan auffährt. Die
       nationalistische Global Times, die im Besitz der Kommunistischen Partei
       ist, schrieb zuletzt in einem Tweet von der „Endlösung der Taiwan-Frage“.
       Und zu Beginn des Monats forderte Chinas Staatschef wiederholt den
       Anschluss Taiwans: „Die vollständige Wiedervereinigung unseres Landes wird
       und kann verwirklicht werden“.
       
       ## Kampfflugzeuge im Wochentakt
       
       Doch bei bloßen Worten bleibt es längst nicht mehr. [3][China entsendet
       mittlerweile im Wochentakt Kampfflugzeuge in Richtung Taiwans], zuletzt
       immer öfter auch während Nachteinsätzen. Die Einschüchterungsversuche
       lassen sich bislang noch als rein psychologische Kriegsführung verstehen:
       Die Streitkräfte Taiwans sollen in konstanter Anspannung gehalten und mürbe
       gemacht werden.
       
       Doch wie blitzschnell die reine Provokation zum Ernstfall werden kann,
       zeigte sich zuletzt am 1. Oktober. Als ein taiwanesischer Fluglotse einen
       eindringenden Kampf-Jet aus China anfunkte, beschimpfte der Pilot sein
       Gegenüber mit einer profanen Beleidigung seiner Mutter. Es braucht wenig
       Fantasie sich auszudenken, dass eine unüberlegte Handlung im Affekt einen
       militärischen Konflikt auslösen könnte.
       
       Innerhalb Washingtons Denkfabriken wird zunehmend die Auffassung geteilt,
       dass eine chinesische Invasion immer wahrscheinlicher wird. Ein gängiges
       Narrativ beruht darauf, dass die Macht Pekings allmählich auf seinem Zenit
       zusteuert. Die rasante Alterung der Gesellschaft, zunehmende
       Haushaltsschulden und die Abhängigkeit von Energieimporten könnten schon
       bald zu einer deutlichen Abflachung des chinesischen Wachstums führen.
       
       „Langfristig wäre Chinas Abstieg wohl eine gute Sache. Aber kurzfristig
       kreiert dies ein Jahrzehnt voller Gefahren“, schreiben die China-Experten
       Andrew S. Erickson und Gabriel B. Collins in einem vielbeachteten Beitrag
       des Magazins Foreign Policy: „Das System erkennt, dass es nur noch eine
       kurze Zeit hat, um einige seiner wichtigsten und lang gehegten Ziele zu
       erreichen“.
       
       ## Zurück ins chinesische Reich
       
       Viele europäische Diplomaten kommen zu einer anderen Einschätzung. Doch
       auch ihre Interpretation ist aus der Perspektive Taiwans ebenso
       ernüchternd: Dass Xi Jinping seine Umgestaltung der chinesischen
       Gesellschaft und seine aggressive Außenpolitik ohne Rücksicht auf Verluste
       derart rasant vorantreibt, ließe nur einen Rückschluss zu: Der 68-jährige
       Machthaber wolle sich noch vor seinem Ableben in den Geschichtsbüchern
       verewigen – [4][indem er Taiwan wieder zurück ins chinesische Reich holt].
       
       Militärisch wird China dazu bald die Fähigkeiten haben. Selbst Taiwans
       Verteidigungsminister Chiu Kuo-cheng geht davon aus, dass Pekings
       Volksbefreiungsarmee bis 2025 in der Lage sein dürfte, mit minimalen
       Verlusten eine Invasion der Insel zu starten: „Es ist die schlimmste Lage,
       die ich in meinen 40 Jahren im Militär erlebt habe“.
       
       Angesichts solcher Rhetorik ist umso erstaunlicher, dass der geopolitische
       Konflikt im Alltag der Taiwaner kaum zu spüren ist. Die Inselbewohner haben
       seit Jahrzehnten gelernt, unter einer konstanten Bedrohung zu leben. Doch
       die scheinbare Idylle könnte trügerisch sein.
       
       22 Oct 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://youtu.be/A4hK_CdSTW0
 (DIR) [2] /Drohungen-aus-China/!5804229
 (DIR) [3] /Pekings-Drohgebaerden-gegen-Taiwan/!5801342
 (DIR) [4] /Drohungen-aus-China/!5804229
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Fabian Kretschmer
       
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